
Der amtierende Weltmeister Spanien startet sein Unternehmen Titelverteidigung in einer Gruppe, die es trotz der geringeren Zahl der dort spielenden Mannschaften in sich hat. Denn die Gruppe I der Europa-Zone ist die einzige, der nur fünf Teams angehören, darunter mit Spanien und Frankreich sowohl der amtierende als auch ein früherer Weltmeister.
Damit kämpfen die beiden benachbarten Länder in einer Gruppe, in der außerdem noch Belarus, Georgien und Finnland um das direkte Ticket für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ spielen.
Die Favoriten
Schon beim ersten Blick auf diese Gruppe wird deutlich, dass die Roja ebenso wie die Bleus aufgrund ihrer Geschichte und ihrer bisherigen Erfolge als klare Favoriten ins Rennen gehen. Wenn man allerdings das Abschneiden beider Mannschaften bei der jüngsten WM in Südafrika in Betracht zieht, hätten die Unterschiede zwischen beiden Teams zum Zeitpunkt der Vorrundenauslosung größer kaum sein können. Während die Spanier in einem großartigen Finale gegen die Niederlande zum ersten Mal überhaupt die WM-Krone holten, schieden die Franzosen nach einer überaus enttäuschenden Leistung bereits nach der Gruppenphase aus. Hinzu kam eine schwere Krise innerhalb der französischen Mannschaft, die einen radikalen Umbauprozess zur Folge hatte. Spanien hingegen setzt weiterhin auf die Kontinuität eines Teams, das sich seit dem Gewinn der UEFA EURO 2008 stets in der Erfolgsspur befand, während die Franzosen ihrem großen Erfolg aus dem Jahr 1998, als sie bei der WM im eigenen Land den Titel gewannen, seit längerem hinterherlaufen.
Die Außenseiter
Auch wenn Finnland in der aktuellen Wertung der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste deutlich hinter Spanien und Frankreich rangiert, in der WM-Qualifikation für Südafrika 2010 machten die Nordeuropäer wiederholt mit guten Leistungen von sich reden, so dass die Favoriten gut beraten sind, die weiter im Aufwind befindlichen Finnen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Immerhin gewannen die Skandinavier in ihrer WM-Qualifikationsgruppe die Hälfte aller Spiele und mussten sich am Ende lediglich den beiden europäischen Schwergewichten Deutschland und Russland (das dann in der Playoff-Runde gegen Slowenien unterlag) beugen.
Nicht gerade erfreut dürften die Franzosen gewesen sein, als feststand, dass sie es in ihrer Gruppe erneut mit Belarus zu tun bekommen, das erst nach seiner Trennung von der alten UdSSR im Jahr 1992 der FIFA beitrat. Denn die Bleus trafen bereits in der Qualifikation für die UEFA EURO 2012 auf die Osteuropäer und blieben in beiden Spielen ohne Sieg – nach einer blamablen 0:1-Heimniederlage kam Frankreich auch im Rückspiel nicht über ein Remis hinaus. Die taktisch diszipliniert spielende und physisch starke Mannschaft von Belarus könnte also durchaus für eine Überraschung sorgen.
Die Stars
Xavi, Iker Casillas, Gerard Piqué, David Villa (ESP), Franck Ribéry, Karim Benzema, Samir Nasri, Kevin Gameiro, Marvin Martin (FRA), Alexei Eremenko, Petri Pasanen, Mikkael Forssell (FIN) Levan Kobiashvili, Jano Ananidze (GEO), Sergei Krivets (BLR).
Das Topspiel
Frankreich – Spanien
Falls keine der anderen drei Mannschaften einen Strich durch die Rechnung machen sollte, dürfte die Entscheidung über das direkte Ticket nach Brasilien im Duell zwischen diesen beiden Teams fallen.
Historisches
Bislang traten die Equipe Tricolore und die Roja 30 Mal gegeneinander an. Kurioserweise weist die bisherige Bilanz 13 Siege für Spanien sowie sechs Unentschieden gegenüber elf Siegen der Franzosen aus. Obgleich die Spanier in den jüngsten Freundschaftsspielen stets die Oberhand behielten, konnten sie die wichtigsten Pflichtspiele, die sie in den letzten Jahren gegen den östlichen Nachbarn bestritten, nicht gewinnen. Im letzten Aufeinandertreffen im Rahmen einer WM warfen die Franzosen 2006 in Deutschland Spanien im Achtelfinale aus dem Turnier. Bei der kontinentalen Meisterschaft im Jahr 2000 scheiterte Spanien im Viertelfinale an den Franzosen. Und im Finale der Europameisterschaft 1984, bei dem sich vor allem Michel Platini und Luis Arconada als Schlüsselspieler ihrer Mannschaften hervortaten, hatten die Spanier ebenfalls das Nachsehen.
Statistik
4 – In der Europa-Zone war es bisher äußerst selten, dass in einer Qualifikationsgruppe zwei Weltmeisterteams aufeinandertrafen. Tatsächlich handelt es sich bei dem Duell zwischen Spanien und Frankreich in der WM-Qualifikation erst um das vierte Duell dieser Art. Zuvor war dieses seltene "Privileg" bereits drei Mal den Engländern zuteil geworden, die sich sowohl in der Qualifikation für Argentinien 1978 wie auch für Frankreich 1998 mit Italien auseinandersetzen und zuletzt im Vorfeld von Korea/Japan 2002 mit Deutschland in einer Gruppe spielen mussten.
Wussten Sie schon?
Spanien hatte es im Rahmen einer WM-Qualifikation schon einmal mit Finnland zu tun, nämlich in der Europa-Qualifikation für Mexiko 1970. Die Roja verlor damals in Finnland mit 0:2 und gewann das Rückspiel klar mit 6:0, schaffte es aber dennoch nicht, sich die WM-Teilnahme zu sichern. Ob dies vielleicht ein schlechtes Zeichen für die Spanier sein könnte?
Ihre Meinung zählt!
Auf welcher Seite der Pyrenäen wird der Sieger des spanisch-französischen Duells gefeiert werden?










