• Marokko hat seit Frankreich 1998 keine WM-Endrunde mehr bestritten
  • Das Team liegt mit sechs Punkten auf Rang zwei seiner Gruppe hinter der Elfenbeinküste und vor Gabun
  • Nachdem Hervé Renard zwei Mal Afrikameister wurde, träumt er nun von seiner ersten WM-Qualifikation als Nationaltrainer

Als Mustapha Hadji, Youssef Chippo und Salaheddine Bassir bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™ die Zuschauer begeisterten, waren die Leistungsträger der heutigen marokkanischen Auswahl noch Kinder. Mehdi Benatia war gerade elf Jahre alt, Hakim Ziyech sogar erst fünf. Seit 20 Jahren wartet Marokko auf die erneute Qualifikation für das weltweite Gipfeltreffen. 

Nachdem hintereinander Korea/Japan 2002, Deutschland 2006, Südafrika 2010 und Brasilien 2014 verpasst wurden, legte der marokkanische Fussballverband sein ganzes Augenmerk auf Russland 2018. Der renommierte Trainer Hervé Renard, der Sambia und die Elfenbeinküste jeweils zum kontinentalen Titel geführt hat, wurde als Nationalcoach engagiert. Unter der Leitung des Franzosen startete das Team mit zwei mageren Unentschieden in die WM-Qualifikation, was den Hunger der marokkanischen Anhänger nicht stillen konnte. 

Im Gespräch mit FIFA.com blickt Hervé Renard auf sein Debüt zurück. "Wir sind mit einem guten Ergebnis aus Gabun zurückgekehrt. Gegen die Elfenbeinküste wollten wir gewinnen, aber der Gegner zeigte eine solide Leistung. Wir hatten zwei Gelegenheiten, den Unterschied zu machen, doch in dieser Begegnung war das Glück nicht auf unserer Seite."

Schwung aus der Afrikameisterschaft
Nach diesen zwei Unentschieden bestritt Marokko den CAF Afrika-Cup in Gabun. Die Atlaslöwen erreichten trotz namhafter Ausfälle das Viertelfinale. In der ersten Runde wurde der amtierende Afrikameister Elfenbeinküste ausgeschaltet. Seither träumen die marokkanischen Fans davon, dass die Mannschaft doch noch das Ticket nach Russland bucht.

Inzwischen hat die marokkanische Auswahl das Kapitel Afrikameisterschaft hinter sich gelassen und konzentriert sich voll auf die WM-Qualifikation. Vor eigenem Publikum in Rabat gelang ein 6:0-Kantersieg gegen Mali, während die Elfenbeinküste zu Hause gegen Gabun eine Niederlage kassierte. Das Rückrundenspiel in Bamako indes verlief nicht ganz so erfreulich, wie Renard bestätigt: "In der Hinrunde haben wir unsere Chancen besser verwertet als im zweiten Spiel, in dem wir einen Elfmeter und vier direkte Duelle gegen den Torhüter vergeben haben. Wir haben Punkte verloren, aber unsere Konkurrenten auch. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind."

Stunde der Entscheidung
Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Gruppe C zu den schwersten gehört. Entsprechend eng ist die Tabellensituation: Die Elfenbeinküste liegt mit nur einem Zähler vor Marokko und zwei Punkten vor Gabun in Führung. Marokko bekommt es nun mit Gabun zu tun, während die Elfenbeinküste in Mali antreten muss. Renard sieht in dieser Konstellation nicht unbedingt einen Vorteil. "Dieser Spieltag spielt uns nur in die Karten, wenn wir Gabun schlagen und die Elfenbeinküste in Bamako stolpert, aber das sind nur Annahmen. Wir werden die Leistung wiederholen müssen, die wir zu Hause gegen Mali abgeliefert haben. Wir werden in Casablanca in einer kochenden Atmosphäre spielen und müssen uns die bestmögliche Ausgangslage für die Partie in der Elfenbeinküste am 6. November verschaffen."

"Es ist eine Auswahl, die nicht sehr ausgeglichen besetzt ist, aber über hervorragende Einzelkönner verfügt, wie beispielsweise Ndong oder Aubameyang", sagt Renard über Gabun. "Die Gabuner sind sehr konterstark, vor allem seit Aubameyang in der Startelf steht. Aber sie ziehen sich auch ohne den Stürmer von Borussia Dortmund achtbar aus der Affäre, wie sie mit ihrem Sieg gegen die Elfenbeinküste bewiesen haben. Man muss sich vor ihnen in Acht nehmen. Wir müssen unbedingt gewinnen, denn jedes andere Ergebnis würde uns in eine sehr schwierige Situation stürzen."

Einen Monat nach dem fünften Spieltag steht für Marokko die Auswärtsaufgabe in der Elfenbeinküste an. Ein Duell, das entscheidend sein dürfte. "Ich hoffe, dass dies der Fall ist. Zunächst müssen wir Gabun schlagen. Dann können wir die letzte Partie vorbereiten, von der wir hoffen, dass sie uns die Qualifikation für Russland 2018 beschert."

Ein lang gehegter Traum
Renard schätzt die Chancen auf eine erfolgreiche Qualifikation optimistisch ein. "Wir sind in einer besseren Situation als Anfang September. Wir haben die beiden letzten, sehr schweren Partien gegen Mali gut über die Bühne gebracht. In dieser Gruppe können sich drei Teams für Russland qualifizieren, denn der Dritte liegt nur zwei Punkte hinter dem Ersten. Ich denke, dass diejenige Mannschaft, die sich am solidesten und am besten organisiert zeigt, das Ticket ergattert. Und ich hoffe, dass dies Marokko sein wird."

Der ehemalige Nationaltrainer von Sambia und der Elfenbeinküste ist sich dessen bewusst, dass das marokkanische Volk mit Ungeduld erwartet, die eigene Mannschaft wieder beim prestigereichsten Turnier zu sehen. "Es ist der Traum eines ganzen Volkes. Die Marokkaner glauben nun mehr an unsere Chancen auf eine Qualifikation. Die Stimmung hat sich verändert, vor allem seit dem Hinspiel gegen Mali. Alle wissen, dass die Aufgabe nicht leicht wird, aber wir werden unser Bestes tun, um dieses Land nach 20 Jahren Abwesenheit wieder zur WM-Endrunde zu führen."

"Ich bitte alle marokkanischen Fans, uns mit ganzer Kraft zu unterstützen, wie gegen Mali in Rabat. Ich bin davon überzeugt, dass die Atmosphäre in Casablanca gegen Gabun noch hitziger sein wird. Wir müssen von Beginn an offensiv auftreten, um als Sieger aus der Partie hervorzugehen."

Das Restprogramm für Marokko in der Qualifikation für Russland 2018:
Marokko - Gabun (7. Oktober)
Elfenbeinküste – Marokko (6. November)