Europas Fans blicken bereits voller Vorfreude auf die packenden WM-Qualifikationsspiele des kommenden Wochenendes. Die Chance, sich in Torlaune zu versetzen, hatten die Stars in den vergangenen beiden Tagen im nationalen Liga-Alltag. Topklubs wie Real Madrid, Manchester United, Juventus Turin, Bayern München und Girondins Bordeaux hatten allerdings guten Grund, das Stadion frustriert zu verlassen. FIFA.com fasst das Geschehen in den Top-Ligen des Kontinents zusammen.

Premier League: Franzosen lassen die Blues jubeln
In blauen Trikots fühlen sie sich schlichtweg pudelwohl: Die französischen Nationalspieler Nicolas Anelka und Florent Malouda trafen diesmal zwar nicht im Nationaljersey der Bleus, dafür aber im Klubdress für die Blues, um ihrem FC Chelsea im Topspiel gegen den FC Liverpool einen 2:0-Erfolg zu sichern. Weil Meister Manchester United zudem nicht über ein 2:2 gegen den AFC Sunderland hinauskam, thronen die ambitionierten Londoner jetzt auf dem Spitzenplatz.

Dies war jedoch nicht der einzige Grund zum Jubeln für die Fussballbegeisterten in der britischen Metropole. Mit einem halben Dutzend Toren fertigte der FC Arsenal beim 6:2-Sieg die Blackburn Rovers ab und hat nun insgesamt schon 24 Mal in nur sieben Ligaspielen das gegnerische Netz zappeln lassen. Tottenham Hotspur gelang zwar nur ein 2:2 bei den Bolton Wanderers, Harry Redknapps Schützlinge stehen aber dennoch mindestens bis zum Spiel an diesem Montagabend zwischen Aston Villa und Manchester City auf Platz drei.

Die ersten Drei: FC Chelsea (21 Punkte), Manchester United (19), Tottenham Hotspur (16)
Die letzten Drei: Hull City (7), West Ham United (5), FC Portsmouth (3)
Die besten Torschützen: Darren Bent, Fernando Torres (beide 8 Tore)
Die Zahl des Tages: Jan Vennegoor of Hesselink in Diensten von Hull City wurde am Wochenende der 49. Niederländer, der in der englischen Premier League traf. Nur fünf Länder - England, Frankreich, Schottland, die Republik Irland und Wales - können auf noch mehr verschiedene Premier-League-Torschützen verweisen.

Primera División: Historischer Glanzmoment eines jungen Juwels
Manchmal lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen eben doch. Während die Protagonisten FC Barcelona und Real Madrid auf der großen Bühne des spanischen Titelrennens eifrig um das größere Scheinwerferlicht kämpfen, avancierte ein gewisser Iker Muniain im Alter von 16 Jahren und 289 Tagen zum jüngsten Torschützen aller Zeiten in der Primera División. Geholfen hat der Treffer des Sturmtalents dem Team von Athletic Bilbao immerhin zu einem 2:2 bei Real Valladolid.

Ein besonderes Schauspiel boten aber auch die etatmäßigen Hauptdarsteller, denn während die Champions aus Barcelona dank eines Treffers von Pedro Rodriguez mit 1:0 gegen UD Almeria gewannen und weiter punktverlustfrei blieben, kassierte Real die erste Niederlage: Ohne den angeschlagenen Cristiano Ronaldo verpatzten die Königlichen ihre erste große Standortbestimmung und verloren mit 1:2 beim FC Sevilla.

Die ersten Drei: FC Barcelona (18 Punkte), Real Madrid, FC Sevila (beide 15)
Die letzten Drei: FC Malaga (4), FC Villarreal (3), Deportivo Xerez (2)
Die besten Torschützen: David Villa (6 Tore), Cristiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimovic, Lionel Messi (je 5)
Die Zahl des Tages: Im sechsten Saisonspiel gelang Atlético Madrid beim 2:1 gegen Real Saragossa der erste dreifache Punktgewinn. Damit egalisierte der Klub seinen Negativrekord aus den Spielzeiten 1953/54 und 1942/43.

Serie A: Zwei Welten in Mailand
Die Zeiten, in denen er Wochenende für Wochenende die Schlagzeilen bestimmt hat, wollte er in dieser Saison wieder aufleben lassen. Nun hat Ronaldinho immerhin dafür gesorgt, seinen AC Mailand vor einer Blamage zu bewahren. Der Brasilianer war es, der den Rossoneri mit seinem Treffer in der Schlussphase bei Atalanta Bergamo ein 1:1 sicherte. Dennoch liegen die Mailänder weiterhin nur im Mittelfeld der Tabelle und hoffen sehnlichst darauf, den Knoten endlich platzen zu lassen.

Auch bei den Stadtrivalen von Inter hat ein Last-Minute-Tor für Freude gesorgt. Wesley Sneijder traf in der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg gegen Udinese Calcio, hat damit aber dafür gesorgt, dass der Meister wieder ganz oben steht. Profitieren konnte José Mourinhos Truppe von den Patzern der Konkurrenz: Sampdoria Genua kam zuhause nicht über ein 1:1 gegen den FC Parma hinaus und Juventus Turin verlor bei US Palermo überraschend mit 0:2. 

Die ersten Drei: Inter Mailand, Sampdoria Genua (beide 16 Punkte), Juventus Turin (14)
Die letzten Drei: Catania Calcio (4), Atalanta Bergamo, AS Livorno (beide 3)
Die besten Torschützen: Antonio di Natale (9 Tore), Francesco Totti (6)
Die Zahl des Tages: Beim 2:1-Heimsieg von AS Rom gegen den SSC Neapel traf Francesco Totti doppelt. Es war bereits der zweite Doppelpack des 33-Jährigen in dieser Saison, der gemeinsam mit Daniele de Rossi (3) mehr als die Hälfte aller Roma-Treffer erzielt hat.

Ligue 1: Auch Bordeaux ist verwundbar
Wenn Champions unter sich sind, kommt meistens etwas Denkwürdiges dabei herum. So auch in Frankreichs Oberhaus am vergangen Wochenende. Rekordmeister AS St. Etienne hat zwar schon lange nicht mehr an den großen Fleischtöpfen geschnuppert, dem amtierenden Titelträger Girondins Bordeaux beim überraschenden 3:1-Erfolg vor heimischer Kulisse immerhin die erste Niederlage seit sieben Monaten und nach 17 Siegen aus 18 Spielen hinzugefügt.

Der lachende Dritte im Klub der französischen Fussball-Größen der Vergangenheit und Gegenwart ist der ehemalige Abonnement-Meister Olympique Lyon. Das Ensemble von Claude Puel behielt mit 2:0 beim RC Lens die Oberhand, ist als einziges Team weiter ungeschlagen und kletterte bis auf die Pole Position. Im Duell der südfranzösischen Renommierklubs schockte Olympique Marseille derweil am Sonntagabend mit einer bitteren 1:2-Heimpleite gegen den AS Monaco seine emotionalen Fans.

Die ersten Drei: Olympique Lyon (20 Punkte), Girondins Bordeaux (19), HSC Montpellier (17)
Die letzten Drei: OGC Nice (8), Le Mans UC 72 (7), Grenoble Foot 38 (0)
Die besten Torschützen: Mamadou Niang (6 Tore), Nene (5)
Die Zahl des Tages: Der sensationell auf Platz drei stehende HSC Montpellier hat bereits 15 Tore geschossen und damit einen der stärksten Sturmreihen der Liga. Nur Meister Bordeaux (16) hat bislang noch mehr Treffer verbuchen können.

Bundesliga: Podolskis gute Laune in München
Ein schelmisches Grinsen konnte sich Lukas Podolski nicht verkneifen. Der deutsche Nationalstürmer vermieste seinem Ex-Klub Bayern München, bei dem er nie so richtig glücklich wurde, das Abschlusswochenende des Oktoberfests nach Strich und Faden. Ein torloses Remis ergatterte sich Prinz Poldi mit seinem 1. FC Köln, zu dem er im Sommer nach viel zitiertem Heimweh zurückkehrte, und ließ das Star-Ensemble von Trainer Louis van Gaal somit vorerst im grauen Mittelmaß des deutschen Oberhauses versinken.

Lange Gesichter gab es auch beim deutschen Meister VfL Wolfsburg, der beim VfL Bochum nicht über ein 1:1 hinauskam und nach wie vor die Souveränität der vergangenen Saison vermissen lässt. An der Spitze ziehen Bayer Leverkusen und der Hamburger SV - beide noch ungeschlagen - weiter einsam ihre Kreise. Während die Leverkusener mit 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg gewannen, siegten die Hamburger mit 3:1 bei Hertha BSC Berlin und schossen die Hauptstädter trotz des Trainerwechsels von Lucien Favre zu Friedhelm Funkel noch tiefer in die Krise.

Die ersten Drei: Bayer Leverkusen, Hamburger SV (beide 20 Punkte), Schalke 04 (16)
Die letzten Drei: 1. FC Köln, 1. FC Nürnberg (beide 5), Hertha BSC Berlin (3)
Die besten Torschützen: Stefan Kießling (6 Tore), Claudio Pizarro (5)
Die Zahl des Tages: Sieben Treffer fielen beim 5:2-Heimsieg von Hannover 96 gegen den SC Freiburg. Damit sahen die rund 28.500 Zuschauer in der AWD-Arena das bislang torreichste Match der laufenden Runde.

Weitere Ligen
Im Ibrox-Park waren es die Glasgow Rangers, die ihrem Erzrivalen Celtic die erste Saison-Niederlage der laufenden Runde in der schottischen Premier League hinzufügten. Das 385. Old-Firm-Derby entschieden die Platzherren mit 2:1 für sich, Kenny Miller avancierte dabei mit einem Doppelpack zum Matchwinner. Die Rangers liegen in der Tabelle jedoch noch immer einen Punkt hinter Spitzenreiter Celtic.

Unterdessen nimmt der Höhenflug von Sporting Braga in der portugiesischen Liga Sagres kein Ende. Der Spitzenreiter gewann nun auch zuhause gegen Vitoria Setubal und hat damit angesichts von 21 Punkten aus sieben Spielen weiterhin eine blütenweise Weste.

Der überraschende Tabellenführer in der niederländischen Eredivisie heißt nach neun Spieltagen FC Twente Enschende. Dabei profitierte der Primus, der bei Heracles Almelo mit 3:1 gewinnen konnte, vom torlosen Remis des PSV Eindhoven beim FC Utrecht. Es ist das erste Mal seit 34 Jahren, dass Twente so "spät" in der Saison ganz oben steht.