Trikot, Identität und Titelsammlung sind die unverwechselbaren Merkmale jedes Vereins. Genauso wichtig ist aber auch der Name, der - so seltsam er manchmal auch sein mag - niemals dem Zufall überlassen wird. Bei Bezeichnung wie Football Club, United, Olympique oder Athletic und deren Abwandlungen in den einzelnen Ländern ist die Lage ja noch ziemlich eindeutig. Doch wie kommen Klubs wie Juventus, Arsenal, ZSKA, Independiente oder Galatasaray zu ihren Namen? FIFA.com nimmt Sie mit auf eine Zeitreise zu den Ursprüngen der großen Klubs des Weltfussballs.
In England, dem Mutterland des Fussballs, sind einige der traditionsreichsten Vereine aus Werksmannschaften hervorgegangen. So hatten die Arbeiter des Waffenlagers "Royal Arsenal", welches im Londoner Stadtteil Woolwich lag, wohl keine größeren Schwierigkeiten bei der Namensgebung. Die Kanone im Vereinswappen und der Beiname Gunners erinnern noch heute die jungen Fans daran, dass der Name Arsenal keineswegs in Zusammenhang mit der gewaltigen Schusskraft der Stürmer des Hauptstadtklubs zu sehen ist. Gleiches gilt für die Vereine Arsenal Kiev (Ukraine), Arsenal Sarandí (Argentinien) oder Arsenal Roatán (Honduras), deren Name einen ähnlichen Ursprung wie der des Londoner Klubs haben.
Genauso wie bei Arsenal haben die Beschäftigten der argentinischen Eisenbahngesellschaft, Ferrocarril Central Argentino, die Klubs Rosario Central und Ferro Carril Oeste gegründet, während die australischen und japanischen Seeleute die Vereine Central Coast Mariners bzw. Yokohama Marinos ins Leben riefen. Diese Tradition ist insbesondere in Osteuropa verbreitet und erklärt, warum bestimmte Namen in dieser Region immer wieder auftauchen. So handelt es sich bei ZSKA, Dynamo oder Lokomotiv um Vereine, die der Armee, der Nationalpolizei oder den Eisenbahnern nahe stehen.
Die alleinige Tätigkeit für ein Unternehmen stellt jedoch nicht unbedingt eine Garantie dar, für den zugehörigen Klub zu spielen. So haben Anfang des 20. Jahrhunderts die Mitarbeiter eines Luxuskaufhauses in Buenos Aires den Verein Maipu Banfield gegründet, um gegen die Mannschaften der anderen Unternehmen anzutreten. Die jüngeren Mitarbeiter mussten zwar einen Mitgliedsbeitrag entrichten, hatten jedoch lediglich das Recht, den Spielen beizuwohnen, ohne aber selbst auflaufen zu dürfen. Bei den frustrierten Mitarbeitern wuchs der Wunsch nach Unabhängigkeit von den älteren Beschäftigten. So kam es, dass sie ihre eigene Mannschaft gründeten. Und die hieß natürlich Independiente.
Studium und Jugend
Man muss aber nicht unbedingt einen Exkurs in die Arbeitswelt wagen, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Auch Schulen und Universitäten waren in zahlreichen Fällen die Geburtsstätte einiger der größten Vereine der Welt. Von Universitario de Deportes in Lima über die Pumas de la UNAM (Nationale Autonome Universität Mexikos) bis hin zu den Estudiantes de la Plata haben die lateinamerikanischen Studenten sowohl im Hörsaal als auch auf dem Fussballplatz Engagement bewiesen. Die Spieler des Colegio Comercial Anglicano Argentino in Rosario haben sich indes entschlossen, einen Engländer zu ehren, der diese Einrichtung gegründet und den Fussball nach Argentinien gebracht hatte: ein gewisser Isaac Newell. Wir schreiben das Jahr 1904, als die Newell's Old Boys - die ehemaligen Schüler - schließlich gegründet werden. Einige Jahre später bewiesen die "Schüler" Jorge Valdano, Diego Maradona und Lionel Messi, dass diese Fussballschule durchaus für Qualität steht.
Bei den Gymnasiasten des Istanbuler Stadtteils Galata fragten sich die Zuschauer während der ersten Begegnung im Jahre 1905, wer diese talentierten Spieler seien. Man antwortete ihnen: "Die Herren aus dem Palast von Galata", wobei "Palast" im türkischen Saray heißt. Das Wortspiel gefiel dem Vereinsgründer Ali Sami Yen, der sich dazu entschloss, seiner Mannschaft den Namen Galatasaray zu geben. "Wir haben uns von Anfang an zum Ziel gesetzt, wie die Engländer zu spielen, einen besonderen Namen sowie besondere Farben zu tragen und sämtliche Mannschaften zu schlagen", schrieb Ali Sami Yen, der später dem Stadion seinen Namen geben sollte. Im Jahre 2000 gelang dies schließlich, als die Cimbom den UEFA-Pokal gewannen und den bis dato einzigen Erfolg einer türkischen Mannschaft auf europäischer Ebene feierten.
Die Jugend währt sicherlich nicht ewig, doch der Name könnte noch lange Bestand haben. Auf Latein sagt man schließlich Juventus dazu, und die jungen Turiner Burschen, die sich entschlossen, einen Verein zu gründen, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können, waren allesamt zwischen 14 und 17 Jahre alt. Der Name war folglich nur die logische Konsequenz. Ironie des Schicksals ist, dass diese Mannschaft, die von jungen Männern gegründet wurde, in der ganzen Welt als "Alte Dame" bekannt ist!
Auch der japanische Verein Osaka hat sich von der lateinischen Sprache inspirieren lassen. Wie hinlänglich bekannt sein dürfte, spielt man Fussball in erster Linie mit den Beinen. Auf Italienisch heißt dieser Körperteil "gamba". Mehr brauchte es nicht, um im Jahre 1980 Gamba Osaka zu gründen. Hinzu kommt, dass diese Bezeichnung unweigerlich an das japanische Wort "gambaru" erinnert, das so viel wie "nachsetzen" oder "nicht nachlassen" bedeutet.
Mythologie und Liebe
Eine weitere Inspirationsquelle sind historische Persönlichkeiten. Ajax Amsterdam hat seinen Namen beispielsweise zu Ehren des Helden der griechischen Mythologie gewählt, der stets Mut und Kühnheit bewies. Genauso hat Herkules in Spanien (Hércules Alicante), den Niederlanden (Heracles Almelo) und in Griechenland (Iraklis Thessaloniki) scheinbar Eindruck hinterlassen. In Chile geht der Name des beliebtesten Vereins auf den Mapuche-Häuptling Colo Colo zurück, der im 16. Jahrhundert den Spaniern den Kampf ansagte.
Die Spanier haben dennoch ihre Spuren im südamerikanischen Land hinterlassen. Schließlich wurde Unión Española Ende des 19. Jahrhunderts in Santiago von Immigranten von der iberischen Halbinsel gegründet. Es kommt nicht selten vor, dass Vereine nach der ethnischen Zugehörigkeit ihrer Gründer benannt werden. Celtic wurde beispielsweise von der irischen Gemeinde in Glasgow gegründet, während die chilenischen Vereine Audax Italiano und Palestino der italienischen bzw. palästinensischen Diaspora nahe stehen.
In Marokko war indes eine gegensätzliche Entwicklung zu beobachten. In Casablanca, das zwischen 1912 und 1956 unter französischem Protektorat stand, hatte die einheimische Bevölkerung nur wenig Gelegenheit, Sport zu treiben. Diese Situation fand mit der Gründung des Vereins Wydad, dem ersten von Marokkanern gegründeten Klub, schließlich ein Ende. Wydad bedeutet "Liebe" auf Arabisch. Die Legende besagt, dass einer der Gründungsmitglieder zu einer der Sitzungen im Vorfeld der Vereinsgründung zu spät erschien, da er den letzten Film der ägyptischen Schauspielerin Oum Kalsoum, genannt Wydad, gesehen hatte.
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