
Liberia überstand die erste Runde der Afrika-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ völlig ungefährdet, denn da Mauritius sein Team zurückzog, steht Liberia - ohne überhaupt gespielt zu haben - in der ersten Gruppenphase der Qualifikation.
Dort allerdings wird es ernst. In Gruppe J warten Angola, Senegal und Uganda. Zum Auftakt müssen die Liberianer das schwere Auswärtsspiel gegen die an Nummer eins gesetzten Senegalesen bestreiten, die sich derzeit im Höhenflug befinden.
Es wird also sicher nicht leicht für das Team, das in der Qualifikation zum CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2012 nur fünf von 18 möglichen Punken holte. Seit den Zeiten von George Weah, der das Team zur Kontinental-Meisterschaft 2002 führte, ist Liberia nicht mehr in die Nähe der Qualifikation für ein großes internationales Turnier gekommen.
Druck und Erwartungen
Doch eines ist der afrikanische Fussball gewiss, nämlich unberechenbar. Und so hofft Liberias Kapitän Anthony Laffor, mit dem Team die Endrunde der FIFA WM 2014 zu erreichen, was selbst dem unvergleichlichen Weah verwehrt blieb. Für den Stürmer ist dabei das Auftaktspiel von enormer Wichtigkeit: "Wir müssen im ersten Spiel [in Senegal] unbedingt etwas erreichen und einen Sieg oder ein Unentschieden holen. Das würde alle im Land motivieren. Wir müssen unbedingt die Menschen hinter uns bringen", so seine Überzeugung.
Vor eigenem Publikum hat sich Liberia durchaus schon als stärkerer Gegner erwiesen. Ein gutes Ergebnis in Dakar wäre somit der perfekte Auftakt für die WM-Qualifikation, und dies umso mehr, nachdem die Lone Stars in der Qualifikation für Südafrika 2010 gegen den gleichen Gegner eine 1:3-Niederlage kassierten.
"Wir verfügen durchaus über gute Techniker. Aber in der Vergangenheit hat uns oft die nötige Konzentration gefehlt", so Laffors Erklärung. "Senegal hat eine ganz neue Mannschaft aufgebaut, die kaum noch etwas mit dem Team zu tun hat, das uns damals besiegte. Auch wir bauen derzeit unsere Mannschaft neu auf. Mit dem Team, das wir jetzt beisammen haben, können wir durchaus nach Senegal fahren und ein gutes Ergebnis holen. Die Spieler müssen allerdings wissen, dass wir hart arbeiten müssen, um dem Druck standzuhalten und mehr zu erreichen, als die meisten erwarten. Wir müssen die nötige Entschlossenheit zeigen, um unser Land auf die Fussball-Landkarte zu bringen."
Traum von der WM-Teilnahme
In der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste liegt Nigeria derzeit auf Platz 123. Platzierungen wie noch in der Ära Weah sind in weite Ferne gerückt. Doch Laffor ist überzeugt, dass sich die Mannschaft auf dem richtigen Weg befindet. "Es stimmt natürlich, dass wir große Probleme haben, seitdem Weah nicht mehr zur Mannschaft gehört", so der 26-jährige Stürmer. "Doch er hat für sich selbst Geschichte geschrieben, und jetzt ist es an der Zeit, dass wir unsere eigene Geschichte schreiben. Wir, also die jüngere Generation, müssen uns selbst einen Namen machen."
Nach den Worten Laffors, der in Südafrika für SuperSport United spielt, gibt es zahlreiche Spieler im Alter von Anfang bis Mitte 20, die nach dem blutigen Bürgerkrieg in Liberia nun endlich Erfahrungen auf höherem Niveau anstreben. "Einige der Jungs spielen in Dänemark. Dann haben wir Sekou Oliseh, der für ZSKA Moskau spielt, und ein paar weitere Akteure in Malaysia. Der Krieg hat dafür gesorgt, dass wir seit George Weah keine Spieler mehr bei großen europäischen Klubs haben, auf die wir zählen können. Also müssen wir es eben auch so schaffen. Wir sind die Spieler, die unser Land repräsentieren. Wir sind, was das Land aufbieten kann."
"Wir werden hart arbeiten"
Dank dieser ernsthaften Einstellung ist Laffor eine Führungspersönlichkeit im Team. Seine Rolle als Stürmer sorgt allerdings auch für Druck. "Es ist nicht leicht, Kapitän zu sein, insbesondere mit so vielen jungen Spielern in der Mannschaft. Meine Aufgabe besteht darin, für Disziplin zu sorgen und Respekt für die Nationalmannschaft zu schaffen. Man hat mir diese Gelegenheit gegeben und ich bin entschlossen, sie durch meine Arbeit so gut ich kann zu nutzen."
Für den in Monrovia geborenen Laffor steht fest, dass die Mannschaft auf dem langen Weg nach Brasilien die Konzentration wahren muss. Das Erreichen der Endrunde wäre bereits ein Riesenerfolg. "Jeder Spieler träumt doch davon, bei der WM dabei zu sein. Das wäre für mich ein Traum, der wahr wird. Wir werden jedenfalls so hart wir können dafür arbeiten."
Liberia bereitet sich unterdessen auch schon auf die Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2013 vor. Erfolge auf dieser Bühne würden für das kleine westafrikanische Land sicher weiteren Schwung bedeuten. "In der ersten Runde haben wir ein Heimspiel und ein Auswärtsspiel gegen Namibia. Dieses Duell können wir durchaus gewinnen. Wir brauchen dafür aber die Unterstützung der Menschen", so Laffor. "Die Spieler sind zwar das 'Personal' auf dem Spielfeld, aber bei dieser Sache sollte sich jeder einbringen."