Historische Erfolge in Ozeanien

In der vergangenen Woche spielten vier Nationen aus Polynesien in einem fünftägigen Turnier im J.S.-Blatter-Stadion in Samoa um die weitere Teilnahme an der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™. Am Ende setzte sich Turnierfavorit Samoa durch, der sich das einzige Ticket für die zweite Runde der Ozeanien-Qualifikation sicherte. Das Turnier wird jedoch nicht zuletzt durch die großartigen Leistungen von Amerikanisch-Samoa in Erinnerung bleiben.

Das Turnier hätte kaum ausgeglichener sein können: In keinem der sechs Spiele gab es einen Sieg mit mehr als einem Tor Unterschied, da auch die beiden anderen Teilnehmer, die Cook-Inseln und Tonga, über weite Strecken ebenbürtig waren.

In der zweiten Runde im kommenden Juni, die gleichzeitig als OFC Nationen-Pokal fungieren wird, trifft Samoa auf Vanuatu, Neukaledonien und Tahiti. In der anderen Gruppe treffen Fidschi, die Salomon-Inseln, Neuseeland und Papua-Neuguinea aufeinander, wobei die besten vier Mannschaften in die dritte und letzte Runde der Ozeanien-Qualifikation einziehen.

Knappe Ergebnisse
Keine der vier Mannschaften hatte sich angemessen vorbereiten können, denn seit dem Ende der Qualifikation für die WM 2010 im September 2007 bestritten diese Teams nur wenige Länderspiele. Die Ergebnisse des ersten Spieltages waren bereits vorentscheidend. Das Turnier begann mit einem 2:1-Sieg von Amerikanisch-Samoa über Tonga, während sich die Gastgeber dank eines Treffers in der Nachspielzeit mit 3:2 gegen die Cook-Inseln durchsetzten. Viele dachten, dass der späte Treffer von Albert Bell am ersten Spieltag bereits über den Gruppensieg entscheiden würde, doch Amerikanisch-Samoa und Tonga ließen sich nicht so einfach abschütteln.

Unter Chris Williams, der sein Länderspieldebüt als Trainer gab, hatte sich Tonga in den letzten acht Monaten auf dieses Turnier vorbereitet. Vor allem im zweiten Gruppenspiel, beim 1:1-Unentschieden gegen Samoa, konnte das Team seinen berühmten Kampfgeist unter Beweis stellen. Amerikanisch-Samoa erreichte am selben Spieltag ebenfalls ein 1:1 gegen die Cook-Inseln, womit das Ausscheiden Tongas bereits feststand, da Samoa und Amerikanisch-Samoa am letzten Spieltag im direkten Duell aufeinander trafen.

Samoa benötigte aufgrund der mehr erzielten Treffer nur noch einen Punkt, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Samoa hatte zahlreiche Tormöglichkeiten, doch die beste Chance hatte der Außenseiter: Diamond Ott scheiterte in den Schlussminuten aus kurzer Distanz, womit die Hoffnungen von Amerikanisch-Samoa auf eine Sensation zerplatzten. Während die Gäste noch auf den Siegtreffer drängten, schloss Silao Malo einen Konter erfolgreich ab und besiegelte damit die Qualifikation von Samoa für die nächste Runde in Fidschi, wo die acht besten Nationen Ozeaniens aufeinandertreffen werden. Im letzten Spiel des Turniers zog Tonga dank eines 2:1-Sieges aufgrund des besseren Torverhältnisses noch an Amerikanisch-Samoa vorbei.

Eine neue Ära
Die Fortschritte, die Amerikanisch-Samoa in der vergangenen Woche gezeigt hat, sind absolut außergewöhnlich, insbesondere auf den pazifischen Inseln, wo die Möglichkeiten für internationalen Fussball stark eingeschränkt sind. Dass Amerikanisch-Samoa fast bis zum Schlusspfiff der letzten Partie noch die Chance auf das Weiterkommen hatte, ist nicht nur das Verdienst von Trainer Thomas Rongen, sondern auch des unbändigen Willens, sich auch gegen vermeintlich bessere Mannschaften durchzusetzen.

Auch wenn sich am Ende Samoa durchsetzte, wird das benachbarte Amerikanisch-Samoa diese fünf Tage in Apia als Wendepunkt in der Fussballgeschichte in Erinnerung behalten. Vor etwas mehr als zehn Jahren startete die kleine Nation im Südpazifik, die weniger als 60.000 Einwohner zählt, denkbar schlecht in die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft.

In der australischen Touristenstadt Coffs Harbour setzte es für Amerikanisch-Samoa eine 0:13-Auftaktniederlage gegen Fidschi. Am Ende des Turniers eine Woche später hatte man vier Niederlagen, 57 Gegentreffer und ein unglaubliches 0:31-Debakel gegen Australien zu Buche stehen - ein Ergebnis, das es so schnell kein zweites Mal geben wird.

Noch vor einer Woche wies die Bilanz von Amerikanisch-Samoa in der WM-Qualifikation zwölf Niederlagen und ein Torverhältnis von 2:129 auf. Auch ein Sieg in einem Länderspiel war dem Team bis dato verwehrt geblieben, doch diese Bilanz sollte sich auf beeindruckende Weise ändern.

Im Auftaktspiel gegen Tonga brachte Ramin Ott, der Torschütze von einem der beiden früheren Treffer in der WM-Qualifikation, seine Mannschaft vor dem Seitenwechsel in Führung. Der 17-jährige Shalom Luani besiegelte die Sensation schließlich mit seinem Treffer in der zweiten Halbzeit. Unaloto Feao gelang nur mehr der Ehrentreffer. Luani konnte sich zwei Tage später beim 1:1-Unentschieden gegen die Cook-Inseln erneut als Torschütze auszeichnen.

Nach etwas mehr als einem Monat im Amt erwies sich Thomas Rongen, ehemaliger Trainer in der MLS und der U.S.-amerikanischen U-20-Nationalmannschaft, als Idealbesetzung, um das gesamte Potenzial von Amerikanisch-Samoa zur Entfaltung zu bringen. "Wir haben einen erfrischenden Fussball gesehen, Fussball in seiner reinsten Form", sagte der in den Niederlanden geborene und in Florida wohnhafte Trainer. "Das ist Amateurfussball auf höchstem Niveau. In der Weltspitze kann Fussball sehr hart sein, doch hier geht es nur um 23 Jungs, die sich für die Mannschaft aufopfern. Sie bekommen nichts dafür, ganz im Gegenteil: Einige von ihnen müssen sich sogar Urlaub von ihren Jobs nehmen und verlieren damit Geld."

Der beeindruckend agile Torhüter von Amerikanisch-Samoa, Salapu, stand bereits bei der Rekordniederlage vor zehn Jahren zwischen den Pfosten, weshalb der Erfolg in Apia für ihn eine besondere Genugtuung darstellte. "Dieser Mann konnte innerhalb von 90 Minuten all seine mentalen Probleme infolge dieser 31 Gegentreffer hinter sich lassen", sagte Rongen über Salapu nach dem Sieg über Tonga. "Unmittelbar nach dem Spiel sah er mich an. Er weinte und sagte: 'Nun kann ich meinen Kindern erzählen, dass ich ein Sieger bin.' Offen gesagt war dieser Moment noch schöner als das Spiel an sich."