• Blerim Dzemaili von Montreal Impact ist in der Form seines Lebens
  • Der Mittelfeldspieler will mit der Nationalelf eine neue Stufe erreichen
  • "Wir haben das beste Team unserer Geschichte", versichert er

Nationalelf, Herausforderungen, ein neues Land und ein neues Leben -  Blerim Dzemaili gelingt derzeit alles. Jahr für Jahr ist der Schweizer mit zunehmender Erfahrung besser geworden, entwickelte sich zu einer tragenden Säule der Schweizer Nati und wurde von zahlreichen Klubs umworben. Mit 31 Jahren entschied sich der Mittelfeldspieler, der beim FC Zürich, FC Turin, SSC Neapel oder Galatasaray aktiv war, zu einem Wechsel nach Kanada. Und er schwebt immer noch auf Wolke sieben. 

Nach einer bemerkenswerten Saison 2016/17 beim FC Bologna nahm Dzemaili bei Impact Montreal eine neue Herausforderung an. Dieser Wechsel, der wie aus heiterem Himmel kam, erwies sich als goldrichtige Entscheidung. Der Mittelfeldakteur setzte sich schon bald durch und sorgt mit hervorragenden Statistiken für Furore. Durchschnittlich gelingt ihm fast in jedem zweiten Spiel ein Treffer. "Ich habe einen Lauf und bin fest entschlossen, diesen Schwung weiter zu nutzen", sagt er im Gespräch mit FIFA.com. Innerhalb von kaum vier Monaten hat der Schweizer alle Beobachter überzeugt. 

"Mich reizte die Herausforderung, zum Wachstum von Impact beizutragen. Der Klub befindet sich - wie die ganze MLS - am Scheideweg. In den kommenden Jahren wird sich die Liga stark weiterentwickeln. Es sind alle Voraussetzungen gegeben, um zuversichtlich nach vorne zu schauen. Ich bin in einem Moment gekommen, in dem der Klub bereit ist, eine neue Stufe zu erreichen", sagt Dzemaili lächelnd. Der Schweizer freut sich vor allem darüber, den richtigen Instinkt gehabt zu haben und seinem Drang nach neuen Herausforderungen gefolgt zu sein.

Hätten Sie's gewusst?
- Dzemaili begann seine Karriere beim FC Zürich zeitgleich mit Gökhan Inler
- In der Nationalmannschaft musste er seinem ehemaligen Partner indes oft den Vortritt lassen 
- Die WM 2010 verpasste der Schweizer verletzungsbedingt
- Dzemaili spricht fünf Sprachen
- Mit Montreal lernt er die fünfte Meisterschaft und den neunten Klub seiner Profikarriere kennen

"Ich verstehe die Spieler nicht, die sich manchmal über ihren Beruf beschweren und sagen, dass sie zu wenig Zeit mit der Familie verbringen können", sagt er. "Ich werde noch 45 Jahre haben, um viel Zeit mit meinen Angehörigen zu verbringen. Bis dahin mache ich das Beste aus meiner Karriere und habe noch immer genauso viel Spaß wie am Anfang. Manchmal vergesse ich, dass der Fussball mein Beruf ist", betont Dzemaili, der sich in der Form seines Lebens befindet. Seine Augen werden noch strahlender, als die WM zur Sprache kommt.

Verantwortung
Der Schweizer hätte für sein Land Geschichte schreiben können, wenn sein Schussversuch gegen Argentinien im Achtelfinale von Brasilien 2014 nicht am Pfosten gelandet wäre. "Nach einigen Wochen hatte ich mich davon erholt, doch in dem Moment war das schwer zu verdauen", räumt er ein. "Das bestätigt, dass es im Fussball manchmal auf Kleinigkeiten ankommt und es liegt an uns, sie zu beherrschen." Vier Jahre zuvor hinderte eine Verletzung den im mazedonischen Tetovo geborenen Spieler an der WM-Teilnahme. 2006 in Deutschland stand er zwar im Kader, hatte jedoch keine Gelegenheit, sich auf dem Platz zu zeigen. Heute, wenige Monate vor Russland 2018, ist der Mittelfeldspieler besser in Form denn je - und auch seine Landsleute.

Die Nati surft seit Beginn der Qualifikation auf einer Welle des Erfolgs. Auf den wichtigen 2:0-Auftakterfolg gegen den Europameister Portugal in Gruppe B der Europa-Qualifikation ließen die Schweizer fünf weitere Siege folgen. Sie befinden sich nun auf auf dem besten Weg in Richtung Russland. "Ich bin erfahren genug, um zu wissen, dass sich das Blatt schnell wenden kann. Wir dürfen uns nicht auf den guten Ergebnissen ausruhen, sondern müssen noch härter arbeiten und in den Spielen schneller zum Torerfolg kommen", betont der Offensivspieler, der von Nationaltrainer Vladimir Petković bevorzugt als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff eingesetzt wird.

Dzemaili steht sinnbildlich für die positive Entwicklung, die das Schweizer Team zuletzt genommen hat. Schnörkellos, aber effizient und konstant. Bescheiden, aber zuversichtlich. Der Spielmacher entwickelte sich kontinuierlich weiter, wie die ganze Mannschaft, die in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste inzwischen den vierten Rang belegt. "Als Mannschaft sind wir bereits sehr stark, doch angesichts der Qualität des Kaders können wir es auch individuell noch besser machen. Wir haben das beste Team in der Geschichte des Landes", sagt er voller Überzeugung. "Deshalb ist es unsere Pflicht, eine neue Stufe zu erreichen", schließt er. Da trifft es sich gut, dass der kommende Sommer im richtigen Moment eine neue Herausforderung bereithält...

Das Restprogramm der Schweiz
31. August: Schweiz - Andorra
3. September: Lettland - Schweiz
7. Oktober: Schweiz - Ungarn
10. Oktober: Portugal - Schweiz