Sie waren nach der Hinrunde nur auf Rang neun, doch eine überragende Rückserie mit dem effektivsten Sturmduo, das die Bundesliga je gesehen hat, bescherte dem VfL Wolfsburg den ersten Meistertitel seiner Vereinsgeschichte. Rekordmeister FC Bayern München blieb nur der zweite Platz am Ende einer für ihn wohl enttäuschenden Saison.
Trauer herrscht bei Arminia Bielefeld und dem Karlsruher SC. Beide Klubs müssen den Gang in die zweite Liga antreten. Energie Cottbus darf hingegen auf den Klassenerhalt hoffen und trifft in der Relegation auf den 1. FC Nürnberg.
FIFA.com blickt auf die Bundesliga-Saison 2008/09 zurück.
Wolfsburger Grafite und Dzeko nicht zu stoppen
54 Tore erzielten Torschützenkönig Grafite (28) und der Bosnier Edin Dzeko (26) in der abgelaufenen Saison und brachen damit einen 37 Jahre alten Rekord, den die Münchener Gerd Müller (40) und Uli Hoeneß (13) aufstellten, als sie gemeinsam 53 Treffer markierten. Das Wolfsburger Angriffsduo ist der Garant für den überraschendsten Meisterschaftserfolg seit 1998, als der 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger den Titel gewann.
Aber nicht allein den beiden Top-Stürmern gebührt der Lob. Mittelfeld-Stratege Zvejzdan Misimovic bereitete nicht weniger als 20 Tore vor und ist somit der beste Assist-Geber der Liga. Für Trainer Felix Magath, der trotz des Erfolgs den Verein in Richtung Schalke 04 verlassen wird, ist es die dritte Meisterschaft, nachdem er zuvor zwei Titel an die Säbener Straße nach München holte (2005 und 2006).
Rekordmeister qualifiziert sich für Königsklasse
Bayern München musste sich indes nach einer turbulenten Saison und der Trainer-Entlassung von Jürgen Klinsmann mit dem zweiten Platz begnügen. Der ehemalige Bundestrainer konnte seine Vorstellungen zu fast keinem Zeitpunkt der Saison in die Realität umsetzen und wurde fünf Spieltage vor Saisonende seines Amtes enthoben. Trainer-Legende Jupp Heynckes sicherte dem 21-fachen deutschen Meister wenigstens noch die direkte Qualifikation für die UEFA Champions League.
Der VfB Stuttgart muss auf dem Weg in die europäische Königsklasse durch die Qualifikation. Die Schwaben, nach der Hinrunde nur auf Position zehn, zeigten ebenso wie der neue deutsche Meister eine atemberaubende Rückserie. 39 Punkte sammelte Trainer Markus Babbel mit seinem Team aus den letzten 17 Partien und beendet die Spielzeit auf Rang drei. Torjäger Mario Gomez hatte mit seinen 24 Treffern und acht Vorlagen einen großen Anteil an dem Erfolg des deutschen Meisters von 2007.
Hertha und Hamburg international
Als Piotr Trochowski in der Nachspielzeit des letzten Bundesliga-Spiels der Saison zum 3:2 bei Eintracht Frankfurt einschoss, war klar, dass die Norddeutschen in der kommenden Saison in der Europa League spielen würden. Es war ein versöhnlicher Abschluss einer verrückten Saison für die Mannschaft von Trainer Martin Jol. Denn spielte man vor drei Wochen noch um drei Titel (Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA-Pokal), hätte man am Ende fast alles aus der Hand gegeben.
Hertha BSC Berlin blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die abgelaufene Saison. Lange Zeit spielte die alte Dame um die Meisterschale mit, am Ende winkte die Champions League-Qualifikation, doch die Europa League wird es nun in der kommenden Spielzeit sein, was für den Hauptstadt-Klub trotzdem ein Erfolg ist. Denn mit Rang vier nach 34 Spieltagen konnte man zu Beginn der Saison nicht unbedingt rechnen.
Enttäuschung bei den Etablierten
Borussia Dortmund (6.), Schalke 04 (8.), Bayer Leverkusen (9.) und Werder Bremen (10.) erlebten ein weitestgehend enttäuschendes Jahr. Während der BVB am letzten Spieltag noch die internationalen Plätze verlassen musste, konnten die Königsblauen, die Werkself und die Hanseaten nicht an die Leistungen aus vergangenen Tagen anknüpfen. Zumindest Leverkusen oder Bremen werden in der kommenden Spielzeit trotzdem auf der internationalen Bühne zu sehen sein. Beide Klubs bestreiten am nächsten Wochenende das Finale des nationalen Pokals.
Aufsteiger bleiben erstklassig
Die drei Liga-Neulinge dürfen jubeln. 1899 Hoffenheim, der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach spielen auch in der Saison 2009/10 in der ersten Bundesliga. Beeindruckend präsentierte sich vor allem in der Hinrunde das Team von Trainer Ralf Rangnick. Hoffenheim feierte die Herbstmeisterschaft, doch nach der schweren Knie-Verletzung von Torjäger Vedad Ibisevic (18 Tore in 17 Spielen) fand die Mannschaft nicht zur alten Stärke und beendete die Saison auf Rang sieben.
Der 1. FC Köln sicherte sich souverän den Klassenerhalt. Platz zwölf nach 34 Spieltagen macht Mut für die kommende Saison, wenn Nationalspieler Lukas Podolski in die Domstadt zurückkehrt und Torjäger Milivoje Novakovic (16 Treffer) Gesellschaft leistet. Auch die Fohlen aus Gladbach verbleiben in der höchsten deutschen Spielklasse. Nach der Hinrunde Tabellenletzter, schaffte die Mannschaft von Trainer-Fuchs Hans Meyer den Sprung auf Platz 15.
Cottbus hofft, Trauer in Karlsruhe und Bielefeld
Während Energie Cottbus durch einen Kraftakt in letzter Minute den Sprung auf den 16. Rang gelang, und die Lausitzer somit in zwei Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg die Chance auf den Klassenerhalt haben, herrscht beim Karlsruher SC und Arminia Bielefeld Resignation. Nach fünf Jahren in Liga eins müssen die Ostwestfalen den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Vier Siege aus 34 Begegnungen waren am Ende einfach zu wenig. Auch die sechs Punkte aus den letzten beiden Partien halfen dem KSC nicht, die Klasse zu halten. Beide Klubs werden im kommenden Jahr versuchen, den direkten Wiederaufstieg perfekt zu machen.
