
Montserrat bereitet sich auf einen der wichtigsten Tage in seiner Fussballgeschichte vor. Am Mittwoch hat die Auswahl der kleinen Karibikinsel die Ehre, die erste Qualifikationspartie für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ gegen die Auswahl von Belize zu bestreiten. Das Team ist bereit, die Herausforderung anzunehmen.
Es spielt keine Rolle, dass ein Großteil der Einwohner die Insel wegen eines Vulkanausbruchs verlassen hat. Und auch nicht, dass die Partie in Trinidad und Tobago ausgetragen werden muss, weil das Stadion in Montserrat noch nicht fertiggestellt ist. Alles, was für die Spieler von der Insel zählt, ist, die Welt zu überraschen. In einem Interview mit FIFA.com sprachen Trainer Kenneth Dyer und sein Star Anthony Griffith von ihren Hoffnungen vor der geschichtsträchtigen Partie.
Nur wenige kennen die Mühen, die die Auswahl von der Karibikinsel auf sich nehmen musste, um bis hierher zu gelangen, so gut wie Kenny Dyer. Wie viele der Mitglieder seines Kaders wurde der ehemalige Spieler des zypriotischen Vereins Ethnikos Akhnas in England geboren, beschloss jedoch, für seine Wahlheimat Montserrat anzutreten. Bis zum vergangenen Jahr war er sogar noch als Spielertrainer im Einsatz, und das mit 46 Jahren!
Doch mittlerweile haben sich die Dinge geändert, vor allem weil die Mannschaft inzwischen wesentlich besser besetzt ist. "Es ist die beste Auswahl von Montserrat, die ich je betreut habe", erklärt der Trainer. "Ende 2010 haben wir im Caribbean Cup gespielt. Wir haben nicht sehr gut abgeschnitten, aber seitdem sind einige neue Spieler zu uns gestoßen und jetzt läuft es in der Mannschaft wirklich gut."
Eine kollektive Anstrengung
Bevor er weiter über sein Team spricht, redet Dyer über die Situation des Fussballs in Montserrat. "Wir sind eine der Mannschaften, die in der FIFA-Weltrangliste ganz unten stehen, vor allem weil wir nicht viele Spiele bestreiten. Ich möchte, dass sich das ändert. Ich weiß, dass wir viele Talente haben und dass Länderspiele dazu beitragen werden, dass der Fussball auf unserer Insel beständig weiter wächst", erklärt er zuversichtlich.
In der Tat ist die Situation in Montserrat alles andere als einfach. Seit 1995 ist der Vulkan Soufriere Hills wieder aktiv und hat mittlerweile fast die gesamte Bevölkerung der Insel vertrieben. "Dort leben nur noch 6.000 Menschen", erzählt der Trainer, "auch wenn das vom Standpunkt des Fussballs aus gesehen gar nicht schlecht ist, denn nun verfügen wir über einige Spieler im Ausland, was wiederum das Niveau hier steigert."
So spielen einige der gegenwärtigen Mitglieder des Kaders bei Vereinen in Großbritannien, den USA und sogar Australien. Der Trainer verweist darauf, dass sich die Mannschaft sehr gewissenhaft auf die Qualifikationsspiele vorbereitet hat. "Wir hatten zwei Lehrgänge in London, die mir mehr Informationen über die Spieler vermittelt haben. Vor der Partie gegen Belize werden wir noch zwei Freundschaftsspiele in Trinidad und Tobago bestreiten."
Dort wird auch das Qualifikationsspiel ausgetragen, denn das neue Stadion in Montserrat ist noch nicht weit genug, um internationale Partien ausrichten zu können. "Es ist sehr schade, denn wir verfügen jetzt über ein Stadion, das meiner Ansicht nach zu den schönsten der Region zählt, aber noch sind die Umkleideräme nicht fertig gestellt. Wir möchten jetzt für eine Überraschung sorgen und in der nächsten Runde vor unserem eigenen Publikum antreten."
Rückkehr zu den Wurzeln
Der Star von Montserrat heißt Anthony Griffith. Er hat noch kein Spiel im olivgrünen Dress bestritten, aber der Umstand, dass er für Port Vale in der englischen Liga spielt, macht ihn schon zu einem der herausragenden Spieler im Team. Der in England geborene Griffith, Sohn eines Vaters aus der Karibik, empfindet großen Stolz.
"Es ist schon ein besonderes Gefühl", räumt er ein. "Wir sind alle sehr nervös und angespannt, weil es eben auch viele junge Spieler im Team gibt. Aber wir alle wissen, dass es eine tolle Erfahrung sein wird und wir sind bereit, die Herausforderung anzunehmen. Im Training läuft es schon hervorragend, die Stimmung ist großartig, sowohl bei den Spielern von der Insel wie auch bei uns auswärtigen Spielern."
Für Griffith ist der Auftritt auf der internationalen Bühne ein besonderes Privileg, erst recht in einem so wichtigen Spiel. "Ich habe es schon oft in Gedanken durchgespielt und ich bin überzeugt, dass wir gewinnen werden. Außerdem ist es eine tolle Gelegenheit, uns der Welt zu präsentieren. Schließlich geht es um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und man weiß nicht, wer alles zusieht. Es kann eine tolle Chance für uns werden", überlegt er zum Ende des Gesprächs.
Alles ist bereit und trotz der schwierigen Umstände ist die Auswahl Montserrats voller Hoffnung. Trainer und Spieler brennen auf den Anstoß und sind entschlossen, ein neues erfolgreiches Kapitel in der Fussballgeschichte ihres Landes zu schreiben. Das erste Hindernis auf dem Weg heißt Belize und am Mittwoch schlägt die Stunde der Wahrheit.



