Im jährlichen Transfermarkt legen die jeweiligen Klubs ganz eigene Strategien an den Tag. Einige agieren vorausschauend und wickeln, wie der FC Bayern München, ihre Transferaktivitäten für die kommende Saison bereits zu Beginn des Jahres ab. Andere warten auf die offizielle Eröffnung der sommerlichen Wechselfrist, um medienwirksam zuzuschlagen, wofür Real Madrid und seine neuen Galaktischen das beste Beispiel sind. Sind die ersten Dominosteine erst einmal gefallen, dreht sich das Transferkarussell immer schneller. FIFA.com wirft einen Blick auf die Transferaktivitäten der vergangenen zwei Wochen.
Durch den Verkauf Cristiano Ronaldos an Real Madrid hat Manchester United zwar seinen besten Spieler verloren, im Gegenzug aber eine gigantische Ablösesumme eingestrichen. Sir Alex Ferguson jedenfalls verlor keine Zeit und zurrte flugs den Transfer von Michael Owen fest. Der ist inzwischen 29, war wie Ronaldo einst Europas Fussballer des Jahres, zuletzt aber vom Verletzungspech verfolgt. Nachdem sein bisheriger Klub Newcastle United aus der Premier League abgestiegen ist, kommt der Stürmer ablösefrei für zwei Jahre. "Seine Erfahrung ist enorm wichtig", erklärt Owens neuer Trainer. "Wenn er sich im vorderen Drittel des Feldes befindet, muss man immer ein Auge auf ihm haben. Er wird viele Tore erzielen!"
Die Konkurrenz im Sturm ist für Owen dabei ähnlich groß wie früher bei Real Madrid. Neben den Arrivierten wie Wayne Rooney oder Ryan Giggs kommt auch noch der junge Franzose Gabriel Obertan aus Bordeaux dazu. Einer hat angesichts dieser Qualität im Angriff bei den Red Devils lieber das Weite gesucht. Der Argentinier Carlos Tévez verlässt United, bleibt aber in der Stadt und wechselt zum Lokalrivalen Manchester City. "Er ist ein Spieler von großer Klasse, der alles mitbringt, um den Verein nach vorn zu bringen", schätzt Citizens-Trainer Mark Hughes. "Er hat eine herausragende Technik und eröffnet uns in der Offensive zusätzliche Möglichkeiten."
Der FC Chelsea, bislang eher zurückhaltend, verpflichtete nun mit dem russischen Außenverteidiger Yuri Zhirkov von ZSKA Moskau sein erstes Schwergewicht. Der FC Sunderland wiederum setzt auf Fraizer Campbell, der bei Manchester United ausgebildet wurde, zuletzt aber bei Tottenham keine gute Saison hatte. Außerdem kommt Paraguays Verteidiger Paulo Da Silva, der den mexikanischen Klub Deportivo Toluca nach sechs Jahren guter und treuer Dienste verlässt.
Sein Landsmann Edgar Barreto hingegen kennt Europa bereits seit 2004. Nach drei Spielzeiten bei NAC Breda und zwei bei Reggina Calcio hat der Mittelfeldakteur nun bei Atalanta Bergamo unterschrieben. Auch die zwei Argentinier Mariano Andujar und Javier Pastore wagen den Sprung in die Serie A. Andujar kommt als frisch gebackener Gewinner der Copa Libertadores von Estudiantes La Plata und wird das Tor von Catania Calcio hüten. Der ehemalige Mittelfeldspieler von Huracán wiederum wechselt nach Palermo.
Doch in Italien dominieren vor allem die drei "Großen" die Schlagzeilen. Inter Mailand etwa hatte den brasilianischen Außenverteidiger Maxwell kaum an Barcelona abgegeben, als der italienische Meister auch schon einen Ersatz präsentierte. Es kommt erneut ein Brasilianer - aber nicht irgendeiner. Lucio, Weltmeister von 2002 und Kapitän der Seleçao, verlässt nach vier Spielzeiten bei Bayer Leverkusen und fünf bei Bayern München die Bundesliga und wechselt in die Serie A. Im Finale des FIFA Konföderationen-Pokals hatten Lucio und Co. zuletzt noch arge Mühe, eine Lücke in der Hintermannschaft der USA zu finden. Zusammengehalten wurde diese von Oguchi Onyewu, und der US-Amerikaner wird nach seinem Wechsel von Standard Lüttich zum AC Mailand bereits beim nächsten Stadtderby erneut auf Lucio, Maicon und Julio Cesar treffen.
An der Seite dieser berühmten Mitspieler musste sich in Südafrika auch Neuling Felipe Melo beweisen. Das ist ihm letztlich so gut gelungen, dass er sich nicht nur bei seinem Nationaltrainer Dunga nachhaltig empfehlen konnte, sondern auch Juventus Turin 25 Millionen Euro wert war, um ihn aus Florenz loszueisen. Den umgekehrten Weg schlägt der italienische Nationalspieler Marco Marchionni ein, der sich nun bei der Fiorentina durchzusetzen versuchen wird.
In Spanien hat in erster Linie Real Madrid mit seinen spektakulären Einkäufen das Geschehen dominiert. Die neuesten Wechsel in La Liga waren zwar weniger medienwirksam, aber nicht minder interessant. Wiederaufsteiger Real Saragossa beispielsweise visiert höhere Ziele an und investiert entsprechend kräftig. Neben dem argentinischen Nationaltorwart Juan Pablo Carrizo, der von Lazio Rom kommt, verpflichtete Saragossa den Engländer Jermaine Pennant (früher Arsenal und Liverpool). Der FC Sevilla setzt nach den positiven Erfahrungen mit den Ivorern Seydou Keita und Romaric erneut auf einen Spieler von der Elfenbeinküste und verpflichtete Didier Zokora von den Tottenham Hotspurs.
In Frankreich wiederum hofft der AS Saint-Etienne, dass seine Neuverpflichtung, der Schweizer Gelson Fernandes, im Mittelfeld ebenso brillieren wird wie in den vergangenen zwei Jahren bei Manchester City. In den Derbys gegen den Nachbarn aus Lyon wird er dabei auf Michel Bastos treffen, vormals OSC Lille. Der Brasilianer wird auf die Unterstützung eines Argentiniers zählen können. Gemeint ist Lisandro Lopez, ehemals Spieler beim FC Porto und mit 24 Millionen Euro die teuerste Neuverpflichtung aller Zeiten in der Ligue 1. Mit diesem Vorstoß in neue Transferdimensionen will Frankreichs von Bordeaux entthronter Serienmeister seinen Titel zurückerobern. Die Girondins wiederum verstärken sich künftig mit dem Tschechen Jaroslav Plasil vom CA Osasuna.
Der Hauptfavorit auf die Meisterschaft in Frankreich könnte aber in Marseille zu finden sein. Der neue Trainer Didier Deschamps scheint über eine gewisse Strahlkraft zu verfügen, denn nach Lucho Gonzalez und Souleymane Diawara überzeugte er nun Mittelfeldakteur Stéphane Mbia aus Kamerun, seinen ehemaligen Arbeitgeber Stade Rennes zu verlassen und sich OM anzuschließen. Der AS Monaco holte derweil den französischen Verteidiger Sébastien Puygrenier von Zenit St. Petersburg zurück, der im vergangenen Jahr an Bolton ausgeliehen war. Der FC Sochaux setzt auf den US-amerikanischen Stürmer Charlie Davies, eine der Entdeckungen beim letzten FIFA Konföderationen-Pokal.
Frankreich den Rücken gekehrt haben derweil die beiden Algerier Rafik Saïfi und Karim Ziani. Der ehemalige Stürmer von Lorient sucht mit seinen 34 Jahren in Katar bei Al Khor eine letzte Herausforderung, während der ehemalige Spielmacher von Marseille zum amtierenden deutschen Meister nach Wolfsburg wechselt. Ein Afrikaner kommt also neu in die Bundesliga, ein alter Bekannter hingegen geht: Der Kameruner Timothée Atouba folgt seinem Ex-Trainer Martin Jol von Hamburg zu Ajax Amsterdam.
Der FC Porto wiederum hat sein torgefährliches argentinisches Duo Lopez/Gonzalez an die französische Eliteliga verloren und bei der Suche nach Ersatz schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Von Olympiakos Piräus aus Griechenland kommt der argentinische Mittelfeldmann Fernando Belluschi und von River Plate der kolumbianische Stürmer Radamel Falcao. Zusammen sollen sie die Gegner des FC Porto ebenso das Fürchten lehren wie ihre Vorgänger. Der Brasilianer Ibson Barreto seinerseits wechselt vom äußersten Westen Europas in Portugal ganz in den Osten nach Russland, wo er für Spartak Moskau spielen wird.
Auch einige Größen des vergangenen Jahrzehnts suchen noch einmal eine neue Herausforderung. So etwa der Argentinier Santiago Solari, ehedem bei Inter Mailand und Real Madrid unter Vertrag. Er wechselt von San Lorenzo zum CF Atlante in Mexiko, während der Brasilianer Edu nach Stationen bei Arsenal und Valencia in die Heimat zu Corinthians Sao Paulo zurückkehrt. Der Belgier Emile Mpenza, ehemaliger Torjäger bei Standard Lüttich, Schalke 04 und beim Hamburger SV, will es in der Schweiz beim FC Sion noch einmal wissen.
Beschließen wollen wir unseren weltweiten Transfer-Überblick mit Neuigkeiten zu Spielern, die einen großen (Nach-)Namen haben und ihren Eltern durchaus nacheifern könnten. Beim AC Monza etwa, in der dritten italienischen Liga, werden künftig Chedric und Stefano Seedorf spielen, während eine Liga tiefer der Stürmer des FC Celano ein gewisser Jacopo Zenga ist...
