Als Fussball-Fan hat man es nicht leicht. Verschnaufpausen sind rar. Kaum ist eine Saison vorbei und bilanziert, muss man schon aufpassen, dass man im Hinblick auf die nächste nichts verpasst. Denn jetzt ist die Zeit der Spielerwechsel!
Die Meisterschaften in Europa sind vorbei und FIFA.com wirft einen ersten Blick auf die Wechselbörse, die beinahe täglich neue Entscheidungen bringt.
Der deutsche Rekordmeister Bayern München etwa bleibt sich treu und hat schon frühzeitig die ersten Transfers für die kommende Spielzeit festgezurrt. Seit Januar steht fest, dass der kroatische Stürmer Ivica Olic ablösefrei vom Ligakonkurrenten Hamburger SV kommt. Anatoly Timoschuk von Zenit St. Petersburg wird künftig das defensive Mittelfeld der Bayern verstärken und von Borussia Mönchengladbach wurde Alexander Baumjohann für die Position hinter den Spitzen verpflichtet. Und weil man in München das Selbstverständnis hat, den an den VfL Wolfsburg verlorenen Meistertitel schnellstmöglich zurück zu holen, hat der Rekordmeister die Schatulle noch einmal ganz weit aufgemacht und schon kurz nach Saisonende den Wechsel von Torjäger Mario Gomez (63 Tore in 121 Spielen für Stuttgart) bekannt gegeben. Der eine Nationalstürmer kommt, der andere geht: Lukas Podolski wechselt zurück zum heimischen 1. FC Köln.
Der frisch gebackene deutsche Meister setzt derweil seine Politik der cleveren, aber nicht unbedingt medienwirksamen Transfers fort. So verstärkt sich der VfL Wolfsburg ab der kommenden Saison mit dem dänischen Nationalspieler Thomas Kahlenberg, der nach vier Jahren bei AJ Auxerre in die Bundesliga wechselt. Pokalfinalist Bayer Leverkusen trennt sich derweil von Abwehrspieler Karim Haggui. Der Tunesier wechselt zu Hannover 96, während der Schweizer Eren Derdiyok vom FC Basel zum Werksklub an den Rhein kommt. Werder Bremen muss seinen brasilianischen Spielmacher Diego zu Juventus Turin ziehen lassen, hat die erzielte Rekordablöse aber zumindest teilweise schon wieder reinvestiert. Von Shakhtar Donetsk kommz der Bolivianer Marcelo Martins.
Auch in Turin ist Diego wohl als ordnende Hand für das Offensivspiel vorgesehen. Damit er seinen Job in Ruhe erledigen kann, soll hinter ihm Fabio Cannavaro die Abwehr befehligen. Nach drei Spielzeiten bei Real Madrid zeigte sich der Weltmeister von 2006 sehr glücklich über die Rückkehr in seine Heimat. "Ich freue mich, wieder in Italien zu sein und erneut das schwarz-weiß gestreifte Trikot tragen zu dürfen", so Cannavaro bei seiner Vertragsunterschrift. "Ich bin überzeugt, dass ich mit Arbeit und Leidenschaft auch das Wohlwollen meiner schärften Kritiker zurückgewinnen kann", fügte er mit Blick auf jene Tifosi zu, die ihm seinen Wechsel nach dem Zwangsabstieg von Juventus übel genommen hatten.
Auch Fabio Quagliarella zieht es zurück zu den Wurzeln. Von den größten Klubs Italiens umworben, entschied sich der Neu-Nationalspieler, der zuvor für Sampdoria Genua und Udinese Calcio spektakuläre Tore am Fließband geschossen hatte, überraschend für den Klub seiner Heimat - und das, obwohl der SSC Neapel die abgelaufene Saison gerade einmal auf Platz zwölf beendet hat. Genua ergeht es derweil wie vielen Überraschungsmannschaften. Der fünfte Platz hat Begehrlichkeiten bei der ligainternen Konkurrenz geweckt und muss in der kommenden Spielzeit ohne zwei Schlüsselspieler bestätigt werden. Der argentinische Angreifer Diego Milito und der brasilianische Mittelfeldakteur Thiago Motta gehen zusammen zum viermaligen Meister Inter Mailand, während Routinier Hernan Crespo den umgekehrten Weg einschlägt.
In England sind die Big Four momentan wohl noch eher hinter den Kulissen aktiv, für Schlagzeilen sorgt unter dessen aber mal wieder Manchester City. Die Citizens haben mit dem englischen Nationalspieler Gareth Barry ihren ersten großen Fisch an Land gezogen. Barry ist die geballte Erfahrung. Seine bisherigen über 400 Spiele bestritt er allesamt für Aston Villa. Bewegung gibt es auch bei den Blackburn Rovers, wohin der südafrikanische Mittelfeldspieler Elrio van Heerden vom FC Brügge kommt. Nicht antreffen bei seinem neuen Arbeitgeber wird er indes Landsmann Aaron Mokoena. Der Abwehrspieler verlässt die Rovers Richtung Portsmouth, wo er sich künftig wieder den Stammplatz erhofft, den er zuvor unter Trainer Sam Allardyce verloren hatte.
Mit der Entscheidung von André Ooijer hingegen hat der Trainer nichts zu tun. Schlicht aus Heimweh kehrt der Niederländer nach drei Jahren in Nordengland wieder zum PSV Eindhoven zurück. "Es war eine schwere Entscheidung, weil ich hier drei tolle Jahre hatte, aber es war an der Zeit, nach Hause zu gehen", meinte der 34-Jährige. In den Niederlanden dürften sich seine Wege dann mit denen von Nashat Akram kreuzen, der künftig beim FC Twente Enschede spielen wird. Der 75-malige Nationalspieler ist nach Hawar Zeebari von Anorthosis Famagusta erst der zweite Iraker in Europa. "Mit dem Wechsel nach Europa wird ein Traum war. Twente ist ein guter Klub mit einem großen Trainer", so der Ex-Spielmacher von Al Gharafa mit Blick auf Steve McClaren.
Auch der Torwart von Espérance Sportive de Tunis, Hamdi Kasraoui, wagt den Sprung übers Mittelmeer. Der Nationaltorwart schließt sich Frankreichs Erstligarückkehrer Lens an und kommt als arabischer Champions-League-Sieger 2009. Eine weitere Neuverpflichtung des Aufsteigers ist der Brasilianer Eduardo Dos Santos, der nach seiner Station bei den Grasshoppers in Zürich zuletzt Zweitligist Guingamp zum französischen Pokalsieger machte. Auf Leihbasis wechselt Pierre-Emerick Aubameyang vom AC Mailand nach Lille. Für den Nationalspieler aus Gabun ist es nach Dijon schon die zweite Ausleihe. Ein neuer afrikanischer Nationalspieler also für die Ligue 1 der Saison 2009/2010, aber ein anderer geht. Der Malier Cédric Kanté kehrt Nizza den Rücken und versucht sein Glück künftig bei Panathinaikos Athen.
Beschließen wollen wir den Rundblick indes mit dem wohl ungewöhnlichsten Wechsel der noch jungen Transferperiode. Der Brasilianer Denilson, mit der Seleçao 2002 Weltmeister, hat sich nämlich für einen wahrhaft exotischen Tapetenwechsel entschieden. Der Wandervogel, der schon in Brasilien, Spanien, Frankreich, Saudiarabien und den USA aktiv war, tritt künftig für Hai Phong in Vietnam an.

