Ein einziger Heimsieg, aber fünf Auswärtssiege. 31 Tore in acht Spielen. Der Titelverteidiger auf eigenem Platz von einem Neuling geschlagen: Das sind die nackten Tatsachen zum dritten Spieltag der UEFA Champions League am Dienstag.
Einzig die Spanier vom FC Sevilla wurden ihrer Favoritenrolle gerecht. Der FC Liverpool und Inter Mailand müssen hingegen schleunigst den Schalter umlegen, wenn sie auf Kurs bleiben wollen.
Die Ergebnisse
Gruppe E
FC Liverpool - Olympique Lyon 1:2
VSC Debrecen - AC Florenz 3:4
Gruppe F
Inter Mailand - Dinamo Kiev 2:2
FC Barcelona - Rubin Kazan 1:2
Gruppe G
VfB Stuttgart - FC Sevilla 1:3
Glasgow Rangers - Unirea Urziceni 1:4
Gruppe H
AZ Alkmaar - Arsenal London 1:1
Olympiakos Piräus - Standard Lüttich 2:1
Das Spitzenspiel
FC Barcelona - Rubin Kazan 1:2
Tore: Zlatan Ibrahimovic (48.) für Barcelona; Alexander Ryazantsev (2.), Gökdeniz Karadeniz (73.) für Rubin Kazan
In seinem dritten Europapokalspiel trat der russische Meister unbekümmert und technisch beschlagen auf und schlug den Titelverteidiger so letztlich mit seinen eigenen Waffen. Gleich zu Beginn etwa zog Alexander Ryazantsev aus 30 Metern so trocken ab, dass Barcelona fortan vorsichtig agierte und offenbar erst einmal Stabilität gewinnen wollte. Damit beraubten sich die Katalanen aber ihrer Stärken. Hinzu kam, dass der Neuling quer über den ganzen Platz gnadenlos Pressing spielte und mit jeder Balleroberung seine Chance suchte. Auch der technisch schön erzielte Ausgleich von Zlatan Ibrahimovic änderte daran nichts. Rubin Kazan machte nicht den Fehler, sich zurückzuziehen und den einen Punkt sichern zu wollen. Wie sich herausstellen sollte, war das genau das richtige Rezept gegen Barcelona. Der Siegtreffer durch Gökdeniz Karadeniz fiel nach einem glänzend herausgespielten Konter. Es war die gerechte Belohnung für die aktivere Mannschaft mit dem besseren Kombinationsfussball.
Die Überraschung des Tages
Glasgow Rangers - Unirea Urziceni 1:4
Tore: Ricardo Vilana (2., ET) für Glasgow Rangers, Marius Bilasco (32.), Kyle Lafferty (49., ET), Lee McCulloch (58., ET), Pablo Brandan (65.) für Unirea
Die Rangers dürften nach dem Traumstart und der Führung in der zweiten Minute wohl gedacht haben, ab jetzt liefe das Spiel von alleine. Die Schotten machten in der Folge den Fehler, den äußerst motivierten Rumänen die Initiative zu überlassen. Diese nahmen die Einladung dankend an, betrieben einen Riesenaufwand und versuchten sich dabei auch noch oft an technischen Kabinettstückchen und wagemutigen Torschüssen.
Die anderen Spiele
Den Zuschauern in Debrecen wurde wahrlich etwas geboten. Beide Mannschaften waren offensiv ausgerichtet und geizten nicht mit Toren. Ein halbes Dutzend davon gab es binnen 45 Minuten. Die Ungarn können sich dabei letztlich zwar damit trösten, dass ihre Tore beide in die Kategorie "Besonders sehenswert" fallen, aber konterkariert wurde das Ganze dann am Ende doch wieder von der fehleranfälligen Hintermannschaft. Unterm Strich geht das 4:3 für Florenz absolut in Ordnung. Der wahre Sieger des Abends war jedoch der Fussball. Lyon verteidigte die Spitzenposition in Gruppe E durch einen verdienten Erfolg in Liverpool (2:1). Die Reds boten erneut eine ideenlose Vorstellung ohne Biss, ganz wie zuletzt in der Premier League. Der Siegtreffer fiel allerdings erst in der Nachspielzeit nach wunderschöner Flanke von Sydney Govou auf Cesar Delgado.
Inter Mailand kann anscheinend in der Champions League nicht mehr gewinnen. Trotz großen Drucks in der zweiten Hälfte muss der italienische Meister froh sein über die Punkteteilung beim 2:2 gegen Dinamo Kiev, das sein Heil in der Offensive suchte und damit vor allem vor der Pause viel Erfolg hatte.
In Gruppe G beeindrucke der FC Sevilla einmal mehr mit seiner Offensivstärke. Gegen den deutschen Vertreter aus Stuttgart gab es den dritten Sieg im dritten Spiel und drei Tore (3:1). Die Spanier erwiesen sich in allen Belangen als überlegen. Weil im Angriff drei der wichtigsten Akteure verletzt ausfielen, übernahmen das Toreschießen dieses Mal die Verteidiger in Person von Sébastien Squillaci, der mit seinem Doppelpack die Tür zum Achtelfinale faktisch ganz weit aufgestoßen hat.
Arsenal London wiederum hatte gegen AZ Alkmaar dank Cesc Fabregás eine Stunde lang geführt. Weil aber ein Spiel bekanntlich 90 Minuten dauert, kam der niederländische Meister am Ende doch noch zum 1:1-Ausgleich. Eine feine Einzelleistung von Graziano Pellè leitete den Treffer ein, David Mendes Da Silva musste den Ball nach der Kopfballvorlage nur noch entschlossen ins Tor schießen. Ansonsten fand Olympiakos Piräus im anderen Spiel der Gruppe H nach Rückstand zur Halbzeit nach der Pause doch noch die Mittel, um gegen Standard Lüttich zum Ausgleich zu kommen. Kostantinos Mitroglou besorgte den Gleichstand, der eingewechselte Leroklis Stoltidis schaffte dann in der Nachspielzeit sogar noch den Siegtreffer. Olympiakos hat damit Chancen auf das Achtelfinale.
Die Zahl des Tages
8 - So viele Spiele ist Inter Mailand in der Champions Leaguie nun schon sieglos. Immerhin: Eine Niederlage gab es in dieser Spielzeit auch noch nicht. Für den ambitioniert angetretenen italienischen Meister gab es in der Königsklasse zuletzt drei Remis.
Das Tor des Tages
VSC Debrecen - AC Florenz 2:4 (Gergely Rudolf, 28.)
Gergely Rudolf setzt sich auf der linken Seite gegen drei Verteidiger der Fiorentina durch. Dann bricht er seinen Sturmlauf ab, schaut auf und platziert einen mit der Innenseite angeschnittenen Superschuss genau im Winkel des gegnerischen Tors.
Die wichtigsten Spiele des vierten Spieltags
Gruppe E: Olympique Lyon - FC Liverpool: Eine neuerliche Niederlage würde praktisch das Aus für den englischen Rekordmeister bedeuten.
Gruppe F: Rubin Kazan muss daheim gegen den FC Barcelona nachlegen, und Inter Mailand trifft in der Ukraine auf Dinamo Kiev mit einem hoch motivierten Andriy Shevchenko.
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