Es mag nicht viele Erfolgsgeschichten im libanesischen Fussball geben, aber die von Youssef Mohamad, Verteidiger beim 1. FC Köln, ist sicher eine von ihnen, wie FIFA.com zeigt.

Dodo, wie er von den Kölner Anhängern genannt wird, begann seine Fussballkarriere 1999 beim Safa Sporting Club. Fünf Jahre später wechselte Mohamad von Olympic Beirut zum SC Freiburg in Deutschland, wo er seine Profikarriere in einer der stärksten Ligen Europas begann.

Obwohl die Breisgauer bereits in Mohamads erster Saison aus der Bundesliga abstiegen, verbrachte er zwei weitere Spielzeiten dort, bevor er zusammen mit seinem damaligen Mannschaftskameraden und Landsmann Roda Antar nach Köln wechselte.

Mohamad beschreibt im Gespräch mit FIFA.com die Schwierigkeiten, die ein Wechsel von einer praktisch unbekannten Liga in die anspruchsvolle Bundesliga mit sich bringt: "Zunächst war es wirklich hart, da ich in ein Land kam, das so ganz anders als der Libanon ist. Aber dann erwischte ich einen guten Start und bestritt bereits in meiner ersten Saison in Freiburg 31 Spiele. Ich hatte mich gut eingewöhnt und spielte auch in der folgenden Saison 32 Mal. Meine Leistungen bei Freiburg haben mir viele neue Türen geöffnet, bis ich schließlich nach Verhandlungen mit den Kölner Verantwortlichen hierher zum 1. FC Köln kam. Der Transfer von Freiburg nach Köln ging sehr schnell über die Bühne, so dass ich mich rasch an mein neues Team gewöhnen konnte und auch die Fans bald auf meiner Seite hatte - das fand ich sehr schön."

"Habe in Deutschland viel gelernt"
Zu seinen bisherigen Erfahrungen in Deutschland sagt Mohamad: "Ich habe in den fünf Jahren hier viel gelernt. Ich glaube, dass ich den Fussball nun wirklich gut kenne, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich aus einem Land komme, in dem es keinen Profifussball gibt."

Mohamad hat sich nicht nur als solider Verteidiger einen guten Ruf erworben, sondern sorgt auch mit seinen Ausflügen in die gegnerische Hälfte immer wieder für Aufsehen. In Freiburg traf er immer wieder ins Schwarze, und auch in Köln ist er ähnlich erfolgreich. Seinen bislang jüngsten Treffer markierte er im vergangenen Monat, als er das erste Tor beim 3:0-Sieg gegen Kickers Emden im DFB-Pokal erzielte.

Wenn man ihn zu diesem Aspekt seines Spiels befragt, antwortet er: "Schon im Libanon habe ich oft Tore erzielt und auch immer wieder Tore vorbereitet. Das habe ich mir von vielen Weltklasseverteidigern abgeschaut, deren Karriere ich früher eng verfolgte, wie zum Beispiel Ronald Koeman und Matthias Sammer. Ich habe wirklich viel von ihnen gelernt."

Mohamad will mehr
"Unser neuer Trainer Zvonimir Soldo drängt allerdings darauf, dass ich nicht zu viele Ausflüge unternehme, denn er glaubt, dass es dann keinen gibt, der für mich mit absichert. Manchmal, wenn die Umstände es erlauben, werde ich aber trotzdem die Gelegenheit ergreifen, wie zuletzt im DFB-Pokal, als ich den ersten Treffer erzielte, der das Match drehte."

Obwohl er mit seinen Leistungen beim 1. FC Köln zufrieden ist, kann Mohamad seinen Wunsch nicht verhehlen, mehr mit einem Verein zu erreichen, der bereits drei Mal Meister wurde, vier Mal den DFB-Pokal geholt hat und 1986 bis ins Finale des UEFA-Pokals vorstieß.

"Es wird viel im Verein über die Rückkehr zu ruhmreichen Zeiten gesprochen, aber das erfordert schon einen Drei- bis Vierjahresplan. Als Mannschaft zeigen wir bereits bessere Leistungen als früher, auch wenn die Ergebnisse das noch nicht hergeben. Wir möchten in diesem Jahr am Ende zwischen Platz sechs und neun abschneiden. In den Jahren darauf müssen wir die Mannschaft dann gezielt verstärken, bis wir schließlich wieder einer der stärksten Vereine Deutschlands werden."

Auch ohne Landsmann glücklich in Köln
Der 29-Jährige räumt ein, dass er den Transfer seines Landsmanns Roda Antar nach China zu Shandong Luneng bedauert, doch schließlich sei er Profi und in der Lage, sich an jede neue Situation anzupassen.

"Rodas Transfer ist mir nahe gegangen, denn wir waren mehr als nur Mannschaftskameraden. Wir haben auch abseits des Platzes viel Zeit miteinander verbracht. Ich war traurig, als ich die Nachricht erfuhr, habe mich aber auch für Roda gefreut, denn schließlich war es sein Wunsch zu wechseln, und er weiß, was am Besten für ihn ist. Das musste früher oder später kommen, aber nach fünf Jahren Deutschland kenne ich dieses Land sehr gut. Wenn das zu Beginn meiner Karriere hier passiert wäre, denn hätte es anders ausgehen können."

Nach Antars Wechsel ins Reich der Mitte fragten sich viele Kölner Anhänger, ob Mohamad nicht der nächste sein könnte - schließlich läuft sein Vertrag dieses Jahr aus, und es hat immer wieder Wechselgerüchte um ihn gegeben. Er selbst sagt jedoch, dass er nicht an einen Wechsel denke und sich auf die Bundesliga-Saison mit Köln konzentriere.

Entscheidung über Zukunft noch offen
"Gegenwärtig spiele ich hier. Es hat keine offiziellen Anfragen gegeben, und an den Gerüchten ist nichts dran. Ich war schon überrascht, als ich von einem meiner Freunde in Berlin von Presseberichten erfuhr, wonach Hertha BSC Berlin mich verpflichten wollte. Das sind alles nur Spekulationen der Medien. Köln möchte, dass ich bleibe. Ich werde noch sechs Monate oder bis zum Saisonende warten, bevor ich eine Entscheidung treffe."

Zuletzt bekräftigte Mohamad noch seinen Wunsch, mehr libanesische Fussballer im Ausland zu sehen, obwohl das sicherlich leichter gesagt als getan sei. "Nachdem Roda und ich nach Europa wechselten, hätten andere Spieler unserem Beispiel folgen sollen, aber die Anstrengungen, die Vereine und Spieler unternahmen, waren nicht ernsthaft genug. Ich werde immer wieder gefragt, wie viele libanesische Profis es im Ausland gibt, und alle sind ganz überrascht, dass wir so wenige sind, obwohl es im Libanon so viele Fussballamateure gibt."