Bei der Vergabe der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006TM war Südafrika denkbar knapp gescheitert. Mit 12:11 Stimmen fiel die Entscheidung am Ende bekanntlich äußerst knapp zu Gunsten Deutschlands aus, das ein fantastisches Turnier ausrichtete. Die Südafrikaner waren enttäuscht, nahmen die Abstimmungsniederlage aber mit Würde hin.

Tatsächlich hatte die FIFA die südafrikanische Bewerbung um die Ausrichtung des Weltpokals ja auch als besser eingestuft als die solcher Sportgrößen wie Brasilien und England - und als der Deutschlands durchaus ebenbürtig.

Entsprechend schnell ließ das südafrikanische Bewerbungskomitee die Enttäuschung hinter sich und machte sich in aller Stille und mit neuer Entschlossenheit wieder an die Arbeit. Schon im Dezember 2002 wurde die FIFA informiert, dass sich Südafrika nun um die Ausrichtung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010TM bewerben werde.

Durch Garantieerklärungen der südafrikanischen Regierung und des südafrikanischen Fussballverbandes wurden diese Absichten am 30. Mai 2003 weiter untermauert.

Anlässlich des Starts der offiziellen Bewerbung wurden Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees von Südafrika zu lokalen und internationalen Veranstaltungen eingeladen. Es gab mehrere Sitzungen mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter im Jahr 2003.

Südafrika wurde zudem bei verschiedenen internationalen Fussballausstellungen vorstellig und sicherte sich obendrein die Unterstützung des deutschen LOK für 2006.

Die Botschaft Südafrikas war dabei so einfach wie stark: Nirgendwo in Afrika war die Infrastruktur (Stadien, Trainingseinrichtungen) besser. Viele Spielstätten waren bereits vorhanden, einige mussten lediglich modernisiert und einige neu gebaut werden. Die kommerzielle Unterstützung zahlreicher führender internationaler Unternehmen war stark. Kein anderes Land des Kontinents verfügt über eine so gute und stabile Wirtschaft. Die Medienlandschaft ist differenziert und hoch entwickelt, die Sendeanstalten sind technisch ausgereift und erfahren und, was vielleicht am wichtigsten ist: Millionen fussballbegeisterter Südafrikaner unterstützen das Vorhaben.

Mit der Ausrichtung des IRB Rugby World Cup 1995, des Afrikanischen Nationen-Pokals 1996, der IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1998, der All Africa Games 1999 und des ICC Cricket World Cup 2003 verfügte Südafrika zudem über erstklassige Referenzen in Sachen große internationale Sportveranstaltungen.

Auch Südafrikas Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, Desmond Tutu und Frederik Willem de Klerk rührten kräftig die Werbetrommel für die Bewerbung ihres Landes, die Präsident Thabo Mbeki sogar als Teil der Renaissance-Strategie Afrikas begrüßte.

Afrikanische Superstars wie Abedi Pele, George Weah, Roger Milla, Kalusha Bwalya und Philemon Masinga traten als Botschafter für die Bewerbung Südafrikas auf und ein; Lucas Radebe, Jomo Sono, Ace Ntsoelengoe und Gary Mabbutt machten ihre Unterstützung der Bewerbung öffentlich.

Es gab wichtige Länderspiele, die die Eignung des Landes demonstrieren sollten. Im Mai 2003 etwa lief die englische Nationalmannschaft in Durban auf. Kurz zuvor hatte der englische Kapitän David Beckham seine Unterstützung für die südafrikanische Bewerbung kundgetan.

Die Inspektionsgruppe der FIFA unter Führung des belgischen Verbandspräsidenten Jan Peeters erteilte Südafrika nach ihren Besuchen die höchste Wertung aller sich um die Ausrichtung bewerbenden afrikanischen Länder. Wörtlich beschied die Inspektionsgruppe Südafrika das Potenzial, ein "herausragendes" WM-Turnier auf die Beine stellen zu können.

Nach tausenden Flugstunden rund um die Welt, nach Hunderten Sitzungen und unermüdlicher Überzeugungs- und Lobbyarbeit flog das Bewerbungskomitee Südafrikas im Mai 2004 schließlich zur Bekanntgabe des Ausrichters der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 nach Zürich.

Dort führte Südafrika dem FIFA-Exekutivkomitee am Vorabend der Abstimmung am 15. Mai seine Abschlusspräsentation vor. Nelson Mandela fand lobende Worte für das "engagierte und entschlossene südafrikanische Team", und Präsident Mbeki sprach leidenschaftlich davon, dass "Afrikas Zeit gekommen" sei.

In seiner Funktion als Vorsitzender des Bewerbungskomitees fügte Irvin Khoza hinzu, die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 würde "uns ermöglichen, den vielen fussballbegeisterten Menschen in Südafrika eine Entwicklung, eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben."

Von "größtem Nutzen für den afrikanischen Fussball" sprach auch Abedi Pele. Die abschließende Rede der Präsentation war jedoch Danny Jordaan als Chef des Bewerbungskomitees vorbehalten, und der machte geltend, die Südafrikanische Bewerbung sei gespeist worden "aus Quellen, die tief im Inneren unserer Nation entspringen."

Am nächsten Tag um 12:21 Uhr öffnete FIFA-Präsident Joseph S. Blatter den ominösen weißen Umschlag und gab den Gewinner der Abstimmung der 24 FIFA-Exekutivmitglieder bekannt:

Südafrika bekam 14 Stimmen und Marokko 10, während Ägypten leer ausging.