In den WM-Qualifikationsspielen Frankreichs gegen Rumänien (1:1) und Serbien (1:1) gehörte er zu den besten Akteuren und für den FC Chelsea erzielte er beim Auftakt der UEFA Champions League gegen den FC Porto (1:0) den Treffer des Tages: Der französische Stürmer Nicolas Anelka ist zurzeit in bestechend guter Form.
"Alle Welt sprach nur darüber, dass Didier Drogba fehlte, doch Nicolas meldete sich zur Stelle und hat gezeigt, was für ein großartiger Torjäger er ist", erklärte Chelsea-Kapitän John Terry. "Ich freue mich sehr für ihn, denn momentan spielt er sehr gut. Anelka ist ein großartiger Fussballer", ergänzte Blues-Coach Carlo Ancelotti, der Hauptverantwortliche für den guten Saisonstart seines Angreifers.
Im Anschluss an die Auftaktbegegnung der Londoner auf der europäischen Bühne traf sich FIFA.com zu einem Gespräch mit Anelka. Der Franzose, der als unsteter Charakter galt und ein Jahrzehnt lang von einem europäischen Klub zum nächsten weitergereicht wurde - von Paris nach London über Madrid, Manchester, Liverpool oder Istanbul -, scheint sich endlich stabilisiert zu haben: Es war ein strahlender Anelka, der zu unserem Treffen erschien.
Die entscheidende Vorlage gegen Stoke City (2:1), einziger Torschütze gegen Porto (1:0): Sie befinden sich momentan in einer guten Phase...
Es läuft gut, das ist richtig. Umso besser für mich! Es werden wieder Zeiten kommen, in denen es weniger gut läuft, und man muss sich mental darauf vorbereiten. Aber jetzt genieße ich den Moment. Es ist wahnsinnig wichtig, bei den großen Spielen voll da zu sein. Porto hat gut gespielt. Die letzten 20 Minuten waren sehr schwierig für uns. Wir waren müde. Das Tor war wichtig für mich, aber noch wichtiger für den Klub, denn es war die erste Partie in der Champions League, außerdem auswärts und gegen einen direkten Konkurrenten in der Qualifikation.
Alle Welt sorgte sich wegen des Fehlens von Didier Drogba, aber Sie waren zur Stelle. Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?
Es ist gut, wenn wir auch ohne ihn gewinnen können, aber es ist noch besser, wenn er dabei ist. [Er lächelt] Er fehlt uns, wenn er nicht spielen kann. Seine körperliche Präsenz fehlt uns. Ohne ihn ist es anders. Normalerweise agiere ich hinter ihm, praktisch im Mittelfeld. Am Dienstag habe ich als einzige Spitze gespielt. Aber das ist nichts Neues für mich, ich habe in der vergangenen Saison mehr als ein Dutzend Partien auf dieser Position gemacht.
Man hat den Eindruck, dass Sie sich befreit fühlen in Carlo Ancelottis System mit zwei Spitzen...
Das ist richtig. Ich spiele befreit auf. Ich habe bereits bei Fenerbahçe Istanbul in diesem System gespielt. Dies erlaubt es mir, mir den Ball selbst zu holen, aber gleichzeitig vorne bei Didier zu sein. Es ist meine Lieblingsposition. Ich nehme mehr am Geschehen teil. Je mehr ich den Ball habe, desto mehr bekomme ich ein Gefühl dafür und kann mich entfalten.
Welche ist die wichtigste Änderung, die Ancelotti eingeführt hat?
Er lässt rotieren, das ist neu in Chelsea. Alle Spieler sind beteiligt. Alle sind zufrieden, auch wenn es mal nur für 20 Minuten ist. Er ist sehr beliebt, sowohl als Trainer wie auch als Mensch. Das merkt man auf dem Platz. Man ist motiviert, sich für ihn anzustrengen. Er ist cool, er spricht viel. Er weiß sehr genau, was er macht. Wenn du so einen Trainer hast, der ruhig ist und dir zeigt, dass er sein Handwerk versteht, ist es einfacher. Er hat mit dem AC Mailand bereits die italienische Meisterschaft und die Champions League gewonnen. Wir sprechen hier schließlich nicht über irgendjemanden.
Alle Wettbewerbe zusammengenommen stehen nun aus sechs Spielen sechs Siege und der erste Platz in der englischen Meisterschaft zu Buche. Einen besseren Saisonstart kann man sich kaum vorstellen...
Am Ende der letzten Saison waren wir gut drauf. Es ist die Kontinuität, denn es ist die gleiche Mannschaft. Wir wissen, dass nicht alles rosarot ist. Wir haben gegen Porto oder in Stoke (2:1-Sieg durch einen Treffer in der Nachspielzeit) durchaus Schwierigkeiten gehabt. Aber es ist immer gut, wenn man die schwierigen Spiele am Ende gewinnt. Im vergangenen Jahr ist uns das nicht immer gelungen. Wir verloren zu Hause zu viele Punkte. Wir wissen, dass wir eine großartige Mannschaft haben, doch wir wissen auch, dass wir weiter hart arbeiten müssen, um die Meisterschaft und die Champions League zu gewinnen. Das wird sehr schwierig und sehr lang. Die Duelle mit den großen Mannschaften stehen uns noch bevor (Tottenham Hotspur am Sonntag, FC Liverpool am 4. Oktober). Danach werden wir mehr wissen.
Lassen Sie uns über die französische Nationalmannschaft sprechen, die einerseits zwei Unentschieden in Rumänien (1:1) und in Serbien (1:1) erreichte, sich andererseits weiter von der direkten Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ entfernte. Eine gute oder schlechte Woche?
Ich denke, es ist eine gute Woche gewesen, da die französische Mannschaft gut gespielt hat. Es stimmt, uns ist kein Sieg gelungen. Das ist schade. Ich denke, dass wir es in diesen beiden Partien verdient gehabt hätten. Aber nun, wenn wir über die Playoff-Runde gehen müssen, dann qualifizieren wir uns eben über die Playoff-Runde. Das ist kein Problem. Das Wichtigste ist, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Das wird schwierig, in den Playoffs ist alles möglich, aber wir werden dabei sein. Wir sind zuversichtlich. Wir wissen, dass wir über eine großartige Mannschaft verfügen. Wir müssen es auf dem Platz einfach nur beweisen. Das ist uns in den letzten beiden Begegnungen gelungen. Jetzt fehlt nur noch etwas mehr Glück vor dem Tor.
