In der argentinischen Clausura-Meisterschaft 2009 waren es einmal mehr die so genannten "Kleinen", die das Geschehen dominierten: Velez Sarsfield krönte sich am letzten Spieltag durch einen Sieg gegen den lange führenden Klub CA Huracán zum Meister, und ihre ärgsten Widersacher um den Titel waren bis zum Ende CA Lanús und Colón de Santa Fe.
Nachfolgend präsentiert FIFA.com einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse der diesjährigen Clausura, die gekennzeichnet war vom Scheitern der großen Traditionsklubs, von gewissen technischen Neuerungen und dem Abstieg von Gimnasia de Jujuy und San Martin de Tucumán.
Das Podium
Vélez Sarsfield ging mit dem neuen Trainer Ricardo Gareca und einem für den Kampf um den Titel verstärkten Kader in die Clausura 2009, und am Ende konnte der Klub aus Buenos Aires wie allgemein erwartet zum siebten Mal den Meisterpokal in die Höhe stemmen. Die Entscheidung fiel erst am letzten Spieltag in einem Herzschlagfinale: Velez empfing den Tabellenführer Huracán zum Showdown und entriss dem Stadtrivalen im letzten Moment mit einem 1:0-Erfolg Tabellenführung und Titel. Den Treffer des Tages erzielte Maximiliano Moralez in den Schlussminuten. Doch die Statistik weist einen verdienten Meister aus: Das Team kam auf elf Siege und sieben Unentschieden bei nur einer einzigen Niederlage (gegen Gimnasia La Plata am 14. Spieltag), Torhüter German Montoya musste bei 13 Gegentreffern weit seltener als alle seine Kollegen hinter sich greifen.
Es heißt, am Ende erinnert man sich nur an die Sieger, doch die märchenhafte Saison des Meisterschaftszweiten Huracán wird nicht so schnell vergessen werden. Das von Angel Cappa geleitete Team, das vornehmlich aus jungen Akteuren bestand, revolutionierte den Wettbewerb mit seiner Spielkunst und wurde erst fünf Minuten vor Schluss daran gehindert, nach 35 Jahren zum zweiten Mal einen nationalen Titel zu erringen. Huracán verfügte über den treffsichersten Sturm der Liga (35 Tore) und sammelte die meisten Siege (zwölf, gleichauf mit Lanús). Die knappe Niederlage am letzten Spieltag indes hinterlässt trotz eines verdienten zweiten Platzes einen bitteren Nachgeschmack.
Den dritten Rang sicherte sich CA Lanús mit einer weiteren großartigen Meisterschaftsrunde, insgesamt hat die Mannschaft in Apertura und Clausura zusammen die meisten Punkte gesammelt. Auch Coach Luis Zubeldia setzte bei Lanús auf ein junges Team und vor allem auf Spieler aus der eigenen Nachwuchsarbeit. Am Ende trennten die Mannschaft nur zwei Punkte vom Titelgewinn. Mit Jose Sand stellt Lanús immerhin den Torschützenkönig des Wettbewerbs mit 13 Treffern.
Die Überraschungen
Außer Huracán, das die Fans mit fantastischen Auftritten begeisterte, übertrafen noch drei weitere Teams die Erwartungen zu Beginn des Turniers. Aufsteiger Godoy Cruz de Mendoza zeigte unter der Leitung von Trainer Diego Cocca streckenweise hochklassigen Fussball und sicherte sich mit beachtlichen 26 Punkten einen Platz in der oberen Tabellenhälfte und somit den Klassenerhalt. Auch Racing Club spielte zunächst gegen den Abstieg, fand aber nach der Amtsübernahme durch Trainer Ricardo Caruso Lombardi zu neuer Stärke und schloss die Clausura auf einem hervorragenden fünften Rang ab. Colón de Santa Fe verhalfen die Tore des erfahrenen Esteban Fuertes zu einem überraschenden vierten Platz.
Die Enttäuschungen
Die traditionell dominierenden Klubs Argentiniens hingegen werden die Clausura 2009 vermutlich möglichst schnell vergessen wollen. Außer Racing, das immerhin sein Ziel Klassenerhalt erreichen konnte, verfehlten die anderen Klubs teilweise um Längen die anvisierten Saisonziele. River Plate konnte sich im Vergleich zur Apertura zwar um einen Rang verbessern, kam dennoch nicht über einen schwachen achten Platz hinaus. San Lorenzo und die Boca Juniors landeten auf dem elften beziehungsweise vierzehnten Platz. Beide Klubs entließen bereits vor dem letzten Spieltag ihren Trainer. Independiente Avellaneda musste gar die schlechteste Platzierung seiner Geschichte hinnehmen und landete auf Platz 16. Die Absteiger in die Nacional B sind San Martin de Tucumán und Gimnasia de Jujuy.
Herausragende Akteure
Der Erfolg des neuen Meisters beruhte auf der Qualität der von Nicolas Otamendi angeführten Defensive. Der junge Abwehrchef gehörte sicherlich zu den ganz großen Überraschungen des Wettbewerbs. Die weiteren Schlüsselspieler waren der begabte Mittelfeldregisseur Maxi Moralez und der treffsichere Uruguayer Rodrigo López. Huracán wiederum begeisterte durch ein ebenso elegantes wie gefährliches Trio, das aus den Mittelfeldspielern Mario Bolatti und Javier Pastore sowie Stürmer Matias De Federico bestand. Daniel Montenegro gelangen trotz der wechselhaften Leistungen seines Teams Independiente zwölf Treffer, ebenso viele wie Esteban Bichi Fuertes von CA Colón. Auch Sebastian Blanco von CA Lanús und Leandro Caruso von CD Godoy Cruz überzeugten mit einer exzellenten Saisonleistung.
Der Torjäger
Es mussten erst 30 Jahre vergehen, bis erneut ein Spieler zwei Mal in Folge die Torjägerkrone erringen konnte: Jose Sand von CA Lanús war mit 15 Treffern bereits im Apertura-Turnier der erfolgreichste Stürmer und wiederholte diese Leistung mit 13 Toren in der Clausura. Der letzte, dem dieser Coup gelang, war ein gewisser Diego Armando Maradona...
Wussten Sie schon...?
Die Clausura 2009 wird als erstes Turnier in die Geschichte Argentiniens eingehen, in dem die Schiedsrichter ein eigens dafür erfundenes Schaumspray einsetzten, um die vorgeschriebene Entfernung der Mauer bei Freistößen zu markieren. Die Folge waren 28 Freistoßtreffer, acht mehr als bei der Apertura 2008.
Zitate
"Als wir zu Vélez kamen, wollten wir einen ähnlichen Erfolg wie in den 90er Jahren wieder aufleben lassen, als dieser Klub alles gewann. Die Spieler sollten jene Aggressivität und Einstellung, dieses Engagement, das jeder Träger dieses Trikots haben muss, fortführen. Sie haben die Botschaft verstanden und wir sind der Geschichte des Klubs gerecht geworden." Ricardo Gareca (Trainer, Velez Sarsfield)
Statistik
Platzierungen
1. Vélez Sarsfield (Meister, 40 Punkte)
2. Huracán (38)
3. CA Lanús (38)
4. CA Colón (34)
5. Racing Club (30)
Torjäger
1. Jose Sand (13 Treffer)
2. Daniel Montenegro (12)
3. Esteban Fuertes (12)
Absteiger
Gimnasia de Jujuy
San Martin de Tucumán
Relegationsrunde um den Klassenerhalt
Rosario Central (gegen Belgrano)
Gimnasia LP (gegen Atletico Rafaela)
