Gemeinsam mit Spanien und England sind die Niederlande derzeit das erfolgreichste Team der Europa-Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™. Fünf Siege aus fünf Spielen und ein beeindruckendes Torverhältnis (12:1) untermauern die Dominanz von Oranje in der Gruppe 9.

Angeführt wird das Team von Kapitän Giovanni van Bronckhorst, der in allen fünf "Quali"-Spielen bisher die Binde trug. Der 34-Jährige ist der absolute Führungsspieler sowohl auf als auch neben dem Platz.

Über RKC Waalwijk (1993-94) und Feyenoord Rotterdam (1994-98) gelang ihm 1998 der Sprung auf die Insel. Nach drei Jahren beim schottischen Spitzenklub Glasgow Rangers folgte das Engagement bei den Gunners vom FC Arsenal. Doch Gio blieb nur zwei Spielzeiten und wechselte zum FC Barcelona, wo er 2006 seinen vermeintlich größten Triumph, den Gewinn der UEFA Champions League, feierte.

Doch das ist keinesfalls sein einziger Titel: Niederländischer Pokal (1995, 2008), Schottische Meisterschaft (1999, 2000), Schottischer Pokal (1999, 2000), Schottischer Ligapokal (1999), Englische Meisterschaft (2002), Englischer Pokal (2002), Englischer Ligapokal (2002), Spanische Meisterschaft (2005, 2006) und Spanischer Supercup (2005, 2006) stehen ebenfalls in der Vita van Bronckhorsts.

Einzig in der Nationalmannschaft hat es noch nicht zum ganz großen Erfolg gereicht. Aber das soll sich spätestens im kommenden Jahr bei der FIFA WM 2010 in Südafrika ändern. FIFA.com sprach exklusiv mit dem inzwischen zu Feyenoord Rotterdam zurückgekehrten Niederländer.

FC Barcelona, FC Arsenal, Glasgow Rangers und jetzt Feyenoord Rotterdam: Sie spielten bei vier Top-Klubs in Europa. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
Bei Feyenoord bin ich aufgewachsen, aber am erfolgreichsten war ich in Barcelona, und ich muss sagen, dass ich meine Zeit in Spanien sehr genossen habe.
 
Im UEFA-Pokal ausgeschieden und auch in der Eredivisie nur im Tabellenmittelfeld - was geht derzeit in Rotterdam schief?
Viele Dinge sind schief gegangen, aber ich will nicht mehr zurückblicken. Es ist jetzt wichtig, dass Feyenoord an einer besseren Zukunft arbeitet.
 
Sie haben bereits die UEFA Champions League sowie zahlreiche nationale Meisterschaften gewonnen. Wie sehen Ihre weiteren Ziele aus?
Mein größtes Ziel ist es, die niederländische Liga mit Feyenoord zu gewinnen, und ich würde sehr gern bei der FIFA WM 2010 in Südafrika spielen.
 
Gibt es noch einen Verein, bei dem Sie nochmal spielen möchten?
Ich bin sehr glücklich, bei Feyenoord und in der niederländischen Nationalmannschaft zu spielen.

Bis jetzt wurden Sie sowohl als Verteidiger als auch als Mittelfeldspieler eingesetzt. Wo ziehen Sie es vor, zu spielen und warum?
Ich habe da keine Präferenz. Meine größten Erfolge hatte ich als linker Außenverteidiger, aber ich genieße es genauso, im Mittelfeld zu spielen. 
 
In der WM-Qualifikation haben die Niederlande nach fünf Siegen in fünf Spielen das Ticket für Südafrika 2010 so gut wie in der Tasche. Da kann doch eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Das ist für Sie leicht zu sagen. Es kann sehr wohl noch einiges schiefgehen. Wir werden nicht mit dem Feiern anfangen, bis wir uns wirklich qualifiziert haben.
 
Im Falle einer erfolgreichen Qualifikation, sind Sie im WM-Jahr 35 Jahre alt. Wäre das Ihr letztes großes Turnier?
Das ist eine ziemlich sichere Wette, ja.
 
Was bedeutet es für Sie, Ihr Land zu vertreten?
Ich habe es immer als große Ehre gesehen, für die Niederlande zu spielen. Ich bin sehr stolz darauf, zurzeit der Kapitän der Nationalmannschaft zu sein. Es ist etwas, wovon man als Kind träumt.
 
Sind die Niederlande bereit, im kommenden Jahr nach dem WM-Titel zu greifen?
Die Weltmeisterschaft ist nicht wie die Olympischen Spiele - man spielt um zu gewinnen. Aber das bedeutet nicht, dass man kein gutes Turnier spielen kann, ohne es zu gewinnen.
 
Die Niederlande gehören seit jeher zu den Favoriten vor den Turnieren, aber der letzte große Triumph liegt mehr als 20 Jahre (Europameister 1988) zurück. Warum stimmt die Erwartung und die Wirklichkeit nicht überein?
Die Niederlande haben immer große Spieler hervorgebracht, aber aus irgendeinem Grund ist daraus erst einmal eine erfolgreiche Mannschaft entstanden. Und doch darf man nicht vergessen, dass wir ein sehr kleines Land im Vergleich zu den vielfachen Siegern wie Brasilien, Italien, Deutschland oder sogar Argentinien sind. Wenn man die Dinge aus dieser Perspektive betrachtet, ist unsere Bilanz mit zwei "Vize"-Titeln (1974 und 1978) und einigen Halbfinalteilnahmen gar nicht so schlecht.
 
Wo stehen die Niederlande im weltweiten Vergleich?
Wir liegen in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auf Rang drei. Daher würde ich schon sagen, dass wir zu besten Teams der Welt gehören.

Sie haben mehr als 80 Länderspiele absolviert. An welches haben Sie besondere Erinnerungen?
Abgesehen von meinem ersten Treffer gegen Brasilien, erinnere ich mich gut an das Duell gegen Weltmeister Italien bei der UEFA EURO 2008 in Österreich und der Schweiz. Ich habe wirklich gut gespielt und war glücklich, dass ich eine wichtige Rolle bei unserem Sieg eingenommen habe.

Haben Sie ein Vorbild?
Als ich jünger war, vergötterte ich Diego Maradona. Aber andererseits, wer tut das nicht?
 
Haben Sie Pläne für Ihr Leben nach der Fussballkarriere?
Das ist etwas, worüber ich mir noch keine Gedanken gemacht habe. Ich bin noch nicht einmal überzeugt, ob ich dem Fussball verbunden bleiben will.