Nach 30 Toren in 48 Spielen für Arsenal London in der vergangenen Saison verwundert es nicht, dass Emmanuel Adebayor zu Afrikas Fussballer des Jahres 2008 gewählt wurde. Der schlaksige Stürmer brachte mit seiner Schnelligkeit, seinem Ballgefühl und seiner Stärke in der Luft Abwehrreihen in England, Europa und in Afrika ein ums andere Mal schier zur Verzweiflung.
Der in Lomé geborene Spieler begann seine Karriere als Teenager in Metz. 2003 wechselte er zum AS Monaco und stieß mit diesem Verein bis ins Finale der UEFA Champions League vor, wo man in Gelsenkirchen dem FC Porto mit 0:3 unterlag.
Im Februar 2009 erlebte der 25-Jährige den bislang größten Augenblick in seiner Karriere, als er zu Afrikas Fussballer des Jahres 2008 gewählt wurde und sich dabei gegen Größen wie Mohamed Aboutrika und Michael Essien durchsetzte. Es war das erste Mal, dass ein Nationalspieler aus Togo diese Auszeichnung erhielt. Dies war auch der ideale Einstieg in das Exklusiv-Interview, das FIFA.com mit ihm führte.
Sie wurden kürzlich zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt. War das die größte Auszeichnung Ihrer bisherigen Karriere?
Ja, auf jeden Fall. Als ich jung war, habe ich mir gesagt, dass ich Fussball spielen und Spaß haben will - aber einmal würde ich auch gerne die Chance bekommen, Afrikas Fussballer des Jahres zu werden. Für mich ist jetzt ein Traum wahr geworden. Ich bin sehr glücklich und auch zufrieden, aber wie immer im Fussball geht es weiter. Was man erreicht oder gewonnen hat, reicht nicht mehr aus. Man fragt sich, was man als nächstes gewinnen könnte. Was kann ich jetzt noch erreichen? Darum kämpfe ich nun. Die Auszeichnung zu Afrikas Fussballer des Jahres 2008 ist Vergangenheit. Jeder weiß, dass Emmanuel Adebayor sie geholt hat. Werde ich es wieder schaffen? Ich weiß es nicht. Ich muss einfach 100 Prozent geben und weiterhin auf dem Platz und auch außerhalb meinen Spaß haben.
Sie haben die Auszeichnung Ihrer Mutter gewidmet. Welche Rolle hat sie gespielt, um Sie zu dem Spieler und Menschen zu machen, der Sie jetzt sind?
Ich glaube, dass mein Erfolg in Nigeria im letzten Monat meine Mutter sehr glücklich gemacht hat. Sie hat das wirklich zu schätzen gewusst. Ich glaube, sie war eine der stolzesten Mütter auf der ganzen Welt. Man konnte es an ihrem Gesicht ablesen! Für mich war es sehr wichtig, ihr diese Auszeichnung zu geben. Sie hat mir das alles erst ermöglicht. Sie hat immer gesagt, dass ich an mich glauben soll, dass ich das tun soll, was ich jetzt mache. Ich möchte auch dieses Gespräch nutzen, um ihr zu zeigen, dass die Trophäe für sie ist.
Im Sommer wurde viel über Ihre Zukunft spekuliert. Sind Sie froh darüber, dass Sie bei Arsenal geblieben sind?
Ich bin sehr glücklich darüber. Ich bereue nichts. Gegenwärtig macht der Verein eine schwierige Phase durch, denn wir haben nicht gerade viele Spiele in der Liga gewonnen. Dennoch bin ich sehr froh darüber, bei Arsenal zu spielen. Es war mein Wunsch, bei Arsenal zu bleiben. Das zeige ich allen und gebe es jedem zu verstehen.
Arsène Wenger erklärte kürzlich, dass Manchester United im Titelrennen nicht mehr einzuholen sei. Sind Sie sehr enttäuscht darüber, dass Sie ihnen das Leben nicht schwerer machen können?
Ja, natürlich. Was wir in der letzten Saison gezeigt haben, war einfach unglaublich. Es war wirklich sehr gut. In der vergangenen Saison haben wir tollen Fussball gespielt und viel Spaß gehabt, aber in dieser Spielzeit hätten wir mehr zeigen sollen. Bislang ist alles schief gegangen. Wir müssen uns nur auf unseren Job konzentrieren und versuchen, den vierten Platz zu erreichen. Das ist ganz wichtig für den Verein und die Fans, denn Arsenal muss auch in der nächsten Saison in der Champions League spielen. Wir wissen also, was wir tun müssen.
Woran fehlt es bei Arsenal gegenwärtig?
Viele unserer Spieler waren verletzt. So ist beispielsweise Eduardo mehrere Monate ausgefallen, Tomas Rosicky fast ein ganzes Jahr, Theo Walcott drei oder vier Monate, Cesc Fabregás nahezu sechs Monate, und ich selbst war zwei oder drei Wochen verletzt. Ich glaube, dass Manchester United sich auch anders präsentieren würde, wenn Ronaldo, Rooney, Giggs, Berbatov und Nani ausfallen würden. Sie würden sicherlich nicht jedes Spiel gewinnen. Wenn all unsere Spieler wieder an Bord sind, können wir noch einiges erreichen.
Robin van Persie scheint in dieser Saison immer wichtiger für den Verein zu werden. Wie ist es, neben ihm zu spielen?
Es macht wirklich Spaß, weil er ein toller Spieler ist. Er schafft Räume und erzielt schöne Tore. Es ist also eine schöne Sache, mit ihm zusammen zu spielen. In der letzten Saison, als er verletzt war, hat er mir gefehlt. Jetzt, wo er verletzungsfrei ist, macht er einen tollen Job.
Wer ist der härteste Verteidiger, gegen den Sie bislang gespielt haben?
Das ist Nemanja Vidic. Er ist ein sehr guter Spieler. Er weiß, wie man gegen Mittelstürmer spielen muss. Er ist physisch sehr stark und würde sein Leben für Manchester United geben. Für mich ist er einer der härtesten Verteidiger in der Liga und in dieser Saison bislang der beste Spieler in der Premier League. Er hat auch viele wichtige Tore für den Verein erzielt und sehr viele verhindert!
Sprechen wir über Togo. Wie wichtig ist es für Sie und Ihr Land, sich für die WM-Endrunde zu qualifizieren, vor allem, weil es die erste Weltmeisterschaft in Afrika ist?
Als wir 2006 in Deutschland dabei waren, wurde für das ganze Land ein Traum wahr. Das möchten wir wieder erleben. Wir sind alle sehr motiviert. Wir Spieler müssen alles geben, denn die Qualifikation ist sehr hart. In unserer Gruppe bekommen wir es mit Kamerun, Gabun und Marokko zu tun. Wir werden sehen, was wir da erreichen können. Wir möchten uns auf jeden Fall für den Afrikanischen Nationen-Pokal qualifizieren, aber wenn wir die Qualifikation für die WM 2010 schaffen, die in Afrika ausgerichtet wird, dann wäre das das Schönste, was ich bislang erlebt hätte.
Hat Ihr Team die Enttäuschung der verpassten Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal 2008 verkraftet?
Ja. Ich habe mit einigen meiner Mannschaftskameraden gesprochen und merke, wie sehr sie sich für die nächste Endrunde qualifizieren möchten. Ich habe sie reden hören und weiß nun, wie motiviert sie sind. Das ist schon einmal ein gutes Zeichen!
Viele glauben, dass 2010 das Jahr sein könnte, in dem einem afrikanischen Team bei der WM der große Wurf gelingt. Wie sehen Sie das, und welches afrikanische Land ist für diese Herausforderung am besten gerüstet?
Ich hoffe, dass das der Fall sein wird. In Afrika gibt es viele starke Mannschaften wie die der Elfenbeinküste mit Drogba, Zokora, Toure, Eboue, Kamerun mit Eto'o und den Songs, Nigeria mit Kanu, Yakubu, Yobo, Anichebe, und nicht zuletzt Ghana und Togo. Wir haben also viele Länder, die gut abschneiden können. Am Wichtigsten ist, dass wir endlich den großen Wurf landen. Ich weiß nicht, ob das 2010 der Fall sein wird, aber wir hoffen alle, dass es dann passiert. Ich hoffe sehr, dass die WM 2010 das Beste sein wird, was unserem Kontinent passieren konnte.
Welches Ziel haben Sie sonst noch im Fussball?
Ich möchte mit Arsenal die Premier League gewinnen.

