Die 120.000-Einwohner-Stadt Wolfsburg avancierte zu einer Fussball-Hochburg. In Bordeaux sieht es derweil so aus, als müsse das Titelbegehren noch eine weitere Woche ausgelebt werden. Ganz im Zeichen der Befreiung steht die Gefühlslage in Turin, während Newcastle von Frust überschattet ist. Unterdessen verliefen die Generalproben der UEFA Champions League-Finalisten FC Barcelona und Manchester United grundverschieden ab. FIFA.com fasst das Wochenend-Geschehen in Europas Top-Ligen zusammen.
Premier League: Newcastle im Tal der Tränen
Die englische Traditionsadresse Newcastle United muss den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Das Team von Alan Shearer verlor am letzten Spieltag mit 0:1 bei Aston Villa und ist damit erstmals seit 1993 wieder abgestiegen. Neben den Magpies verlassen auch der FC Middlesbrough (1:2 bei West Ham United) und West Bromwich Albion (0:0 bei den Blackburn Rovers) das Oberhaus.
Den Klassenerhalt geschafft hat dagegen Hull City, obwohl der Neuling mit 0:1 gegen Meister Manchester United unterlag. Tottenham Hotspur hat es unterdessen verpasst, in die UEFA Europa League einzuziehen, da man bei Vizemeister FC Liverpool mit 1:3 den Kürzeren zog. Der Tabellendritte FC Chelsea gewann mit 3:2 beim AFC Sunderland, der Vierte FC Arsenal holte einen 4:1-Heimsieg gegen Stoke City.
Die ersten Drei: Manchester United (90 Punkte), FC Liverpool (86), FC Chelsea (83)
Die letzten Drei: Newcastle United (34), FC Middlesbrough, West Bromwich Albion (beide 32)
Die besten Torschützen: Nicolas Anelka (19 Tore), Cristiano Ronaldo (18), Steven Gerrard (16)
Die Zahl des Tages: 90 - Mit einer Punkteausbeute von 90 Zählern gewann ManU den Titel. Soviele Punkte hatte seit der Saison 1999/2000 kein Premier-League-Team mehr.
Primera División: Villarreal feiert Derby-Sieg
Spaniens Fans durften einen erleichterten FC Villarreal sehen, der nach einem 3:1-Heimsieg im Nachbarschaftsduell mit dem FC Valencia die Qualifikation für die Europa League in der Tasche hat und vor dem letzten Spieltag nun sogar weiter von der europäischen Königsklasse träumen darf. Denn: Manuel Pellegrinis Team hat noch immer nur zwei Punkte Rückstand auf den Tabellenvierten Atlético Madrid (4:1 bei Athletic Bilbao).
Während Meister FC Barcelona bei der 0:1-Heimschlappe gegen CA Osasuna patzte, fuhr der Tabellendritte FC Sevilla einen 1:0-Erfolg gegen Deportivo La Coruna ein. Definitiv abgestiegen sind unterdessen Recreativo Huelva (0:1 gegen Racing Santander) und CD Numancia (0:1 beim FC Getafe). Vizemeister Real Madrid ging im heimischen Bernabeu-Stadion beim 1:3 gegen RCD Mallorca als Verlierer vom Platz.
Die besten Drei: FC Barcelona (86 Punkte), Real Madrid (x), FC Sevilla (67)
Die letzten Drei: CA Osasuna (40), CD Numancia (35), Recreativo Huelva (33)
Die besten Torschützen: Diego Forlan (31 Tore), Samuel Eto'o (29), David Villa (26)
Die Zahl der Woche: 3 - Mit drei Treffern in Bilbao schob sich Forlan in der Torschützenliste an Eto'o vorbei. Es war der erste Dreierpack des Uruguayers in dieser Saison.
Serie A: Befreiungsschlag für Juventus
Ein leichtes Grinsen war am Sonntag bei Ciro Ferrara zu erkennen. Der Interimscoach von Italiens Rekordmeister Juventus Turin feierte bei seinem Einstand einen 3:0-Triumph beim AC Siena und damit den ersten "Dreier" der Alten Dame nach zuletzt sieben sieglosen Spielen infolge. Den zweitplatzierten Turinern ist damit die direkte Qualifikation für die Champions League nicht mehr zu nehmen, da sie gegenüber dem viertplatzierten AC Florenz zwar nur drei Punkte mehr auf dem Konto haben, dafür aber der direkte Vergleich für sie spricht.
Der mit Juventus punktgleiche Drittplatzierte AC Mailand verlor nach einem Freistoßtor von Francesco Totti in der 85. Minute zuhause mit 2:3 gegen den AS Rom und trifft im finalen Showdown nun auf die Fiorentina, die beim 1:1-Remis bei Schlusslicht US Lecce enttäuschte. Der Klub aus Apulien steht trotz des Punktes ebenso wie Reggina Calcio (0:1 bei Lazio Rom) als Absteiger fest. Inter Mailand, seines Zeichens alter und neuer Meister, verlor bei Cagliari Calcio mit 1:2.
Die ersten Drei: Inter Mailand (81 Punkte), Juventus Turin, AC Mailand (beide 71)
Die letzten Drei: FC Turin (34), Reggina Calcio, US Lecce (beide 30)
Die besten Torschützen: Marco di Vaio, Zlatan Ibrahimovic (beide 23), Diego Milito (22)
Die Zahl der Woche: 24 - Die italienische Abwehrlegende Paolo Maldini vom AC Mailand verabschiedete sich am zurückliegenden Wochenende nach 24 Spielzeiten im Guiseppe-Meazza-Stadion von den heimischen Fans. Es war das letzte Heimspiel des 40-Jährigen, der seine Karriere nächste Woche beenden wird.
Ligue 1: Bordeaux muss geduldig bleiben
Im französischen Titelrennen wurde die Entscheidung auf den letzten Spieltag verschoben. Zwar erledigte Spitzenreiter Girondins Bordeaux seine Hausaufgaben mit einem 1:0-Heimsieg gegen den AS Monaco auf solide Weise, doch Verfolger Olympique Marseille blieb dem Ensemble von Coach Laurent Blanc dank eines 2:1-Erfolges bei AS Nancy auf den Fersen. Angesichts des Drei-Punkte-Vorsprungs von Bordeaux verspricht der kommende Samstag somit puren Nervenkitzel.
Während der drittplatzierte Noch-Meister Olympique Lyon zuhause mit 3:1 gegen SM Caen gewinnen konnte, leistete sich Paris Saint-Germain einen Patzer. Die Hauptstädter verloren mit 1:2 beim AFC Valenciennes und sind auf Platz fünf abgerutscht. Im Abstiegsduell zweier Traditionsadressen verlor der FC Nantes beim FC Sochaux mit 1:2 und braucht nun schon ein kleines Wunder, um die drohende Zweitklassigkeit noch abzuwenden.
Die ersten Drei: Girondins Bordeaux (77 Punkte), Olympique Marseille (74), Olympique Lyon (70)
Die letzten Drei: AS Saint-Etienne (37), FC Nantes (34), AC Le Havre (25)
Die besten Torschützen: André-Pierre Gignac (24 Tore), Karim Benzema, Guillaume Hoarau (beide 17)
Die Zahl der Woche: 75 - Juninho markierte per verwandeltem Strafstoß sein 75. Tor im Dress von Lyon. Es könnte durchaus sein letztes gewesen sein. Zum einen ist der Brasilianer am finalen Spieltag dieser Saison gesperrt. Und zum anderen wird er von der Website der Ligue 1 mit den Worten zitiert: "Es ist durchaus möglich, dass ich wechseln werde. Man muss wissen, wann es Zeit ist, zu gehen."
Bundesliga: Wolfsburg im siebten Himmel
Das Fussballmärchen des VfL Wolfsburg wurde tatsächlich wahr. Erfolgstrainer Felix Magath führte die Höhenflieger zur ersten deutschen Meisterschaft der Klubgeschichte, nachdem die Wölfe vor heimischer Kulisse auch das Ensemble von Werder Bremen auf spektakuläre Weise bezwingen konnten. Angesichts einer sensationellen Saison gratulierte auch Bayern München den Niedersachsen. Der Rekordchampion durfte sich dank eines 2:1-Heimsieges gegen den VfB Stuttgart immerhin über Platz zwei und der damit erreichten direkten Qualifikation für die Champions League freuen.
Während die Stuttgarter Dritter wurden und im Nachsitzen die Teilnahme an Europas Königsklasse perfekt machen können, werden Hertha BSC Berlin (0:4 beim Karlsruher SC) und der Hamburger SV (3:2 bei Eintracht Frankfurt) die Bundesliga in der Europa League vertreten. Der Kantersieg der Karlsruher kam derweil viel zu spät, um noch den Klassenerhalt zu feiern. Sie werden ebenso wie Arminia Bielefeld (2:2 gegen Hannover 96) den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Energie Cottbus hat sich mit einem 3:0-Heimerfolg gegen Bayer Leverkusen in die Relegation gerettet.
Die ersten Drei: VfL Wolfsburg (69 Punkte), Bayern München (67), VfB Stuttgart (64)
Die letzten Drei: Energie Cottbus (30), Karlsruher SC (29), Arminia Bielefeld (28)
Die besten Torschützen: Grafite (28 Tore), Edin Dzeko (26), Mario Gomez (24)
Die Zahl der Woche: 54 - Gemeinsam traf das Wolfsburger Sturmduo mit Grafite und Dzeko unglaubliche 54 Mal in dieser Spielzeit ins gegnerische Gehäuse. Damit stellten sie den Bundesliga-Rekord von Bayerns Gerd Müller (40 Tore) und Uli Hoeneß (13) aus der Saison 1971/72 ein.
Weitere Ligen
In Schottland krönten sich die Glasgow Rangers mit einem 3:0-Sieg bei Dundee United zum 52. Mal zum Meister. In der Schweiz feierte der FC Zürich aufgrund eines 1:0-Erfolges beim AC Bellinzona und dank der Schützenhilfe von Nachbar Grasshoppers Zürich, der 4:1 gegen den FC Basel gewinnen konnte, den Titelgewinn.
Der FC Kopenhagen wurde mit einem 1:0-Sieg bei Esbjerg fB dänischer Meister, da Verfolger und Stadtrivale Bröndby IF mit 0:1 bei Aarhus GF patzte. Und in Belgien konnte sich Standard Lüttich in den Entscheidungsspielen gegen den RSC Anderlecht durchsetzen, um zum zehnten Mal nationaler Champion zu werden. Nach einem 1:1 in Brüssel gewann man am Sonntagabend vor heimischer Kulisse die Rückpartie mit 1:0.
