
In einer Fussballwelt, die immer schnelllebiger wird, hat Gerardo Pelusso die Geduld zu einer Tugend gemacht. Der uruguayische Coach ist inzwischen 58 Jahre alt und hat es mit harter Arbeit und Bescheidenheit endlich geschafft, seinen großen Traum zu verwirklichen.
Nach über zwei Jahrzehnten hat er das Traineramt bei einer A-Nationalmannschaft übernommen. Er ist für die Auswahl Paraguays zuständig, ein Land, das er von seiner Tätigkeit beim Spitzenklub Olimpia bestens kennt und dem er in der WM-Qualifikation nach einem missglückten Start auf die Sprünge helfen soll.
"Es tut mir leid, dass ein anderer Trainer gegangen ist, weil ich an langfristige Prozesse glaube. Aber das ging alles ganz schnell, ich habe das Angebot bekommen und wir sind bereit, unser Bestes zu geben", erklärt er im Gespräch mit FIFA.com.
Er bezieht sich dabei natürlich auf Francisco Arce, der sein Amt aufgab, als sich das Team in der Qualifikation nach fünf Spieltagen auf dem vorletzten Platz befand. Die Bilanz waren ein Sieg, ein Unentschieden und drei Niederlagen.
"Kein Fussballfan in Südamerika konnte sich Paraguay am Ende der Tabelle vorstellen, schon gar nicht nach der letzten Qualifikation, dem Auftritt in Südafrika und dem zweiten Platz bei der Copa América", so Pelusso, der einen beeindruckenden Werdegang vorzuweisen hat. Seit er die Fussballschuhe an den Nagel gehängt hat, war er bereits erfolgreich in Ecuador, Uruguay, Chile und Peru als Trainer tätig.
Später übernahm er dann das Traineramt bei Olimpia Asunción, dem er nach elf Jahren zum ersten paraguayischen Meistertitel verhalf. "Wir haben uns in Paraguay vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt. Das Land ist Uruguay sehr ähnlich, und zwar nicht nur in fussballerischer Hinsicht. Auch kulturell gibt es viele Parallelen. Wir können uns hier mit allem identifizieren", so der Trainer, der Asunción als den Ort bezeichnet, der seiner Heimatstadt Florida ähnlicher ist, als jede andere Stadt, die er in seinem Leben gesehen hat.
Pelusso, der sein Debüt bei einem spannenden Freundschaftsspiel gegen Guatemala feierte, das mit einem 3:3-Unentschieden endete, weiß durchaus, dass sein neues Amt kein Zuckerschlecken werden wird. Schließlich verbringt man als Nationaltrainer weniger Zeit mit den Spielern, muss sich mit kurzen Trainingslagern begnügen und trotzdem entscheidende Spiele bestreiten.
"Bildlich würde ich es mal so darstellen: Einer meiner Spieler schlägt in England die Flanke und der andere nimmt sie in Mexiko per Kopf an", erklärt er lachend. Gleichzeitig stellt er jedoch klar: "Jammern ist jetzt nicht angesagt. So ist die Situation nun einmal. Jetzt müssen wir arbeiten und uns ordentlich ins Zeug legen."
Viel Arbeitseinsatz wird sicherlich erforderlich sein, denn das erste Pflichtspiel des Trainers wird keine leichte Aufgabe: Am 7. September muss Paraguay in Buenos Aires gegen die selbstbewussten Argentinier antreten, die zuletzt fünf Siege in Folge verbuchen konnten.
"Das ist einer der schwierigsten Gegner der Qualifikation, allerdings haben die Argentinier sich in letzter Zeit gegen Paraguay schwer getan. Wir werden versuchen, diese Tendenz fortzusetzen, denn obwohl vieles gegen uns spricht, haben wir doch einen Pluspunkt: Niemand weiß, wie diese paraguayische Mannschaft spielen wird. Das ist mein Ass im Ärmel, das ich jetzt ausspielen muss", meint er.
Zu Lionel Messi äußert er sich folgendermaßen: "Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich das sage: Der gesamte Planet hat versucht, ihn zu neutralisieren, und niemandem ist es gelungen."
Anschließend kommt der ehemalige Innenverteidiger, der zu seiner aktiven Zeit auch für die Celeste spielte, allerdings gleich auf sein zweites Pflichtspiel zu sprechen. Am 11. September muss er mit Paraguay gegen Venezuela antreten. "Nach heutigem Stand der Dinge haben wir es hier mit einem direkten Konkurrenten um die Qualifikation zu tun. Das wird eine weitere schwierige Partie werden, bei der wir auf dem Posten sein müssen", erklärt er mit fester Stimme.
Gleichzeitig gibt er deutlich zu verstehen, dass er nichts von den bei solchen Anlässen üblichen vollmundigen Aussagen und Versprechungen hält. "Im Vorfeld ist es leicht, die Leute mit Versprechungen zu begeistern, aber das ist nicht meine Art. Was sollte ich den Paraguayern denn sagen? Dass die Mannschaft alles geben wird? Das wissen sie doch schon. Dass sie ins Stadion kommen sollen? Sie kommen doch ohnehin, dazu braucht man sie nicht aufzufordern. Jetzt kommt es nicht auf Worte, sondern auf Taten an. Wir stecken uns hohe Ziele, weil wir wissen, dass wir nur so erreichen, was wir wollen."
Sollte er das große Ziel erreichen, dann ginge für Pelusso gleichzeitig auch ein weiterer persönlicher Traum in Erfüllung: Die Teilnahme an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ und die praktische Anwendung der portugiesischen Sprache, die er früher erlernt hat.
"Hoffentlich gelingt es uns, denn das ist unser Ziel. Aber ich sage es noch einmal: Wir brauchen jetzt keine Worte, sondern Taten. Die paraguayische Nationalmannschaft zu trainieren, das ist, als würde man die Flagge des Landes überreicht bekommen, das geht über eine Fussballmannschaft hinaus. Wir hoffen, das Land standesgemäß vertreten zu können. Dieses Land hat mir und meinen Mitarbeitern alles gegeben. Jetzt ist es an uns, etwas zurückzugeben."







