Zico: "Wir können uns qualifizieren"
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Nach einer fast acht Jahre währenden Durststrecke, in der sie es nicht vermochten, die letzte Runde der WM-Qualifikation der Asien-Zone zu erreichen, sprühen die Iraker in der laufenden Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ förmlich vor Tatendrang. Inzwischen ist der Asien-Meister von 2007 fest entschlossen, wieder ganz oben mitzumischen. Und um dies in die Tat umzusetzen, bedurfte eines Mannes, den ihnen scheinbar der Himmel schickte.

Die Rede ist von Arthur Antunes Coimbra, besser bekannt als Zico. Der brasilianische Ex-Star und heutige Trainer ist seit Jahren in Asien unterwegs und betreute dort unter anderem die japanische Nationalmannschaft, mit der er 2004 den AFC Asien-Pokal gewann und anschließend die Qualifikation für die FIFA Fussball-WM Deutschland 2006™ perfekt machte. Seit 2011 ist Zico als irakischer Nationaltrainer tätig. Sein Debüt war vielversprechend und weckte bei den Irakern neue Hoffnungen. Unter seiner Leitung erreichte die irakische Nationalmannschaft die vierte und letzte Runde der WM-Qualifikation für Brasilien 2014. Wenige Wochen vor dem letzten Spieltag der dritten Qualifikationsrunde, der am 29. Februar über die Bühne geht, sprach Zico im Exklusiv-Interview mit FIFA.com über seine bisherige Zeit mit dem irakischen Nationalteam, wobei er sich auch einige Prognosen hinsichtlich dessen, was noch kommen könnte, entlocken ließ.

Weg mit Hindernissen
Zico wurde erst ein paar Tage vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel Iraks in Irbil zum neuen Auswahltrainer berufen. Mit der Partie gegen Jordanien, das vom Iraker Adnan Hamed trainiert wird, feierten die Löwen von Mesopotamien – so der Spitzname der irakischen Nationalspieler – nach langen Jahren des unfreiwilligen Exils ihre Rückkehr auf heimisches Territorium. Trotz der damit verbundenen Freude und Erleichterung verlor Irak am Ende mit 0:2. Die nicht ganz unerwartete Niederlage kam einer ersten Enttäuschung gleich und hätte die Chancen der Mannschaft und ihres neuen Trainers auf das Erreichen der vierten Qualifikationsrunde ernsthaft in Frage stellen können.

Doch dann kam alles ganz anders. Offenbar hatte Zico nur ein bisschen mehr Zeit gebraucht, um sein Team taktisch neu einzustellen und es zu einem geschlossenen Kollektiv zu formen. Nachdem dies gelungen war, präsentierten sich die Iraker wesentlich durchschlagkräftiger und fuhren nicht weniger als vier Siege in Folge ein – zunächst gegen Singapur sowie zwei Mal gegen die VR China, bevor sie sich am fünften Spieltag in Amman gegen Jordanien erfolgreich für die zuvor erlittene Heimniederlage revanchierten. Dazu Zico: "Am Anfang hatten wir nicht genügend Zeit, um uns richtig vorzubereiten. Danach hat sich das Ganze rasch eingepegelt, so dass wir uns deutlich verbessern konnten, wobei wir uns auf jedes einzelne Spiel speziell vorbereitet haben. Das hat sich ausgezahlt, denn in der Folge haben wir sämtliche Gruppengegner geschlagen und damit unsere Auftaktniederlage gegen Jordanien vergessen gemacht. Mit dem Auswärtssieg in Amman haben wir uns den Einzug in die letzte Qualifikationsrunde gesichert. Jetzt hoffen wir, die dritte Runde als Gruppenerster abschließen zu können. Nachdem wir mit einer Niederlage gestartet waren, hatten viele bereits an uns gezweifelt. Wir dagegen haben weiter an unsere Möglichkeiten geglaubt und unsere Mission erfüllt."

Eine neue Vorbereitung
"Irak steht bereits sicher in der letzten Qualifikationsrunde, die wir jetzt in aller Ruhe angehen können", so Zico weiter. "Der Anfang war schwierig. Als wir die ersten Trainingseinheiten absolvierten, fehlten nur noch wenige Tage bis zu den wichtigen Qualifikationsspielen. Seit unser Weiterkommen feststeht, haben wir viel mehr Zeit zur Verfügung, so dass wir uns sechs Monate lang auf die vierte Qualifikationsrunde vorbereiten können. Ab sofort haben wir jeden Monat ein Länderspiel zu bestreiten. Die dazwischen liegenden Pausen nutzen wir für die Beobachtung der Nationalspieler in ihren Klubs und für die Auswahl neuer Spieler. Beim Länderspiel in Katar haben wir vier neue und talentierte Spieler in die Mannschaft eingebaut. Das Wichtigste ist, dass die Nationalspieler auf den Tag genau fit sind. Ich möchte, dass meine Spieler davon überzeugt sind, dass sie das WM-Ticket durchaus verdienen."

Keine Favoriten
Unterdessen rückt die Finalrunde der Asien-Qualifikation immer näher. Vor dem sechsten und letzten Spieltag der dritten Runde sind nur noch vier Plätze für die abschließende Qualifikationsrunde zu vergeben. FIFA.com hat Zico nach den Chancen seiner Mannschaft im weiteren Verlauf der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 sowie nach seinen Favoriten in der Asien-Zone gefragt. Die Antwort des früheren Spielmachern folgte prompt: "Australien, Japan und die Republik Korea (falls sie sich für die nächste Runde qualifiziert) sind stets favorisiert, zumal diese Mannschaften alle bei der letzten FIFA WM dabei waren. Außerdem würde ich dazu auch noch Iran zählen. Andererseits muss man sagen, dass die Ergebnisse dieser WM-Qualifikation die Prognosen teilweise auf den Kopf gestellt haben. So unterlagen die Japaner der DVR Korea, Australien verlor gegen Oman und die Republik Korea gegen Libanon. Wer am Ende die Nase vorn haben wird, muss auf dem Platz entschieden werden. Der Weg zur Qualifikation führt einzig und allein über seriöse Arbeit. Nur wer Tore schießt und das eigene Gehäuse erfolgreich verteidigt, wird weiterkommen. In Südamerika hätte sicher niemand gedacht, dass Argentinien gegen so genannte kleine Mannschaften verlieren könnte. Gegen Bolivien und zuletzt gegen Venezuela war dies dann aber doch der Fall. Es ist ein Beweis dafür, dass es im Fussball keine Favoriten mehr gibt, mit Ausnahme vielleicht des FC Barcelona… (lacht).

In der laufenden WM-Qualifikation haben alle Mannschaften gezeigt, wozu sie fähig sind. In meinen Augen wird es in der bevorstehenden Finalrunde keine größeren Überraschungen geben. Ich werde alles daran setzen, Irak bestmöglich darauf vorzubereiten und meinen Spielern zu vermitteln, dass sie in der Lage sind, jeden Gegner zu schlagen. Im Fussball spielen elf gegen elf. Und wenn man gewinnen will, muss man bereit ein, das Letzte aus sich herauszuholen."

Rückkehr in die Heimat
Nach einem solch langen Qualifikationsmarathon das WM-Ticket zu lösen, ist der Traum eines jeden Nationaltrainers. Für Zico war es bereits eine riesige Freude, als er Japan zur Qualifikation für Deutschland 2006 geführt hatte. Man kann sich vorstellen, wie groß erst sein Glück wäre, wenn er bei der kommenden Auflage der FIFA WM in seinem Geburtsland Brasilien mit von der Partie sein könnte. So sehr sich der irakische Nationaltrainer auch bemühte, seinen diesbezüglichen Enthusiasmus zu verbergen, sein Gesichtsausdruck und sein Lächeln sagen alles. Seiner Meinung nach "wollen sich natürlich alle für das weltweit bedeutendste Ereignis im Fussball qualifizieren. Ich war bereits als Spieler und als Trainer dabei, und ich hoffe sehr, dass ich das ein weiteres Mal erleben kann. Ja, Brasilien ist meine Heimat. Aber im Moment bin ich Trainer von Irak, und diese Mannschaft möchte ich auch zur Weltmeisterschaft führen. Ich habe volles Vertrauen in meine Spieler, und ich hoffe, dass unsere Mühen auch belohnt werden."