Der amtierende polnische Pokalsieger Legia Warszawa rangiert derzeit auf Platz zwei in Polens höchster Spielklasse und ist somit ärgster Verfolger von Spitzenreiter Lech Poznan, der einen Punkt Vorsprung auf das Traditionsteam hat. Aber auch Meister Wisla Kraków und Aufsteiger Polonia Warszawa haben bei drei Zählern Rückstand den Kampf um die Meisterschaft noch nicht aufgegeben. FIFA.com traf sich exklusiv mit dem Top-Torjäger der Ekstraklasa Takesure Chinyama, der für Legia Woche für Woche auf Torejagd geht.
"Das Wetter war das größte Problem zu Beginn. Auch die Kommunikation hat mir Sorgen bereitet, da man in Polen nicht viel Englisch spricht. Aber ich beherrsche die polnische Sprache jetzt und finde mich gut zurecht", erinnerte sich Chinyama im Gespräch mit FIFA.com an seine ersten Eindrücke, als er im Sommer 2006 aus Simbabwe nach Polen in die Ekstraklasa wechselte. Damals unterschrieb er einen Vertrag bei Groclin Wielkopolski und feierte bereits in seinem ersten Jahr in Europa zwei Titelgewinne. Da verwundert es nicht, dass Chiny, wie ihn seine Teamkollegen nennen, gerne an die Zeit zurück denkt. "Es war mein erster Verein in Europa, und wir haben den polnischen Pokal und den Ligacup gewonnen. Bis dato verbinde ich mit diesem Klub meine erfolgreichste Zeit in Polen", so der 26-Jährige.
Wechsel zu Legia Warszawa
Nach nur einer Spielzeit bei seinem neuen Klub wurde die nationale Konkurrenz auf den 1,84 Meter großen Nationalspieler aus Simbabwe aufmerksam. Vor der Saison 2007/08 wechselte Chinyama zu Legia Warszawa, einem der erfolgreichsten Klubs Polens. Der neunfache polnische Meister hatte die Vorsaison nur auf Rang drei beendet und das internationale Geschäft verpasst, und es sollte Chiny sein, der dies in der folgenden Spielzeit korrigierte.
"Ich war schon zuvor einmal im Training bei Legia, aber damals konnte ich mich nicht durchsetzen. Als ich bei Groclin gespielt habe, sah man, zu was ich in der Lage bin. Der Verein wollte mich haben, und ich wollte mich weiter entwicklen. Deshalb habe ich mich für Legia entschieden. Ich bin jetzt sehr zufrieden, da der Wechsel mich unheimlich weitergebracht hat", resümierte der Stürmer im Interview mit FIFA.com.
Landsmann unterstützt Chiny
Schon in seiner ersten Saison in Polen durfte Chinyama den Gewinn des nationalen Pokals bejubeln, und auch in seinem zweiten Jahr, sollte genau dieser Titel herausspringen. Verpasste Legia noch die Meisterschaft mit 14 Punkten Rückstand auf Wisla Kraków, so sicherte man sich im Elfmeterschießen den Pokalsieg gegen den Meister.
Ein Grund, warum der sympathische Angreifer auch bei Polens Top-Klub eingeschlagen hat, könnte ein Landsmann von Chinyama sein, denn dank Dickson Choto fühlt sich die Nummer 19 Legias in seinem Umfeld richtig wohl. "Er ist wie ein Bruder für mich. Dickson spielt für mich eine große Rolle. Als ich nach Polen kam, hat er mir sehr geholfen, wie man in Europa mit Menschen umgeht, mit ihnen spricht und wie man sich in der Öffentlichkeit gibt. Er ist seit sieben Jahren hier [in Europa], ich folge jetzt in seinen Fußstapfen", schwärmt Chinyama von seinem Teamkollegen.
Gute Trefferquote macht Hoffnung auf mehr
29 Tore in 48 Spielen durfte Chinyama für Legia in der höchsten polnischen Spielklasse bereits bejubeln. Seine 15 Treffer aus dem vergangenen Jahr hat der simbabwische Internationale bereits nach 22 Spieltagen der aktuellen Saison fast übertroffen. Mit 14 Toren führt er derzeit die Torschützenliste der Ekstraklasa an, gibt sich jedoch mannschaftsdienlich und bescheiden.
"Diese Saison wird es sehr schwierig, die Meisterschaft zu gewinnen, deshalb bin ich noch nicht ganz zufrieden. Erst wenn wir Titel holen, kann ich glücklich sein. Wir wollen die Meisterschaft unbedingt gewinnen, und ich bin überzeugt davon, dass wir sie uns sichern können, wenn wir von Verletzungen verschont bleiben", analysierte Chinyama die momentane Situation in Polen.
Ziele mit der Nationalmannschaft und Lob für Afrika
Auch wenn Chinyama nur auf zwei Einsätze für Simbabwe in der Qualifikation zur FIFA WM 2010 kam, dabei kein Tor erzielen und das Ausscheiden seines Landes nicht verhindern konnte, so hat sich der ehrgeizige Angreifer für die Zukunft einiges vorgenommen: "Ich bin immer noch jung, und ich werde meine Chancen bekommen. Die Qualifikation für den Afrika-Pokal 2012 ist mein Ziel. Dann will ich für mein Land spielen."
Vorher jedoch wird der Angreifer im kommenden Jahr die erste FIFA WM auf afrikanischem Boden erleben, und schon jetzt freut sich Chinyama auf das größte Einzelsport-Ereignis Afrikas. "Es wird eine unvergessliche Veranstaltung für alle Afrikaner. Selbst wenn ich einmal alt bin, werden meine Söhne von dieser WM sprechen. Für Afrika ist es ein großer Erfolg, diese WM veranstalten zu dürfen", blickte Chiny abschließend in die Zukunft.
"Chiny" jagt Polens Spitze
(FIFA.com) Mittwoch 8. April 2009
