• Ben Youssef und Tunesien verpassten Brasilien 2014 im Playoff gegen Kamerun
  • Vier Jahre später strebt der Verteidiger nach Revanche
  • Im Interview spricht er über die Veränderungen in den letzten Jahren

Es ist vielleicht nur eine Frage von wenigen Tagen, bis Tunesien sich für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ qualifiziert hat. Für die Adler von Karthago wäre es eine Rückkehr nach zwölf Jahren des Wartens. Für Syam Ben Youssef die Verwirklichung eines Traums und eine persönliche Genugtuung.

Der Verteidiger bestritt im Oktober 2013 zwei seiner ersten Länderspieleinsätze, als Tunesien in Rahmen der Qualifikation für Brasilien 2014 im Playoff-Duell gegen Kamerun unterlag. "Das war sehr, sehr schmerzhaft", sagte er 2015 mit Bedauern im Gespräch mit FIFA.com.

Zwei Jahre später trafen wir auf einen fröhlicheren Ben Youssef, denn Tunesien steht zwei Spieltage vor dem Ende der dritten Runde kurz vor der erfolgreichen Qualifikation. Sein Team benötigt vier Punkte aus den zwei verbleibenden Begegnungen mit Guinea und Libyen, um sicher in Russland dabei zu sein.

FIFA.com sprach zwar mit derselben Person wie 2015, aber es ist dennoch ein ganz anderer Ben Youssef, der die Situationen damals und heute vergleicht.

Einen Albtraum vergessen, einen Traum verwirklichen
Ben Youssef 2015: "Es hat sehr lange gedauert, die verpasste WM-Qualifikation zu verdauen. Außerdem fand sie in Brasilien statt - das ist meiner Meinung nach etwas Außergewöhnliches. Das ist nicht jedem vergönnt. Ich wäre wahnsinnig gerne dabei gewesen. Ich bin 25 Jahre alt, es war der richtige Moment. Das macht umso mehr Lust, nächstes Mal dabei zu sein."

Ben Youssef 2017: "Unser Schicksal liegt in unserer Hand, aber in Afrika ist es immer schwer. Ich glaube nicht, dass Guinea nachlassen wird, obwohl sie ausgeschieden sind. Sie wollen Spiele gewinnen, ein Wörtchen mitreden und einen guten Eindruck hinterlassen. Wir müssen gieriger sein als sie, denn wir spielen um die Qualifikation zur WM. Das erlebt man vielleicht nur einmal im Leben oder sogar nie. Mein Land und meine Familie bei der WM zu vertreten, das wäre fantastisch."

Die Fortschritte der "Adler von Karthago"
Ben Youssef 2015: "Diese Generation ist talentiert. Wir haben relativ jung angefangen, zusammenzuspielen, und es ist viel Qualität vorhanden. Es ist eine gute Mischung aus Jungen und Erfahrenen, aus einheimischen Spielern und solchen, die im Ausland spielen. Mit der Zeit wird alles zusammenwachsen. Eine Generation in der Nationalmannschaft formt man nicht in ein oder zwei Jahren. Es ist Stabilität erforderlich, aber wir hatten viele Trainerwechsel, die eine kontinuierliche Arbeit erschwert haben."

Ben Youssef 2017: "Wir haben viel mehr Spiele und zwei Afrikameisterschaften hinter uns. Wir konnten praktisch das Gerüst der Generation von 2014 beibehalten und haben uns gemeinsam verbessert. Wir verstehen uns sogar außerhalb des Platzes gut. Wir bleiben zusammen und scherzen, es ist eine lebenslustige Truppe. Das merkt man auf dem Platz, denn wir stürmen und verteidigen alle gemeinsam. Wir versuchen wirklich, daran zu arbeiten, und jeder Spieler, der neu hinzukommt, passt sich an diese Mannschaft und ihre Denkweise an."

Eine Schwäche, an der zu arbeiten ist
Ben Youssef 2015: Mein Partner in der Innenverteidigung, Alaeddine Yahia, sagt immer zu mir, dass ich erst ans Verteidigen denken soll. Manchmal muss man die schöne Aktion vergessen und den Ball einfach weghauen. Es ist nicht so, dass ich nicht verteidige, aber ich denke oft schon an die Spieleröffnung, bevor ich den Ball erobert habe! Manchmal geht das nach hinten los. Also sagt er zu mir, dass ich erst meine Arbeit als Verteidiger erledigen soll und dann wenn möglich mehr tun."

Ben Youssef 2017: "Wir haben heute eine Mannschaft, die einen guten Fussball zeigt, also überlasse ich das schöne Spiel den anderen! Ich versuche auszuhelfen, zu verteidigen und meine Arbeit zu erledigen. Die anderen sollen das tun, was sie am besten können. Ich weiß, dass sie den Unterschied machen können, es ist also nicht nötig, zu viel für einen Verteidiger zu wollen. Andererseits mag es der Nationalcoach Nabil Maaloul, wenn wir das Spiel von hinten heraus eröffnen, das liegt mir also perfekt!"

Das Leben von Syam Ben Youssef 2017

  • 28 Jahre, 40 Länderspiele (1 Tor)
  • Wechsel zum türkischen Verein Kasimpasa: "Die türkische Meisterschaft ist in diesem Jahr in eine neue Dimension vorgestoßen. Die Stadien und Spielfelder sind fantastisch, von den Anhängern ganz zu schweigen. Solche Trainingsplätze habe ich in meinem Leben nicht gesehen. Unser Trainingskomplex ist wohl einer der besten Europas. Ich genieße das und fühle mich sehr wohl. Ich hoffe wirklich, dass wir eine gute Saison spielen."
  • Das Leben in Istanbul: "Ich kannte die Stadt bereits ein wenig, aber ich entdecke sie neu, das ist großartig. Es ist eine der schönsten Städte, die ich besucht habe. Und das Essen! Inzwischen habe ich mich beruhigt, aber als ich ankam, wollte ich alles essen!"
  • Seine Träume und Ziele: "Ich habe Europa League gespielt, das würde ich gerne wieder tun. Oder eine Champions League. Und warum nicht eine Afrikameisterschaft? Und natürlich eine WM für alle Tunesier, meine Eltern und Brüder. Mein Land und meine Familie bei der WM zu vertreten, das wäre fantastisch."