
Australien gehört seit eh und je zu den beliebtesten Auswandererländer der ganzen Welt. Über 70.000 Menschen entscheiden sich jedes Jahr für ein Leben Down Under. Und das mit gutem Recht. Denn wer tauscht sein "altes" Leben nicht gerne gegen Traumstrände und über das ganze Jahr hinweg hohe Plusgrade ein?
Doch es gibt auch einige wenige, die den umgekehrten Weg gehen. Robbie Kruse ist einer, der die Sonne des fünften Kontinents gegen das weitaus kühlere Klima Deutschlands eingetauscht hat. Als einziger aktueller Nationalspieler der Socceroos schnürt er im Land des dreimaligen Weltmeisters die Fussballschuhe.
Beim Tabelleführer der zweiten Bundesliga, Fortuna Düsseldorf, träumt er derzeit vom Aufstieg ins deutsche Oberhaus. "Ich genieße die Zeit hier in Düsseldorf, und die Mannschaft zeigt tolle Leistungen. Wir sind Tabellenerster, und es läuft großartig. Ich selbst lebe mich immer besser ein und kann mich nicht beschweren. Alles läuft sehr gut derzeit. Ich hoffe natürlich, dass die Mannschaft weiter gewinnt und wir am Ende der Saison da stehen, wo wir jetzt stehen", beschreibt Kruse seine ersten Eindrücke von seiner neuen Heimat im exklusiven FIFA.com-Interview.
Osieck hat viel bewegt
Vom australischen A-League-Klub Melbourne Victory erst in vergangenen Jahr an den Rhein gekommen, galt es für den 23-Jährigen sich schnellstmöglichst einzuleben. Inzwischen stehen elf Einsätze für die Düsseldorfer zu Buche - ein Tor ist dem Fan von Spaniens Superstar Fernando Torres aber noch nicht gelungen.
"Die zweite Bundesliga ist sehr stark, und es wird sehr physisch gespielt", erklärt Kruse und gibt zu bedenken, dass die A-League ja erst seit wenigen Jahren existiere, wachse und immer weiter lerne. "Sie wird immer stärker und bekommt auch mehr Aufmerksamkeit. Vielleicht kann die A-League irgendwann auch mit den europäischen Ligen mithalten."
Doch bis dahin will er sich in einer der stärksten Ligen der Welt seine Sporen verdienen, um seinen ganz großen Traum zu erreichen: die FIFA WM 2014 in Brasilien. Da könnte es von Vorteil sein, dass mit Holger Osieck sein Nationaltrainer ausgerechnet ein Deutscher ist. "Ich habe mich gefreut, dass er mich zur Nationalmannschaft eingeladen hat. Ich bin sehr dankbar dafür. Er ist ein wundervoller Trainer, der uns unter die Top 20 der Welt gebracht hat. Es hat sich viel bewegt, seitdem er Trainer ist. Bemerkenswert war dabei der Sieg gegen Deutschland. Das war schon cool."
Ein Erfolg gegen Deutschland
Kruse spricht damit die nächste Verbindung zwischen ihm und Deutschland an. Denn im März vergangenen Jahres fügten die Socceroos der DFB-Elf die einzige Niederlage in 2011 zu (1:2). "Es war ein sehr guter Erfolg für uns. Natürlich haben bei Deutschland einige Spieler gefehlt, aber für uns war es toll, eine solch große Fussballnation zu schlagen. Wir Spieler haben gefeiert, aber wir hatten in diesem Jahr auch andere tolle Erfolge. Es war ein gutes Jahr mit nur zwei Niederlagen. Natürlich war es vor allem für Osieck etwas Besonderes, sein Heimatland zu besiegen."
Mit dem 63-Jährigen hat er auch den Schritt in die 2. Bundesliga vorab besprochen und erhielt breite Rückendeckung. "Er hat mir gesagt, dass es die richtige Zeit und der richtige Klub ist, um nach Europa zu gehen. Düsseldorf ist ein toller Klub mit einer großen Vergangenheit. Natürlich will ich ihn auch beeindrucken, daher war es die richtige Entscheidung."
Kruse und Deutschland - das passt
Insgesamt 14 Mal (zwei Tore) gab ihm Osieck bislang die Gelegenheit "zu beeindrucken" - in allen fünf bisherigen WM-Qualifikationsspielen der Australier stand der U-17-WM-Teilnehmer von 2005 auf dem Platz. "Ziel war es, in die nächste Runde einzuziehen. Das haben wir geschafft. Die nächsten Spiele werden allerdings noch schwerer, aber ich glaube schon, dass wir die Qualität haben, um weiterzukommen und uns zu qualifizieren", zieht der Angreifer gegenüber FIFA.com nach vier Siegen und einer Niederlage sowie dem vorzeitigen Einzug in die vierte Qualifikationsrunde in Asien eine positive Bilanz. Das für die Socceroos bedeutungslose letzte Gruppenspiel gegen Saudiarabien Ende Februar könne man daher ohne Druck angehen.
2012 könnte also durchaus ein gutes Jahr für den jungen und sympathischen Australier werden. Der mögliche Aufstieg in die 1. Bundesliga mit Düsseldorf, dazu der heiße Kampf gemeinsam mit Osieck um das Ticket für Brasilien 2014. So oder so: Deutschland und Kruse - das passt. Sowohl im Verein, als auch in der Nationalmannschaft.















