Die Bundesliga-Saison 2008/09 endete mit der größten Überraschung seit 1998, als der 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger die Meisterschaft gewann. In der abgelaufenen Spielzeit holte der VfL Wolfsburg zur Verwunderung der Konkurrenz aus München, Hamburg, Bremen und Schalke die Schale nach Niedersachsen.

Doch das deutsche Fussball-Oberhaus hatte noch viel mehr zu bieten. FIFA.com mit einem etwas anderen Bundesliga-Rückblick.

"Kloppomanie" in Dortmund
Auf Platz 13, neun und sieben beendete Borussia Dortmund die vergangenen drei Bundesliga-Spielzeiten. Zu wenig für einen Klub, der bei fast jedem Heimspiel 80.000 Zuschauer in seiner Arena begrüßt. Ein neuer Trainer sollte es richten, und mit Jürgen Klopp fand der BVB den perfekten Coach für den schlafenden Riesen.

Von Beginn an sorgte der ehemalige TV-Experte mit seiner lockeren Art und seinen lustigen Sprüchen ("Was kann man da gewinnen? Eine DSL-Telefonleitung? Ich ziehe nämlich gerade um." Klopp über den von einem Telekommunikationsunternehmen gesponsorten Supercup, in dem Dortmund gegen Bayern spielte) für gute Stimmung bei der Mannschaft und im Umfeld des Vereins. Am Ende der Saison verpassten die Schwarz-Gelben zwar knapp die UEFA Europa League, doch der sechste Rang ist die beste Platzierung seit fünf Jahren.

Größter Irrtum der Saison
Was herrschte in Fussball-Deutschland für ein Aufruhr, als Bayern München im Januar vergangenen Jahres vermeldete, dass Jürgen Klinsmann zur Saison 2008/09 Trainer an der Säbener Straße würde. Der Weltmeister von 1990 kam mit großen Versprechungen zum Rekordmeister und musste nach nur zehn Monaten im Amt seinen Platz räumen, weil Anspruch und Wirklichkeit soweit voneinander entfernt waren, wie der Schwabe von seinem Team.

Denkt man an die Ära Klinsmann zurück, so bleiben der größte Trainerstab in der Bundesliga-Geschichte, das bittere Aus im DFB-Pokal und in der UEFA Champions League sowie die Buddhas auf der Dachterrasse des neu errichteten Leistungszentrums im Gedächtnis. Es war wohl schon ein schlechtes Omen, dass die Figuren nach nur zwei Monaten entfernt wurden...

Anstecker-Aufstand in Frankfurt
Fünf Jahre lang war Friedhelm Funkel Trainer von Eintracht Frankfurt, doch am vergangenen Samstag saß er das letzte Mal auf der Bank der Diva vom Main, die zumindest in den letzten Wochen ihrem Ruf gerecht wurde. Unter der Leitung des 55-Jährigen stieg die Eintracht 2005 in die erste Liga auf. Nur ein Jahr später hatte man dank des Einzugs in das DFB-Pokal-Finale den UEFA-Cup erreicht. Und 2007/08 beendete man die Spielzeit auf Rang neun.

Doch das Beispiel Funkel beweist einmal mehr, dass Ruhm aus alten Tagen keinen Wert hat. Die Fans in Frankfurt erwarten mehr von ihrer Mannschaft, und so entstand ein großer Graben zwischen den Anhängern und dem Coach. "Anti-Funkel"-Anstecker wurden verteilt, und der Druck der Massen wurde immer größer. Hinzu kam die schlechteste Rückrunde seit 13 Jahren, als man 1996 in die zweite Liga abstieg. Einen Spieltag vor Saisonende einigten sich Vorstand und Trainer auf die Auflösung des Vertrages...

Der unnötigste Trainer-Rauswurf
Es gab in der abgelaufenen Bundesliga-Saison einige Trainer-Entlassungen, die für Wirbel sorgten, doch die überflüssigste fand bei Arminia Bielefeld statt. Als die Ostwestfalen am 33. Spieltag in Dortmund ein halbes Dutzend Tore kassierten, 0:6 verloren und den 16. Platz belegten, sah man sich gezwungen, Trainer Michael Frontzeck zu entlassen.

"Feuerwehrmann" Jörg Berger sollte als Retter fungieren, doch nur eine Woche später beendete die Arminia eine verkorkste Saison auf dem letzten Tabellenplatz. Den Wirbel hätte man sich vielleicht sparen sollen. Ein Rekord ist der Arminia jedoch trotzdem sicher: die späteste Trainer-Entlassung in einer Bundesliga-Saison.

Sprücheklopfer unter sich
Wie in jeder Saison gab es auch in der Spielzeit 2008/09 einige Spieler, Trainer oder Funktionäre, die außerhalb des Platzes durch Sprüche auf sich aufmerksam gemacht haben. Allen voran sind hier wie schon in der Vergangenheit Borussia Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer und Bayern Münchens Präsident Franz Beckenbauer  zu nennen. Doch auch der eine oder andere Neuling hat im wahrsten Sinne des Wortes von sich reden gemacht:

"Das war heute so ein Tag, an dem man sich beim Nasebohren den Finger bricht."
Bayern-Präsident Franz Beckenbauer zur 2:5-Heimpleite gegen Werder Bremen

"Willkommen in der Bundesliga."
Ex-HSV-Coach Martin Jol an die Adresse von Michael Gravgaard, der bei seinem Debüt am 19. Spieltag beim Karlsruher SC zwei Gegentore verschuldete

"Er muss ja nicht unbedingt dahin laufen, wo ich hingrätsche."
BVB-Manndecker Neven Subotic nach einem Foul an Hoffenheims Stürmer Demba Ba am 22. Spieltag

"Bitte nicht so schnell sprechen wie Hoffenheim gespielt hat."
Medienchef Andreas Kuhnt von Hannover 96 zu den Journalisten in der Pressekonferenz nach dem 2:5 gegen 1899 Hoffenheim am achten Spieltag

"Ich komm' noch mal in die Champions League, keine Angst."
Der zum 1. FC Köln wechselnde Nationalspieler Lukas Podolski nach seinem letzten Spiel für Bayern München

"Die Stimmung riesengroß, jetzt geht´s los. KSC olé, olé."
Auszug aus dem Vereinslied des Karlsruher SC, das unmittelbar nach dem Abstieg im Wildparkstadion gespielt wurde

"Dass Borussia Dortmund nur Sechster ist."
Schalke-Torhüter Manuel Neuer nach dem 2:3 gegen 1899 Hoffenheim auf die Frage, ob es etwas Positives am letzten Saisonspieltag gebe

"Früher habt ihr solche Scheißspiele nicht so einfach hingenommen. Ihr seid gleichgültiger geworden."
Mönchengladbach-Coach Hans Meyer zu Journalisten nach dem 1:3 gegen Energie Cottbus

In diesem Sinne: Auf ein Neues in der Saison 2009/10!

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