Sie haben fast ein Jahrzehnt lang ihre Brötchen in der deutschen Bundesliga verdient und damit ihr Können auf höchster Ebene im europäischen Fussball unter Beweis gestellt. Die Rede ist vom brasilianischen Torjäger Ailton und vom libanesischen Spielmacher Roda Antar. Ailton wird den Fans vor allem deswegen in Erinnerung bleiben, weil er der erste ausländische Spieler war, der 2004 - während seiner Zeit beim SV Werder Bremen - zu Deutschlands Fussballer des Jahres gewählt wurde, während Antar sich durch seine Leistungen in Hamburg, Freiburg und Köln Anerkennung verdient hat.

Kein Wunder also, dass ihr Wechsel in die chinesische Super League für viel Aufsehen sorgte. Antar unterschrieb zunächst im März beim chinesischen Meister Shandong Luneng, bevor Ailton im Juli zu Chongqing Lifan wechselte. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt beherrschen die beiden Ex-Bundesligastars mittlerweile die Schlagzeilen der Sportpresse.

Nahtloser Übergang für Antar
Ailton hat in Deutschland sicherlich mehr Erfolge zu verbuchen, doch es war der gerade einmal 28-jährige Antar, der in China zunächst für großes Aufsehen sorgte. Obwohl er zu Beginn nicht in Topform aufspielte und einen Monat lang an einer hartnäckigen Verletzung laborierte, hat der in Sierra Leone geborenen Spieler mittlerweile nicht weniger als vier Mal ins gegnerische Tor getroffen.

Bereits in seiner zweiten Partie, am 28. März, erzielte er seinen ersten Treffer für Shandong, als er im Heimspiel gegen Shanxin Zhongxin mit dem Kopf das einzige Tor der Partie erzielte und damit auch den ersten Saisonsieg des Titelverteidigers unter Dach und Fach brachte. Der ehemalige Mittelfeldregisseur der Freiburger traf dann auch im nächsten Spiel bei Shanghai Shenhua ins Schwarze. Am Ende zog man dort trotzdem mit 1:4 den Kürzeren.

Sein drittes Tor erzielte er beim 3:1-Sieg gegen Henan Jianye. Nach der verletzungsbedingten Pause fand er sofort wieder zu alter Torgefährlichkeit zurück und erzielte den Siegtreffer gegen Shanxin. Dank dieses Dreiers liegt der amtierende Meister nur noch einen Punkt hinter Spitzenreiter Guoan Peking.

Nachdem er die Herzen der Fans und auch der Medien im Sturm erobert hatte, formulierte Antar ein klares Ziel: die Titelverteidigung mit seinem Verein. "Shandong ist ein großer Verein, und ich bin glücklich, dass ich hier spielen kann", erklärte er kürzlich in einem Interview gegenüber FIFA.com. "Das Team verfügt über die besten Spieler und Trainer der Liga, und ich werde mein Bestes geben, um ihnen zu helfen."

"Bevor ich nach China wechselte, wusste ich wenig über den Fussball des Landes", fuhr er fort. "Aber als ich hierher kam, konnte ich kaum Unterschiede gegenüber Deutschland feststellen, was die Sportanlagen und die Professionalität angeht."

Antar freute sich auch über Ailtons Wechsel nach China, wenngleich er seinen früheren Bundesligakollegen darauf hinwies, dass es kein Spaziergang werden wird, wenn die Teams beider am 11. Oktober aufeinander treffen. "Ailton ist ein guter Stürmer. Wir sind in Deutschland schon ein paar Mal aufeinander getroffen", erzählte er. "Ich hoffe, er wird sich hier schnell an die neue Umgebung gewöhnen. Trotzdem werde ich gegen ihn alles geben."

Ailton mit Chongqing im Abstiegskampf
Während Antar hofft, Shandong zum vierten Ligatitel zu verhelfen, steht Ailton am anderen Tabellenende vor einer ungleich schwierigeren Aufgabe. Nach nur zwölf Punkten aus 17 Partien liegt Chongqing am Tabellenende und wird alles geben müssen, um in der nächsten Saison noch zu den 16 Topmannschaften des Landes zu zählen.

Ailton sorgte jetzt jedoch für neue Hoffnung, denn bei seinem beeindruckenden Debüt vor zwei Wochen spielte er die kompletten 90 Minuten durch und bereite Chongqings zweites Tor beim sensationellen 3:2 gegen Tabellenführer Guoan Peking vor. "Wäre es das Jahr 2003, hätte ich noch mehr geschafft", erklärte der 36-Jährige und spielte dabei auf seine denkwürdige Saison 2003/04 an, als er 28 Tore zum Meistertitel des SV Werder Bremen in der Bundesliga beitrug.

"Mit dem Sieg gegen Peking haben wir gezeigt, dass wir mit den Besten der Liga mithalten können", meinte er. "Wenn wir diesen Schwung beibehalten, werden wir dem Abstieg entgehen können."