Titan Oliver Kahn will nicht der starke Mann auf Schalke werden - der Krisenklub muss seine Suche nach Führungsfiguren an allen Fronten ausweiten. Nach der Trennung von Fred Rutten fahnden die Königsblauen nicht nur weiter nach einem neuen Manager und einem Trainer für die Zukunft, sondern auch nach einem Interimscoach bis zum Saisonende.
Nach "kicker"-Informationen wollte Wunschkandidat Kahn den Schalkern, mit denen er in der vergangenen Woche verhandelt hatte, noch am Freitag einen Korb geben und auf die Übernahme des vakanten Managerpostens verzichten. Die bisherigen Trainer-Assistenten Mike Büskens und Youri Mulder, die vorübergehend die Mannschaft betreuen, werden nicht zum Chefcoach-Duo befördert.
"Die beiden gehörten zum Team von Fred Rutten. Daher sehen wir es als die bessere Lösung an, einen Trainer von außen dazuzuholen", sagte Präsident Josef Schnusenberg am Freitag. Der neue Chefcoach, der dem am Donnerstagabend beurlaubten Rutten folgen soll, bleibt nur für zwei Monate im Amt. "Es kann nur eine Lösung für neun Spiele sein", sagte Schnusenberg: "Der Trainer, der die Mannschaft für die Zukunft aufbauen soll, muss vom neuen Manager ausgesucht werden."
Holzhäuser dementiert Völler-Kontakt
Den Nachfolger für den am 9. März beurlaubten Manager Andreas Müller sucht derzeit der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies. Als neuer Name im Kandidatenkarussell tauchte Rudi Völler auf. Bayer Leverkusen dementierte jedoch umgehend, dass es Kontakte zwischen dem ehemaligen DFB-Teamchef und den Königsblauen gegeben habe. "Ich habe mit Rudi Völler gesprochen. Er hat nicht mit Tönnies geredet. Damit ist das Thema für mich erledigt", sagte Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Bayer-Geschäftsführung, dem "sid".
Tönnies hatte den Bayer-Sportchef selbst genannt. "Rudi passt. Zu 100 Prozent", sagte der Schalker Aufsichtsratschef der "Westfälischen Rundschau" und dem "Kölner Express".
Abgesagt hatten zuvor bereits Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen, Wolfsburgs Trainer-Manager Felix Magath und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Schalkes Ex-Trainer Huub Stevens, der sich selbst ins Gespräch gebracht hatte, wartete vergeblich auf eine Anfrage und erklärte schließlich, dass er nun andere Angebote sondieren werde.
Übrig blieb Ex-Nationaltorhüter Kahn, mit dem Tönnies in der vergangenen Woche verhandelt hatte. Der 39-Jährige erbat sich danach weitere Bedenkzeit - sie lief am Freitag offenbar ab. Deshalb konnte Tönnies seinen Zeitplan, noch in dieser Woche einen neuen Manager zu präsentieren, nicht einhalten. Schnusenberg kündigte zudem am Freitag an, sein Amt als Vereinsvorsitzender im Sommer 2010 niederzulegen, wenn sein Vertrag ausläuft. "Dann bin ich 69. Dann wird es langsam Zeit, mich um andere schöne Dinge des Lebens außerhalb von Schalke zu kümmern", sagte der Präsident, ließ sich allerdings ein Hintertürchen offen: "Falls man mich noch brauchen sollte, könnten wir darüber reden." Schnusenberg ist seit 1994 im Schalker Vorstand und seit 2007 Vorsitzender.
Veh einer der Trainerkandidaten
Als Kandidat für den Trainerposten in der neuen Saison gilt der Ex-Stuttgarter Armin Veh. Der 48-Jährige war im vergangenen November vom VfB beurlaubt worden und wäre sogar sofort verfügbar. "Ich habe immer gesagt, dass ich gerne wieder was mache, wenn ein interessantes Angebot kommt", sagte Veh dem "sid", wollte sich aber "an überhaupt keinen Spekulationen beteiligen, egal um welchen Verein es sich handelt".
Die Trennung von Trainer Rutten, der zu Saisonbeginn mit hohen Erwartungen verpflichtet worden war, zog sich über drei Tage hin. Bereits am Dienstag beschlossen Schnusenberg und sein Vorstandskollege Peter Peters, sich zum Saisonende von dem Niederländer zu trennen. Dies teilte Peters Rutten am selben Tag mit.
Am Mittwochabend entschied der Vorstand dann, sofort die Reißleine zu ziehen. Am Donnerstagmittag überbrachte Schnusenberg Rutten diese Nachricht. Der Niederländer hatte bereits zuvor ausgeplaudert, dass er in der nächsten Saison nicht mehr Trainer sein werde. Erst am Abend gab der Klub die sofortige Trennung offiziell bekannt.
