• Erstmals seit 12 Jahren stehen die Salomon-Inseln in der WM-Qualifikation wieder im Ozeanien-Playoff
  • Bei einem Erfolg gegen Neuseeland würde der Traum von einem Duell gegen ein südamerikanisches Team wahr
  • Für Stürmer Benjamin Totori ist das Playoff "eine Chance, Fussballgeschichte zu schreiben"

Wie groß sind wohl die Chancen, dass ein Superstar wie Lionel Messi, Alexis Sanchez oder Luis Suárez in einigen Monaten auf den Salomon-Inseln um die Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ kämpfen muss? Auf den ersten Blick scheint dies ein eher unwahrscheinliches Szenario. Doch in den nächsten Tagen entscheidet sich im kontinentalen Playoff-Duell, ob Neuseeland oder die Salomon-Inseln als ozeanischer Vertreter in das interkontinentale Playoff gegen das fünftplatzierte Team aus Südamerika einzieht.

Neuseeland geht als klarer Favorit in das Duell, das am Freitag mit dem Hinspiel in Auckland beginnt. Am Dienstag folgt dann das Rückspiel in Honiara. Doch die Salomon-Insulaner haben zwölf lange Jahre auf eine derartige Gelegenheit gewartet und sind fest entschlossen, diese Gelegenheit bestmöglich zu nutzen.

2005 musste Australien mit Stars wie Viduka, Cahill und Co. zum Ozeanien-Playoff auf den Salomon-Inseln antreten. Unter den Zuschauern war damals auch ein vielversprechender junger Spieler, der davon träumte, eines Tages selbst auf dieser Bühne zu stehen. Tatsächlich ist Stürmer Benjamin Totori nun ein erfahrener Schlüsselspieler im Team der Salomon-Inseln, wobei sich seine Karriere bereits dem Ende zuneigt. Totori war der erste Spieler von den Salomon-Inseln, der an einer FIFA Klub-Weltmeisterschaft teilnahm. Mit seinem Gastspiel bei den Portland Timbers wurde er auch zum ersten Einheimischen, der außerhalb der südlichen Hemisphäre für Furore sorgte.

Doch das alles ist Vergangenheit. Jetzt scheint der größte Erfolg in der Geschichte des salomonischen Fussballs in Reichweite und Torjäger Totori kommt im Team der Bonitos eine Schlüsselrolle zu.

Fussballhochburg mitten im Pazifik
Die melanesische Inselnation ist schlicht und ergreifend fussballverrückt. Im Lawson Tama Stadium sind fünfstellige Besucherzahlen an der Tagesordnung – obgleich nur rund 200.000 Menschen auf der Hauptinsel leben.

"Für uns ist jedes Heimspiel eine große Sache", so Totori gegenüber FIFA.com. "Es ist immer wieder beeindruckend, wenn wir in Honiara spielen. Die Salomon-Inseln sind eine fussballbegeisterte Nation. Für uns ist es eine große Ehre, vor unserem Heimpublikum zu spielen. Wir freuen uns immer sehr darauf. Wenn wir zu Hause ein gutes Resultat holen, wäre das ein toller Erfolg für uns."

Vor einigen Monaten holte man den Spanier Felipe Vega-Arango als Cheftrainer an Bord. Er soll die perfekte Erfolgsformel aus europäischem Pragmatismus und melanesischem Flair finden.

"In den letzten Monaten unter dem neuen Trainer lief bei uns im Training einiges anders und auch unsere Spielweise hat sich verändert", so Totori. "Unser Selbstvertrauen ist im Vorfeld dieses Spiels von Tag zu Tag gewachsen. Salomonische Spieler machen sich normalerweise nicht allzu viele Gedanken über die Spiele. Jetzt aber sind wir viel konzentrierter und trainieren unter Felipe professioneller. Er hat Vertrauen in uns und wir haben Vertrauen in ihn."

"Wir spielen jetzt anders als in den vergangenen Jahren", so Totori weiter. "Man kann durchaus sagen, dass wir jetzt auch mental besser vorbereitet sind. Wir lernen jeden Tag, gedankenschnell zu reagieren. Unter diesem Trainer haben wir schon sehr viel gelernt. Uns fehlt nur noch ein Schritt zu einem Duell gegen ein südamerikanisches Spitzenteam. Das wird also ein sehr wichtiges Spiel für uns. Entsprechend groß ist unsere Motivation. Wir sind bereit und voll konzentriert."

Ganz sicher wird Totori in dieser Woche auch das ein oder andere Mal an seinen Traum als Teenager auf der Tribüne des Lawson Tama Stadium zurückdenken.

"Das Alter geht auch an mir nicht spurlos vorbei, aber jetzt habe ich noch einmal 180 Minuten vor mir, in denen ich für mich selbst und das Land Fussballgeschichte schreiben kann", so Totori zum Abschluss. "13 Jahre später stehe ich nun selbst hier auf dem Feld. Für mich ist die Zeit gekommen, Teil der Geschichte zu werden."