Das Jahr 2008 bot den Fans eine der ausgeglichensten Spielzeiten in der Geschichte des Brasileirão seit der Einführung des Liga-Systems im Jahr 2003. Der FC São Paulo holte nach einem erbitterten Duell mit Vizemeister Grêmio Porto Alegre den noch nie dagewesenen dritten Titel in Folge, und auch der Kampf um die weiteren zwei Plätze für die Copa Libertadores zwischen Cruzeiro Belo Horizonte, Palmeiras und Flamengo war hart umkämpft.
Es ist daher nur allzu verständlich, dass sich die Brasilianer nach einer weiteren Saison dieser Art sehnen. Was die größten Klubs des Landes während des ersten Halbjahres geleistet haben, lässt indes darauf schließen, dass der Brasileirão 2009, der am kommenden Samstag beginnt, sogar noch besser sein wird.
Für diese Erwartungshaltung gibt es viele Gründe: Es werden nicht nur die Stars der vergangenen Saison, wie etwa Hernanes (FC São Paulo), Keirrison (Palmeiras) und Ramires (Cruzeiro), in Brasilien bleiben, sondern es konnten auch neue namhafte Spieler verpflichtet werden. Unter anderem sind drei der vier Stürmer, die bei der letzten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ das Trikot der Seleção getragen haben, nach Brasilien zurückgekehrt: Fred verstärkt Fluminense, Adriano geht für Flamengo auf Torejagd und Il Fenomeno Ronaldo gilt nach dem Titelgewinn und der Auszeichnung zum besten Spieler des Campeonato Paulista bereits als Ikone von Corinthians.
Noch stärker
Angesichts der Ausgeglichenheit der Saison 2008 und der regelrechten Flut an Verstärkungen ist bei Prophezeiungen, wer am 6. Dezember die Trophäe in Händen halten wird, äußerste Vorsicht geboten. Dennoch kommt man nicht daran vorbei, die Stärke einiger Titelanwärter hervorzuheben - beginnend beim Titelverteidiger FC São Paulo, der zuletzt drei Mal in Folge die Meisterschaft gewinnen konnte. Der Klub hielt nicht nur seine Stammspieler, sondern konnte zudem auch weitere renommierte Spieler verpflichten, wie etwa Washington, einen der Torjäger der Saison 2008, der von Fluminense kommt. Auch der beste Torschütze der Tricolor Paulista der vergangenen Saison, Borges, erkannte: "Nun sind wir die Mannschaft, die es zu schlagen gilt. Der Druck, der auf uns lastet, ist enorm."
Auch Grêmio Porto Alegre möchte unter Beweis stellen, dass die erfolgreiche Saison 2008 kein Zufallsprodukt war. Die Mannschaft, die nach der Verpflichtung von Maxi López (FC Moskau, Russland) und Germán Herrera (Corinthians) nunmehr auf einen rein argentinischen Sturm zurückgreifen kann, zeigte in der Gruppenphase der Copa Libertatores 2009 ihre bislang beste Leistung und erreichte schließlich das Achtelfinale. Auch Cruzeiro legte einen guten Start ins neue Jahr hin: Der Klub kompensierte den Abgang des Angreifers Guilherme mit der Verpflichtung von Kléber (im Jahr 2008 noch im Trikot von Palmeiras) und holte auf souveräne Weise den Titel in der regionalen Staatsmeisterschaft - einschließlich eines historischen 5:0-Kantersieges über den Erzrivalen Atlético Mineiro.
Flamengo konnte sein Können in der regionalen Meisterschaft von Rio de Janeiro unter Beweis stellen und dort zum dritten Mal in Folge den Titel holen. Zunächst besiegte man Botafogo im Elfmeterschießen, ehe der Klub die Rückkehr von Adriano, einem der erfolgreichsten Spieler, der je aus dem eigenen Nachwuchs hervorgegangen ist, bekannt gab. Palmeiras, der Viertplatzierte der Saison 2008, konnte den Titel in der Paulista-Meisterschaft zwar nicht gewinnen, doch die Leistungen der neu formierten Mannschaft in den ersten Monaten, insbesondere die Leistung des jungen Keirrison, sind zweifelsohne ein Hoffnungsschimmer für das Team von Vanderlei Luxemburgo.
Potenzial, wohin man blickt
Es gibt viele Mannschaften, die das Potenzial haben, am Ende ganz oben zu stehen. Internacional de Porto Alegre, der aktuelle Titelträger der Copa Sudamericana, verstärkte sich im Campeonato Gaúcho mit einem beeindruckenden Trio: Nilmar, D'Alessandro und der junge Taison kommen. Dasselbe gilt für Corinthians: Seit der Rückkehr von Ronaldo in den Parque São Jorge steht der Meister der Serie B 2008 im Blickpunkt der Fussballwelt. Die Mannschaft gab sich keine Blöße und holte ohne eine einzige Niederlage den Titel in der regionalen Meisterschaft.
Fluminense kann auf die Treffsicherheit von Fred, auf das Talent von Thiago Neves und auf die Erfahrung von Carlos Alberto Parreira bauen, während Sport Recife, der Gewinner der Copa do Brasil 2008, im Bundesstaat Pernambuco den vierten Titel in Folge einfuhr und auch in der Copa Libertadores noch mit dabei ist.
Aber auch der FC Santos mit seinen Stars Neymar und Kléber Pereira darf keinesfalls vergessen werden, ebenso wie der Meister von Paraná, Atlético Paranaense, oder die Traditionsklubs Botafogo und Atlético Mineiro. Ganz zu schweigen von den Überraschungen, die die brasilianische Meisterschaft stets auf Lager hat.
