In der italienischen Serie A, in der Inter Mailand in den vergangenen vier Jahren den Ton angegeben hat, sind die Klubs aus dem Norden auch in der neuen Saison wieder die Favoriten. Das große Thema der Sommerpause aber war die Wechselbörse mit Sensationstransfers en masse.

Gegangen sind zum Beispiel die beiden vielleicht größten Stars des italienischen Calcio. Den Brasilianer Kaká zog es ebenso nach Spanien wie den Schweden Zlatan Ibrahimovic. Kaká wird ein Galaktischer beim Rekordmeister Real Madrid, Ibrahimovic soll Triple-Sieger FC Barcelona verstärken.

Trotzdem gilt Inter in Italien immer noch als Titelfavorit Nummer 1. Aber auch Juventus Turin will mit neuem Personal dafür sorgen, dass es nicht wie in der abgelaufenen Spielzeit wieder "nur" zu Platz zwei bei zehn Punkten Rückstand auf den Meister langt.

Der Meister
"Stärker und ausgeglichener besetzt" schätzt José Mourinho seine neue Mannschaft ein. "Ein Kader, wie ich ihn mag." Dafür aber soll es in dieser Saison auch nicht weniger als der Gewinn der UEFA Champions League für Inter sein. Der portugiesische Startrainer durfte zu diesem Zweck das Mannschaftsgefüge kräftig durcheinander würfeln und einige alte Zöpfe abschneiden. Neben Ibrahimovic gingen auch noch andere Alteingesessene wie Julio Cruz (Lazio Rom), Hernán Crespo (FC Genua 1893) oder Luis Figo, dessen auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde.

Bekommen hat Mourinho im Gegenzug Bayern Münchens brasilianischen Innenverteidiger Lúcio, mit dem die Abwehr künftig weiter vorn stehen soll. Denn auch wenn Júlio César mehr denn je den Titel des besten Torhüters der Welt anstrebt, hat sein Landsmann den Auftrag, künftig hinten ordentlich dicht zu machen. Thiago Motta ist als Spielmacher vorgesehen und soll die beiden Spitzen mit Vorlagen versorgen, insbesondere natürlich Diego Milito. Die Laufwege des 24-Tore-Mannes kennt Motta nämlich noch bestens aus gemeinsamen Zeiten in Genua. Neben Milito gilt Samuel Eto'o als gesetzt. Wie gut der neue Traumsturm funktioniert, hat er in der Vorbereitung bereits gezeigt.

"Bisher war alles auf Zlatan zugeschnitten. Mit dieser Mannschaft, die weiter vorn steht, können wir das Spiel besser kontrollieren, ehe wir den öffnenden Pass in die Tiefe auf eine unserer beiden beweglichen Spitzen spielen, die ganz unterschiedliche Stärken haben", so The Special One, der nun in der Tat situationsbedingt umschalten lassen kann vom 4-3-1-2 auf ein offensiveres 4-3-3.

Die Herausforderer
Da wäre zuvorderst Juventus Turin zu nennen, das zwar den Abschied von Pavel Nedved zu verkraften hat, sich aber dennoch gut verstärken konnte. Der 42-jährige Ciro Ferrara bleibt nicht nur Trainer, er durfte auch weiter am Gerüst der Mannschaft basteln und legte sein Hauptaugenmerk dabei auf die Defensive. Mit "Altmeister" Fabio Cannavaro (35) und Giorgio Chiellini hat die Alte Dame künftig die Innenverteidigung der Nationalmannschaft beisammen. Dahinter steht mit dem vom FC Barcelona ausgeliehenen Uruguayer Martín Cáceres ein nicht minder guter Mann bereit.

Fürs Mittelfeld ist der Brasilianer Felipe Melo aus Florenz gekommen. Er wird den Abräumer vor der Viererkette geben und dafür sorgen, dass sich vor ihm ein Trio möglichst ungestört offensiv entfalten kann: Alessandro del Piero bleibt wie gehabt auf der linken Seite gesetzt, Bremens Ex-Spielmacher Diego besetzt die Zentrale und Amaurio kommt über rechts. Denn Ferrara mag als Trainer ein Neuling sein, als Spieler ist er ein Kind des Catenaccio gewesen. Deshalb ist Defensive bei ihm zunächst einmal Trumpf. Im Sturm rangeln derweil Sebastian Giovinco, David Trezeguet und Nicola Legrottaglie um zwei Plätze. Die Bianconeri haben also durchaus einen Kader beisammen, der Inter Konkurrenz machen könnte.

In seiner ersten Saison als Trainer beim AC Mailand kommt auf den ehemaligen Sportdirektor Leonardo (39) gleich die Aufgabe zu, den Abgang eines gewissen Kaká zu kompensieren. Das allein ist schon schwer, aber dann war da ja noch das Karriereende des inzwischen 40-jährigen Paolo Maldini, der möglicherweise ein riesiges Loch, in jedem Fall aber riesige Fußstapfen auf der linken Mailänder Abwehrseite hinterlässt. Zum Glück für den Trainerneuling kommt mit Alessandro Nesta nach langer Verletzungspause aber auch ein "gefühlter Neuzugang" hinzu. Nesta bildet mit dem Brasilianer Thiago Silva oder dem aus Lüttich gekommenen U.S.-Amerikaner Oguchi Onyewu die Innenverteidigung.

Die Frage, wer Kaká ersetzen soll oder kann, ist indes noch offen. Als erster Anwärter gilt immer noch Ronaldinho, sofern er an alte Glanzzeiten in Barcelona anknüpfen kann, was in der abgelaufenen Spielzeit nicht der Fall war. Auf dem Papier jedenfalls kann das Trio aus Ronaldinho, Klaas Jan Huntelaar und Alexandre Pato jeder Abwehr Schwierigkeiten machen - wenn denn das Zusammenspiel klappt, doch danach sah es in der Vorbereitung nicht aus. In zehn Spielen gab es dort nur einen Sieg bei neun geschossenen, aber 17 kassierten Toren. "Die Motivation wird den Ausschlag geben. Erinnern Sie sich nur an 2007. Schon damals hat man die Mannschaft abgeschrieben und am Ende haben wir drei Titel geholt", beschwört Leonardo den Geist der Vergangenheit.

Die Außenseiter
Bei AS Rom geht weiter nichts ohne Kapitän Francesco Totti, der seinen Vertrag beim Klub seines Lebens erneut verlängert hat. Florenz musste einige Abgänge verdauen, will seinen guten vierten Platz der Vorsaison aber bestätigen. Alberto Gilardino und Adrian Mutu sollen dafür sorgen. Mit Spannung wird auch auf Neapel und seinen Traumsturm aus Ezequiel Lavezzi und Fabio Quagliarella geschaut.

Spieler im Fokus
Natürlich wartet alles darauf, wie Milito und Eto'o zusammenspielen. Aber auch ein vergrätzter Crespo sinnt in Genua auf Revanche und will zeigen, dass es ein Fehler war, ihn wegzuschicken. Wunderknabe Giovinco erhofft sich derweil mehr Einsatzzeit und damit auch einen Platz in Italiens Aufgebot für Südafrika.

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Wird Inter zum fünften Mal in Folge Meister? Schießt Samuel Eto'o genau so viele Tore in Italien wie in Spanien? Wird Ronaldinho wieder der Alte?