Srna: "Wir glauben an unsere Stärken"
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Darijo Srna gilt sowohl in seiner Heimat Kroatien als auch in der Ukraine als eines der größten Fussball-Idole überhaupt. Der Kapitän der Kockasti absolvierte jüngst sein 100. Länderspiel für den WM-Teilnehmer von 2006 und steht mit seinem Verein Shakhtar Donetsk, bei dem er ebenfalls als Spielführer fungiert, im Achtelfinale der UEFA Champions League.

Vor dem Rückspiel am Dienstagabend bei Borussia Dortmund (das Hinspiel endete 2:2) und vor dem Duell in der WM-Qualifikation gegen Serbien sprach FIFA.com im Interview der Woche exklusiv mit dem Defensiv-Allrounder über das Duell in der Königsklasse gegen den deutschen Meister, den schweren Weg nach Brasilien zum globalen Kräftemessen und die Bedeutung seiner Familie im Hinblick auf seine erfolgreiche Karriere.

Wir haben die Meisterschaft und den UEFA-Pokal geholt, nun wollen wir die Champions League gewinnen.
Darijo Srna

Darijo, seit 2003 spielen Sie nun bereits in der Ukraine bei Shakhtar Donetsk. Sie scheinen sich dort richtig wohl zu fühlen...
Donetsk ist meine zweite Heimat und die Ukraine mein zweites Vaterland. Ich bin mit Shakhtar groß geworden und habe mit dem Klub tolle Erfolge auf nationaler und internationaler Bühne gefeiert. Meine Familie und ich sind hier sehr glücklich, und es macht mich sehr stolz, dass ich mittlerweile Kapitän dieser Mannschaft bin. Ich möchte meine Karriere in der Ukraine beenden. Danach würde ich sehr gerne meinem Heimatverein Hajduk Split etwas von dem zurückgeben, was er mir als junger Spieler mit auf den Weg gegeben hat.

Sie haben bereits die große Titelsammlung mit Shakhtar angesprochen. Sind Titel Ihr Antrieb?
Für jeden Spieler sind Titel das größte Ziel. Wir haben die Meisterschaft und den UEFA-Pokal geholt, nun wollen wir die Champions League gewinnen. Unsere Fans stecken all ihre Liebe und mehr in diesen Verein, und es ist an uns, ihnen etwas zurückzugeben. Shakhtar ist das Symbol dieser Stadt und der Region, das merken wir bei jedem Heimspiel, wenn uns mehr als 40.000 Fans nach vorne peitschen.

Der Titel in der Champions League führt erst einmal über Borussia Dortmund, gegen das Sie im Hinspiel des Achtelfinales 2:2 gespielt haben. Wie bewerten Sie die Partie?
Borussia Dortmund verfügt über eines der besten Teams in ganz Europa. Für uns war das Hinspiel die erste offizielle Partie des Jahres, zuvor haben wir nur Freundschaftsspiele bestritten. Das war nicht einfach. Dortmund hat außergewöhnliche Spieler in seinen Reihen und hat unsere einzigen beiden Fehler eiskalt ausgenutzt.

In wenigen Tagen findet das entscheidende Rückspiel beim BVB statt. Welche Erwartungen hegen Sie vor der Begegnung?
Auswärts bei der Borussia müssen wir noch besser spielen, um die Chancen auf das Viertelfinale zu wahren. Es wird eine fantastische Begegnung vor einer außergewöhnlichen Kulisse. Das Stadion wird ausverkauft sein, aber für uns ist es nicht das erste Mal, dass wir gegen eine Mannschaft spielen, die so viele Fans im Rücken hat. Dortmund ist der Favorit, aber unsere Chancen schätze ich bei 40 Prozent ein. Wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen und alles geben, da wir an unsere Stärken glauben.

Als Kapitän der Mannschaft nehmen Sie gerade in solchen Partien eine ganz besondere Position ein. Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als Spielführer?
In Donetsk sind wir eine große Familie. Als Kapitän habe ich natürlich ein offenes Ohr für jeden Mitspieler und helfe vor allem den jungen Akteuren bei der Eingewöhnung. Aber das fällt uns allen sehr leicht, da wir sowohl auf als auch abseits des Platzes oft zusammen sind.

Auch in der Nationalmannschaft Kroatiens sind Sie Kapitän und somit ein Führungsspieler. Inwiefern helfen Ihnen die Erfahrungen aus dem Klub dabei, diese Rolle auszufüllen?
Meinem Vereinstrainer Mircea Lucescu habe ich es zu verdanken, dass ich auch Kroatiens Kapitän bin. Er hat mir im Verein die Chance gegeben, mich in dieser Rolle zu beweisen. Er hat an meine Fähigkeiten geglaubt, als er mich zum Spielführer machte. Erst so konnte ich auch in den Genuss kommen, dieses Amt für Kroatien auszuüben. Mich macht es sehr stolz, mein Heimatland, eine der besten Fussballnationen weltweit, zu repräsentieren.

Jüngst haben Sie Ihr 100. Länderspiel für Ihr Heimatland bestritten - ein echter Meilenstein. Wie stolz sind Sie, es soweit gebracht zu haben?
Ich versuche, Kroatien mit meinen Leistungen zu helfen. Ich fühle mich momentan fantastisch und noch lange nicht zu alt für die Nationalmannschaft. Ich bin sehr dankbar für all das, was ich in meinem Leben erreicht habe. Ohne meine Familie, die mich immer unterstützt hat, wäre das nicht möglich gewesen. Ich habe immer gekämpft und nie aufgegeben. Mein Blick geht auch jetzt nach vorne. Ich sehe all dem, was kommt, positiv entgegen. Diese Mentalität habe ich meinem engsten Umfeld zu verdanken, die immer für mich da waren.

Als Kroatien 1998 WM-Dritter in Frankreich wurde, waren Sie gerade einmal 16 Jahre alt. Seitdem konnte Ihr Heimatland nicht mehr daran anknüpfen. Wo liegen die Gründe für den ausbleibenden Erfolg?
Das Team von 1998 war eine große Generation mit außergewöhnlichen Spielern. Der dritte Platz bei der WM in Frankreich war ein tolles Resultat für ein kleines Land wie unseres. Danach hat uns des Öfteren das Quäntchen Glück gefehlt, um den großen Wurf zu schaffen. Zum Beispiel im Viertelfinale der EM 2008, als wir ganz knapp der Türkei unterlagen. Mein Glaube an unser Team ist jedoch ungebrochen, da wir auch jetzt über sehr gute Spieler verfügen.

Die letzte FIFA WM™ in Südafrika haben Sie mit Kroatien verpasst. Welche Erinnerungen haben Sie an die verpatzte Qualifikation?
Das Verpassen der WM 2010 war für mich die größte Enttäuschung in meiner Nationalmannschaftskarriere. Wir hatten einfach nicht das nötige Glück auf unserer Seite. Mannschaft und Trainer waren fantastisch, aber so ist nun mal der Fussball. Wir müssen nun nach vorne schauen und die Fehler aus der Vergangenheit nicht noch einmal begehen.

Dies scheint zu gelingen. Der Start in die Qualifikation für die FIFA WM 2014™ in Brasilien ist gelungen. Wie bewerten Sie den momentan zweiten Platz in der Europa-Gruppe A?
Wir haben eine ganz schwere Gruppe auf dem Weg nach Brasilien erwischt. Trotzdem wollen wir nach den ersten Partien jetzt das direkte WM-Ticket. Dazu müssen wir Platz eins erreichen. Das wird zwar schwierig, ist aber nicht unmöglich. Belgien hat ein fantastisches Team - in meinen Augen die beste Mannschaft in der Geschichte des Landes - und dazu einen sehr guten Trainer. Trotzdem haben wir uns in Brüssel teuer verkauft und ein gutes Spiel gezeigt, das mit einem Punkt belohnt wurde.

Am 22. März kommt es zum Duell gegen Serbien, das bereits sechs Punkte Rückstand auf Sie hat. Eine Vorentscheidung im Hinblick auf die ersten beiden Plätze ist bereits möglich...
Die Partie gegen Serbien hat eine entscheidende Bedeutung, denn falls wir gewinnen sollten, haben wir zu 80 Prozent den zweiten Platz in der Gruppe sicher. Serbien hingegen wäre aus dem Rennen. Ich möchte jedoch betonen, dass die Geschichte zwischen unseren beiden Ländern trotz aller Rivalität nichts auf dem Platz verloren hat. Wir spielen Fussball. Die Vergangenheit kann niemand von uns ändern, aber wir können die Gegenwart beeinflussen. Wir müssen als gutes Beispiel voran gehen und gemeinsam ein großes Spiel ohne Skandale zeigen. Unser Gegner verfügt über ein gutes Team, vor dem ich großen Respekt habe.

Brasilien 2014 wäre nach Deutschland 2006 Ihre zweite WM. Was würde es Ihnen persönlich bedeuten, beim globalen Kräftemessen am Zuckerhut dabei zu sein?
Die Qualifikation für Brasilien 2014 wäre natürlich fantastisch, aber auch wenn wir uns nicht das WM-Ticket sichern sollten, werde ich bei dieser WM dabei sein. Mein Teamkollege Eduardo, der brasilianische Wurzeln hat, hat mich bereits eingeladen, ihn dann zu besuchen.

Familie und Freunde scheinen Ihnen sehr wichtig zu sein. Ein Tattoo mit dem Namen Ihres Bruders ziert Ihre Brust. Was bedeuten Ihnen Ihre Liebsten?
Mein Bruder Igor und mich verbindet eine ganz spezielle Beziehung. Er freut sich sehr über meinen Erfolg, und ich bin glücklich, dass ich ihm und meiner Familie helfen kann. Meine Familie ist für mich das Wichtigste auf der Welt, vor allem meine Tochter und meine Ehefrau. Ich bin glücklich, sagen zu können, dass ich abends mit einem Lächeln einschlafe und morgens mit einem Lächeln aufwache.

Sie engagieren sich in der Ukraine auch sozial, laden Waisenkinder zu den Spielen von Shakhtar ein. Was steckt hinter Ihrer sozialen Ader?
Ich spreche in der Öffentlichkeit nicht gerne über mein soziales Engagement. Lassen Sie mich nur soviel dazu sagen: Für mich ist es unglaublich, dass es Kinder auf dieser Welt gibt, die ohne Eltern aufwachsen müssen. Ich möchte ihnen einfach ein wenig helfen. So hat mich das meine Familie gelehrt.