Antwerpen gilt als wichtigster Handelsplatz für Diamanten und hat es in diesem Industriezweig zu Weltruhm gebracht. In den Pflastersteinstraßen der flämischen Provinzhauptstadt indes finden sich gelegentlich auch Schmuckstücke ganz anderer Art. Die Rede ist von Thomas Vermaelen, und seine Branche ist der Fussball.

Im Umland der Stadt in einem Ort namens Kapellen geboren und beim KFC Germinal Beerschot Antwerpen ausgebildet, wechselte das einheimische Juwel bereits als 19-Jähriger zum prestigereichen Nachbarklub Ajax Amsterdam. Als 23-Jähriger betrat er nun die große Bühne der Topklubs in der englischen Premier League, und der flämische Verteidiger benötigte nur wenige Wochen, um die Erinnerungen an seinen berühmten Vorgänger Kolo Touré, der die Gunners in diesem Sommer nach vielen Jahren verließ, vollständig verblassen zu lassen.

Großes Lob von Wenger
"Thomas hat sich schnell an den Stil bei Arsenal und an die Mannschaft angepasst und wird bald eine der tragenden Säulen des Teams sein", sagte uns Mikaël Silvestre, der aufgrund des durchschlagenden Erfolgs des Belgiers nun des Öfteren auf der Bank Platz nehmen muss. Auch sein neuer Trainer Arsène Wenger sparte nicht mit Lob für seine jüngste Neuerwerbung: "Er repräsentiert alles, was ich an einem Fussballer mag. Er spricht zwar wenig, ist auf dem Platz aber sehr überzeugend. Er verfügt über eine gute Spielübersicht, und was viele Leute nicht wissen, er hat eine sehr gute Sprungkraft, eine fantastische Sprungkraft. Er ist sehr stark im Luftkampf."

Der belgische Nationalspieler wurde von den Arsenal-Fans Ende August zum "Spieler des Monats" gewählt und ließ dabei selbst die Lokalhelden William Gallas und Andreï Arshavin hinter sich. Doch nicht nur die Anhänger seines Klubs stehen einmütig hinter ihm, auch die Fachwelt ist sich über die Qualitäten des jungen Verteidigers einig. Zu den zahlreichen Experten, die sich gegenseitig mit Lobeshymnen übertreffen, gehört auch der Trainer der belgischen U-21-Nationalmannschaft, Jean-François De Sart. Unter seiner Führung erreichte der zurückhaltende und höfliche Thomas Vermaelen mit Belgien das Halbfinale der Europameisterschaft 2007 sowie das Halbfinale des Olympischen Sommerturniers in Peking. De Sart kennt den talentierten Fussballer nach mehrjähriger Zusammenarbeit sehr gut und ist über sein allseits bejubeltes Debüt in der englischen Liga nicht im Geringsten überrascht:  

Frühe Erfolge in den Niederlanden
"Er war bereit für den großen Sprung. Ich wusste, dass er sich schnell durchsetzen würde, denn er ist nicht nur ein toller Fussballer, er verfügt außerdem über eine beeindruckende mentale Stärke. Er arbeitet sehr hart und ist willens, sich ständig zu verbessern und auf die Ratschläge von anderen zu hören. Seine Motivation ist, sich kontinuierlich zu entwickeln, sich Schritt für Schritt und Etappe für Etappe zu verbessern. Er ist ein vorbildliches Beispiel für unsere Jungen und jeder neuen Generation, die ich betreue, empfehle ich, ihn und seine bisher perfekte Karriereplanung als Vorbild zu nehmen."

Im Alter von 19 Jahren folgte Vermaelen dem Beispiel eines weiteren großen Talents aus Antwerpen, Moussa Dembélé, und verließ seinen Heimatverein Germinal Beerschot, um ins benachbarte Ausland zu wechseln. Ajax hatte mit dem Klub, bei dem der Belgier seine Ausbildung erhielt, ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet, und das junge Talent zögerte keine Sekunde, diese Gelegenheit wahrzunehmen. Im Februar 2004 bestritt er seine erste Partie in der Eredivisie, drei Monate später war er bereits niederländischer Meister. Er wurde anschließend für eine Saison an den RKC Waalwijk ausgeliehen und kehrte als Stammspieler zum traditionsreichen Hauptstadtklub zurück.

Eine ansteckende Abgeklärtheit
Dort entwickelte er sich im Verlauf der folgenden vier Spielzeiten zu einem unumstrittenen Leistungsträger und gewann mit seinem Klub zwei Mal den nationalen Pokal. Im März 2006 gelang ihm der Sprung in die A-Nationalmannschaft, in der er vom ehemaligen Trainer René Vandereycken bevorzugt als linker Verteidiger aufgestellt wurde. Die Vielseitigkeit, die er damit unter Beweis stellte, verschaffte ihm sowohl im Klub wie auch in der Nationalmannschaft schnell einen Führungsstatus.

"Trotz seines jungen Alters verfügt er bereits über eine große internationale Erfahrung. Er ist eine wahre Führungspersönlichkeit, obwohl er nicht zu denen gehört, die in der Kabine herumbrüllen. Er spricht nicht lauter als alle anderen, aber auf dem Platz agiert er wie ein Anführer. Dabei bleibt er gegenüber seinen Mitspielern stets positiv." Auch der Torwart der Londoner, Manuel Almunia, meinte eben diese Qualitäten, als er gegenüber der englischen Presse erklärte: "Thomas strahlt eine enorme Abgeklärtheit aus, er vermittelt den Eindruck, dass er schon seit vielen Jahren in diesem Klub spielt. Er ist sehr entspannt und das färbt auf die gesamte Defensive ab. Wir vertrauen ihm. Er ist ruhig, aber auf dem Platz ist er hart."

Ein wahrer Anführer
Teamkamerad Gaël Clichy ist in dieser Hinsicht derselben Meinung: "Ich kann mich an einen Streit zwischen Robin van Persie und ihm in einem Spiel vor zwei Jahren erinnern, weil er sehr hart an den Mann ging. Aber das muss so sein. Um Verteidiger zu sein, braucht man das ein bisschen in seinem Spiel, und er hat es ganz bestimmt."

Am Mittwochabend kehrt Vermaelen in seine Heimat zurück, wo er auf den belgischen Champions-League-Vertreter Standard Lüttich treffen wird. Im Hexenkessel des Stade Sclessin wird er Wenger und seinen Teamkollegen sicher gerne den Weg weisen. Arsenal hat einen wahren Anführer gefunden.