Routinier Ricketts glaubt an WM-Ticket
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Nachdem die jamaikanische Nationalmannschaft von Trainer Theodore Whitmore in der ersten Runde der Gruppenphase der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 noch spielfrei war und somit nicht ins Geschehen eingreifen konnte, trifft sie in der nächsten Runde auf die USA. Um den Erfolg von 1998 zu wiederholen, als man sich erstmals für eine FIFA WM-Endrunde qualifizieren konnte, muss Jamaika mindestens Gruppenzweiter werden und damit in die abschließende Sechser-Runde einziehen, in der es um die WM-Tickets geht. Nationaltorhüter und Routinier Donovan Ricketts glaubt, dass sein Team die WM-Qualifikation schaffen kann.

"Karibik-Meister zu sein, ist für uns kein außergewöhnlicher Erfolg, sondern gewissermaßen das Mindeste, was man von uns erwarten kann. Und dass wir beim CONCACAF Gold Cup das Viertelfinale erreichen, ist für uns auch schon fast zur Gewohnheit geworden. Die eigentliche Erfüllung wäre die Qualifikation für Brasilien 2014, und es wäre eine riesige Enttäuschung, wenn wir diese Runde nicht überstehen würden." Wenige Monate vor Beginn der dritten Qualifikationsrunde für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ in der CONCACAF-Zone sprach Donovan Ricketts exklusiv mit FIFA.com über die diesbezüglichen Ambitionen des jamaikanischen Nationalteams.

Der erfahrene Torhüter, der gerade erst von Los Angeles Galaxy zu Montreal Impact gewechselt ist, trägt stolz und verantwortungsbewusst die Kapitänsbinde in einer insgesamt verjüngten Mannschaft. Anvertraut wurde ihm diese Führungsrolle, die ihm förmlich auf den Leib geschneidert scheint, durch seinen Trainer und Freund Theodore Whitmore. "Künftig muss ich den Jüngsten im Team noch mehr von meiner Erfahrung vermitteln, denn dadurch kommen sie schneller voran", so der 34 Jahre alte Nationaltorhüter. "Theodore hat es verstanden, den Kreis der Auswahlspieler zu vergrößern, um nicht nur von den im Ausland tätigen Nationalspielern abhängig zu sein. Denn die können manchmal gar nicht zu den Länderspielen anreisen. Unsere jungen Spieler haben inzwischen eine größere Reife erlangt und zeigen sich dem hohen Niveau immer mehr gewachsen", ist sich der frisch gebackene MLS-Champion sicher.

Ein Trainer und Freund
Seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2009 hat es sich der Mittelfeldspieler aus den Glanzzeiten der Reggae Boyz zur zentralen Aufgabe gemacht, eine Mannschaft zu formen, die einmal in die Fußstapfen jener Goldenen Generation treten kann, die bei der FIFA WM 1998 in Frankreich für Furore gesorgt hatte. Den Schlüssel zum Erfolg sieht Whitmore in drei Schwerpunkten, die perfekt auf seine Mannschaft zugeschnitten sind: Talent, taktische Disziplin und Entschlossenheit. Und weil er auf die Jugend setzt, stützt sich Whitmore immer dann, wenn er auf gestandene Stammspieler wie Ricardo Gardner oder Ricardo Fuller verzichten muss, auf eine Gruppe von Spielern, die in der heimischen Liga aktiv sind. Dass sich diese Vorgehensweise auszahlt, zeigte der Triumph beim Karibischen Nationen-Pokal 2010, der Jamaika den bereits fünften Titel in seiner Geschichte bescherte. Ein weiterer Beleg dafür war der Einzug ins Viertelfinale beim CONCACAF Gold Cup 2011.

"Wir spielen und kämpfen immer auch für den Trainer", so Ricketts. "Für ihn zu spielen ist so, als ob wir für einen Freund spielen, also für jemanden, den man mag. Wir wollen nicht, dass er seinen Posten verliert. Denn wir wissen sehr wohl, dass dies der Fall wäre, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Theodore ist für uns eine Art zusätzlicher Motivationsschub", so Ricketts, der vor 13 Jahren in Frankreich als dritter Torhüter dabei gewesen war.

Nachdem er die WM-Qualifikation für Südafrika 2010 als unumstrittener Stammtorhüter bestritt, sieht der frühere Keeper von Bradford City derzeit voller Ungeduld der Revanche für die beim jüngsten CONCACAF Gold Cup erlittene Niederlage gegen die USA – die U.S.-Amerikaner hatten im Viertelfinale nach einer hochklassigen Partie das bessere Ende für sich gehabt – entgegen. "Diese Mannschaft befindet sich seit zehn Jahren im Aufbau. Die Spieler kennen sich gut und setzen die Vorgaben des Trainers zu 100 Prozent um", versichert der aus Montego Bay stammende Nationaltorwart. "Wir haben das Zeug, um diese Qualifikation zu schaffen. Und es ist der richtige Zeitpunkt, um das Vertrauen und die Begeisterung unserer Fans zu rechtfertigen."

Das Volk glücklich machen
"Die Schnelligkeit ist unser wichtigstes Pfund", meint Ricketts. "Da wir eine solide Abwehr haben, können wir, wenn wir als geschlossene und kompakte Mannschaft auftreten, auf Konterangriffe bauen." Und weil der Neuzugang von Montreal Impact schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, macht ihm der zu erwartende Druck auch nicht allzu viel aus. "Der Druck wird enorm sein, zumal die Erwartungen angesichts der jüngsten Resultate entsprechend gestiegen sind. Wir wollen unser Volk glücklich machen. Doch daran dürfen wir jetzt noch nicht denken. Im Moment gilt es erst einmal, sich nur auf die kommenden WM-Qualifikationsspiele zu konzentrieren."

Und in denen geht es außer gegen die USA noch gegen zwei weitere ernsthafte Rivalen: Guatemala sowie Antigua und Barbuda, das überraschend Haiti ausschalten konnte. "Das ist eine gute Mannschaft, das wird schwierig für uns. Guatemala ist noch stärker, demnach sind wir uns der Schwere unserer Aufgabe bewusst", so die Analyse des Routiniers der Reggae Boyz. "Unseren Ehrgeiz lassen wir uns dennoch nicht nehmen."

Mit seinen fast 35 Jahren verfügt Ricketts über genügend Erfahrung, um zu wissen, dass Ehrgeiz die beste Motivation ist.