Toshack als Entwicklungshelfer
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Vor wenigen Wochen erst wurde die walisische Nationalmannschaft als Aufsteiger des Jahres 2011 der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste gekürt. Alle einheimischen Fussball-Fans freuen sich zweifelsohne über die durchaus rosigen Aussichten für die Zukunft.

Alle Fussball-Fans? Ausgerechnet die walisische Fussball-Legende John Toshack dürfte die starken Leistungen der vergangenen Monate mit gemischten Gefühlen verfolgt haben. Natürlich schlägt zum einen sein Herz für sein Heimatland, auf der anderen Seite muss er aber auch auf seine aktuelle Aufgabe schauen.

Als mazedonischer Nationaltrainer trifft Toshack in der Qualifikation zur FIFA WM 2014 ausgerechnet auf Wales. "Das ist schon eine merkwürdige Situation. Aber ich hoffe, dass wir schöne Spiele sehen werden", gibt er im exklusiven FIFA.com-Interview offen zu.

"Eine große Herausforderung"
Seit August 2011 ist der 62-Jährige im Amt. Persönlich sieht er seine Arbeit eher als Entwicklungshilfe. Dennoch: Die ersten Eindrücke nach gut einem halben Jahr sind "positiv". Für ihn sei die Aufgabe nach Stationen unter anderem bei Real Madrid, Beşiktaş Istanbul und auch Wales (1994 sowie zwischen 2004 und 2010) nun beim Weltranglisten-103. etwas vollkommen Neues und sehr interessant. "Es ist eine große Herausforderung, aber die gesamte Infrastruktur hier muss sich verbessern."

Je zwei Siege, Unentschieden und Niederlagen stehen bislang für Toshack mit EJR Mazedonien zu Buche - in der Qualifikation für die UEFA EURO 2012 landete man allerdings in der Gruppe B nur auf Rang fünf (von sechs Teams). Nun gilt die Konzentration den anstehenden Spielen auf dem Weg nach Brasilien 2014. Noch nie hat sich das südosteuropäische Land, das erst seit 1994 FIFA-Mitglied ist, für eine WM qualifizieren können. In vier Anläufen zwischen 1998 und 2010 blieben bislang nur zwei Remis gegen die Niederlande (2006) nachhaltig in Erinnerung.

Mehr als nur ein Außenseiter
Und nun? Kroatien, Serbien, Belgien, Schottland und eben Wales warten ab Herbst 2012 auf Kapitän Goran Pandev und Co. "Es ist auf jeden Fall eine interessante und ausgeglichene Gruppe. Alle könnten es schaffen." Es scheint fast so, als ob sich Toshack keinesfalls nur mit der Außenseiterrolle zufrieden geben will. Stärken seines Teams? "Das versuche ich noch herauszufinden."

Erfahrungen in WM-Qualifikationen hat der 40-malige Internationale (13 Tore) übrigens zu Genüge - sowohl als Spieler als auch als Trainer für Wales. Eine WM-Teilnahme ist ihm allerdings bislang verwehrt geblieben. Dennoch ist die Karriere des ehemaligen Stürmers durchaus beeindruckend. Als Spieler holte er mit dem FC Liverpool dreimal die englische Meisterschaft sowie zweimal den UEFA-Pokal und brachte es in acht Jahren auf rund 250 Spiele und fast 100 Tore.

Glück gehört auch dazu
Er habe als Spieler und Trainer viel Glück gehabt, daher sei es schwer einen besonderen Moment herauszustellen, erklärt Toshack gegenüber FIFA.com. Dennoch gelang es ihm zwei großartige Ereignisse seiner Karriere zu benennen. "Zum einen mein Treffer 1974 beim 1:0-Erfolg gegen Barcelona (als Spieler), und zum anderen die 38 Ligatreffer von Hugo Sanchez, der mir mit Real Madrid 1990 die spanische Meisterschaft bescherte."

"Man muss mit den Spielern sprechen", verkündet Toshack auf seinen Trainingsstil angesprochen und ergänzt: "Ich trainiere genauso, wie ich in Liverpool vor 40 Jahren selbst trainiert wurde." Zwar habe sich der Fussball in den letzten Jahrzehnten verändert, vor allem was die Fitness der Spieler angehe, aber im Grunde genommen sind die Spielsysteme die Gleichen geblieben.

Man darf also durchaus gespannt, was der ehemalige Angreifer aus dem Land auf der Balkan-Halbinsel machen kann. Einen ernstzunehmenden Aspiranten auf ein WM-Ticket, oder doch "nur" einen Punktelieferanten für die Mitkonkurrenten um Serbien, Kroatien und Belgien? Die Zeit wird es zeigen, und spätestens Mitte September, wenn die Mazedonier in Kroatien (07.09) und  Schottland (11.09) antreten, müssen die Roten Farbe bekennen.