Ruiz und der einsame Weg zum Ruhm
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Bryan Ruiz, der allgemein als Costa Ricas talentiertester Export gilt, hat es zurzeit nicht immer leicht. Der samtfüßige Spielmacher, der zurzeit für den Londoner Klub FC Fulham aktiv ist, befindet sich auf dem steinigen Weg zum Starruhm.

"Es war ein harter Wechsel in die englische Premier League, der besten Liga der Welt mit den besten Spielern der Welt", sagte der 26-jährige Ruiz vergangenen April zu FIFA.com, einen Tag, bevor ein Fußbruch seine erste Saison in der rauen englischen Meisterschaft vorzeitig beendete.

La Comadreja, das Wiesel, wie er aufgrund seiner flinken Dribblings und verwirrenden Spielweise genannt wurde, ist noch nicht endgültig in der körperbetonten und gnadenlos schnellen Welt des englischen Fussballs angekommen. Trotz seines überbordenden Talents und seiner Kreativität wirkte er im Craven Cottage bisweilen wie eine zertrampelte Blume. "Ich mag es, den Ball zu haben, ich kombiniere gerne mit anderen Spielern. Ich bin nicht gierig – wenn ich einen Spieler sehe, der besser postiert ist als ich, gebe ich ihm den Ball", beschrieb der schmale Costa-Ricaner seinen Stil. Der Spielmacher fühlt sich dabei auf beiden Flügeln oder direkt hinter einem Stürmer heimisch. 

Ruiz wuchs in einem Armenviertel der costa-ricanischen Hauptstadt San Jose auf, sein Vater hatte die Familie verlassen, als er noch ein Kind war. Der Fussball wurde zu einer Fluchtmöglichkeit, und schon seine frühen Anfänge waren vielversprechend.

Mit LD Alajuelense, dem Klub seiner Heimatstadt, gewann er 2005 die heimische Meisterschaft und den CONCACAF Champions Cup. Im selben Jahr wurde er erstmalig ins Nationalteam berufen. Doch obwohl der damals 18-jährige Ruiz als die nächste große Zukunftshoffnung Mittelamerikas galt, wurde er für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ nicht berücksichtigt. "Ein sehr schwerer Moment für mich", sagte er leise zu dieser Enttäuschung. "Ein richtiger Schock."

Der lange und einsame Weg
Doch als sich diese Tür schloss, öffnete sich später in jenem Jahr eine andere. Er erhielt ein Vertragsangebot von KAA Gent in Belgien, weit weg von der Heimat. "Ich wusste nichts über den Klub", gestand Ruiz lachend. "Aber ich habe dort eine Menge gelernt." Wenige Costa-Ricaner waren bis dahin ins Ausland gegangen, und Ruiz war ein einsamer Wegbereiter. Doch in kürzester Zeit avancierte er in Gent zum Topscorer, Kapitän und Publikumsliebling.

Seine nächste Station war die höchste niederländische Spielklasse beim FC Twente in Enschede. "Das war definitiv der Höhepunkt meiner Karriere", so Ruiz. In seiner ersten Spielzeit 2010 war er mit 24 Treffern bester Angreifer seines Teams, das er zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte führte. "Es bedeutete den Fans alles. Sie zeigten mir so viel Anerkennung, und jeder wusste, wer ich bin."

Im folgenden Jahr musste Twente in der Liga Ajax Amsterdam den Vortritt lassen, und Ruiz machte auch persönlich eine schwere Zeit durch. Zum Gefühlschaos durch die Scheidung von seiner Frau kam zudem seine erste schwere Verletzung hinzu, die sein Knie schwer in Mitleidenschaft zog. Doch sein offensichtliches Können reichte aus, um sich einen Wechsel nach England zu verdienen. "Ich weiß, dass dies nicht mein bestes Jahr war", so der selbstkritische Ruiz zu seiner bisherigen Zeit in London. "Doch die Fans hier in Fulham waren großartig zu mir, und für nächste Saison verspreche ich ihnen mehr."

Die Klub-Anhänger waren indes nicht die einzigen, die ihn mit offenen Armen empfingen. "Ich hatte [Clint] Dempsey nie zuvor getroffen, obwohl sich unsere Nationalteams einige Male gegenüber standen", erzählte Ruiz über den amerikanischen Nationalspieler und Topscorer in Fulham. "Er [Dempsey] kam gleich zu mir und stellte sich vor, sprach dabei sogar etwas gebrochenes Spanisch, damit ich mich wie zu Hause fühlte. Er ist ein netter Kerl."

Blindes Verständnis
Das CONCACAF-Duo schien sich auf Anhieb blind zu verstehen. Die besten Momente des Costa-Ricaners in Fulham waren seine maßgeschneiderten Vorlagen für Dempsey, der in der vergangenen Spielzeit 23 Tore erzielte. "Wir finden einander oft", erklärte Ruiz. Und nachdem er im FA Cup in einer Partie alle drei Tore Dempseys vorbereitet hatte, zog ihn der Stürmer zu den Fans, damit sie auch ihn feierten. 

Die zwei Akteure werden möglicherweise in der letzten Runde der Qualifikation für die kommende FIFA Fussball-Weltmeisterschaft aufeinandertreffen. Costa Rica erwischte trotz des Fehlens des verletzten Ruiz einen guten Start in die dritte Qualifikationsrunde und holte in den ersten zwei Partien vier Punkte. Nun stehen mit dem wiedergenesenen Ruiz Anfang September zwei Duelle mit dem regionalen Favoriten Mexiko auf dem Programm. "Wir haben eine schwere Gruppe erwischt, und Mexiko hat alles", so Ruiz. Er räumte ein, dass er nach der Nichtberücksichtigung 2006 und dem verpassten Turnier 2010 fast schon verzweifelt darauf hofft, die WM 2014 zu erreichen.

Ruiz war 15 Jahre alt und unternahm gerade seine ersten Schritte in der weiten Fussballwelt, als Costa Rica in der Qualifikation 2001 als erstes Team überhaupt die übermächtigen Mexikaner in ihrer eigenen Festung im Azteken-Stadion bezwang. "Wir spielen einen guten Fussball", urteilte er über die aktuelle Nationalmannschaft und verwies auch auf den aufstrebenden Joel Campbell, der seinem Beispiel folgte und in England beim FC Arsenal nun als Zukunftshoffnung gilt.

"Wir dürfen uns nicht auf das Negative konzentrieren, dass wir letztes Mal gescheitert sind", sagte er mit der Überzeugung eines Mannes, der es gewohnt ist, sich widrigen Umständen zu stellen. "Wir müssen es einfach nach Brasilien schaffen."