FIFA WM-Archiv

Legendäres Tor ist Geschichte

(FIFA.com)
Mexico, 22nd June, 1986, Argentina 2 v England 1, Argentina's Diego Maradona scores his side's first goal past English goalkeeper Peter Shilton by use of his hand.
© Getty Images
  • Das Bild zeigt Diego Maradonas berüchtigte "Hand Gottes" bei der WM 1986
  • Das Tor leitete den Viertelfinalsieg Argentiniens gegen England ein
  • Maradona unterstützt die VAR-Technologie

"Ein wenig mit Maradonas Kopf und ein wenig mit der Hand Gottes."

Das ist vielleicht die bekannteste Beschreibung, die es von einem Tor gibt. Sie wurde von Diego Maradona für den oben eingefangenen Treffer verwendet. In den Wiederholungen war später allerdings deutlich zu sehen, dass sein Kopf bei der Sache eine weniger bedeutende Rolle gespielt hatte, als er anfangs angedeutet hatte.

"Das war vermutlich die beste Täuschung, die wir je sehen werden – und er ist damit durchgekommen", klagte Terry Butcher, einer der englischen Verteidiger, deren Proteste ungehört verhallten. Butcher musste sich später erneut geschlagen geben, und zwar bei dem Spielzug, der in diesem Viertelfinale der WM 1986 zu Maradonas fantastischem und frenetisch bejubeltem zweiten Tor führte. Doch obwohl dieser zweite Treffer so ungemein brillant war, ist die "Hand Gottes" den Menschen ebenso stark in Erinnerung geblieben.

Noch vor kurzem machte Moderator Gary Lineker, der damals ebenfalls für England auf dem Platz stand, bei der Endrundenauslosung für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2018™ eine scherzhafte Anspielung in Richtung Maradona, der in Moskau als Assistent der Auslosung fungierte. Er erklärte, Maradona hätte schließlich "mit seinen Händen immer viel Geschick bewiesen".

Vielleicht noch überraschender als der anhaltende Hype um sein berüchtigtes Tor ist die Tatsache, dass Maradona sich leidenschaftlich für eine Technologie einsetzt, die sicherlich für die Aberkennung dieses Treffers gesorgt hätte. Schließlich sprach sich die Ikone des argentinischen Fussballs in einem Interview mit FIFA.com im Juli letzten Jahres unmissverständlich für das System der Video-Schiedsrichterassistenten (VAR) aus, das bei der WM 2018 zum Einsatz kommen wird.

"Der Fussball darf nicht ins Hintertreffen geraten", erklärte er. "Die Leute regen sich auf, wenn sie für etwas bestraft werden, was sie nicht getan haben! Beispielsweise wenn ein reguläres Tor aberkannt wird. Die Technologie sorgt für Transparenz und Qualität. Sie ist positiv für Mannschaften, die sich entschließen, anzugreifen und Risiken einzugehen."

Ein Risiko, wie es Maradona an jenem heißen Nachmittag im Aztekenstadion eingegangen ist – unbemerkt von Schiedsrichter Ali Bin Nasser – wird allerdings nicht belohnt. Doch selbst die Tatsache, dass dieses für ihn so wichtige Tor mit VAR aberkannt worden wäre, hält ihn nicht davon ab, die Technologie zu unterstützen.

"Natürlich geht mir das durch den Kopf, wenn ich den Einsatz der Technologie befürworte!," meint er lachend. "Ich habe darüber nachgedacht, und selbstverständlich hätte der Treffer beim Einsatz von Technologie nicht gezählt. Und das ist noch nicht alles. Bei der WM 1990 habe ich gegen die Sowjetunion ebenfalls die Hand benutzt, um den Ball von unserer Linie zu kratzen. Der Schiedsrichter hat das damals auch nicht gesehen. Wir hatten Glück! Aber zur damaligen Zeit gab es keine Möglichkeit, Technologie einzusetzen. Heute ist das eine andere Geschichte."

Und diese andere WM-Geschichte – ebenfalls spannend, aber hoffentlich mit etwas weniger Kontroverse – wird in wenigen Monaten zum ersten Mal geschrieben.

Hätten Sie's gewusst?
Eines der Trikots, die Maradona bei der WM 1986 in Mexiko getragen hat, wurde vom Superstar persönlich signiert und mit Grußworten versehen und befindet sich unter den einzigartigen Ausstellungsstücken des FIFA Welt Fussball Museums in Zürich.

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