Während in der Heimat nach und nach die Mauer fiel, mussten sich Franz Beckenbauer und seine Schützlinge in Italien gegen ganz andere Bollwerke durchsetzen. Darunter waren der amtierende Europameister Niederlande und der WM-Titelverteidiger Argentinien sowie Spieler wie Dragan Stojkovic, Carlos Valderrama, Marco van Basten, Tomas Skuhravy, Paul Gascoigne und Diego Maradona. Erschwerend kamen Verletzungen, Sperren und auch noch fehlende Stollen hinzu. All diesen Widrigkeiten zum Trotz holten die Deutschen den Titel.

FIFA.com hat einige interessante Zahlen zum Titelgewinn der DFB-Auswahl bei der 14. Auflage der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zusammengetragen.

1.001 Länderspiele häuften die zwölf deutschen Spieler, die im Endspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1990™ in Rom zum Einsatz kamen, bis zum Ende ihrer Karriere an (im Schnitt knapp über 83 pro Spieler). Die 13 Spieler Argentiniens brachten es zusammen nur auf 480 Einsätze (37 pro Spieler).

76 deutsche Angreifer, die es nicht in den WM-Kader schafften, hatten in der Bundesligasaison 1989/90 mehr Tore erzielt als Frank Mill, der als einer von vier Stürmern nominiert wurde. Mill hatte es in dieser Saison in 24 Einsätzen für Borussia Dortmund lediglich auf zwei Tore gebracht. Er war seit 17 Länderspielen ohne Torerfolg und stand kurz vor seinem 32. Geburtstag. Dennoch erhielt er überraschend den Vorzug vor Spielern wie Stefan Kuntz, Roland Wohlfarth und Fritz Walter.

33 Jahre und vier Monate war Paul Steiner alt, als er durch seine Einwechslung im letzten Vorbereitungsspiel vor der WM-Endrunde gegen Dänemark zum bis dahin viertältesten Debütanten aller Zeiten in einer DFB-Auswahl wurde. Der Verteidiger vom 1. FC Köln spielte danach nie wieder für Deutschland und beendete seine Karriere mit der kuriosen Bilanz von einem Länderspieleinsatz und einem Weltmeistertitel. Steiner ist bis heute der fünftälteste deutsche Debütant. Noch älter waren nur: Martin Max (Debüt 2002, 33 Jahre und 253 Tage), Karl Tewes (Debüt 1920, 34 Jahre und 39 Tage), Matthias Mauritz (Debüt 1959, 34 Jahre und 188 Tage), Karl Sesta (Debüt 1941, 35 Jahre und 83 Tage).

30 Prozent aller Stimmen bekam Jürgen Klinsmann für seine Leistung gegen die Niederlande im Achtelfinale und damit die beste Bewertung eines Einzelspielers bei dem Turnier. Nachdem sein Sturmpartner Rudi Völler bereits Mitte der ersten Halbzeit einen Platzverweis kassiert hatte, "spielte Klinsmann für beide und zeigte dabei eine brillante, ja fast perfekte Vorstellung", schrieb damals die Süddeutsche Zeitung. Bei der Abstimmung unter Medienvertretern landete Klinsmann vor Stojkovic gegen Spanien, Guido Buchwald gegen Argentinien, Roger Milla gegen Kolumbien, Lothar Matthäus gegen Jugoslawien und Luis Miguel Michel gegen die Republik Korea.

25 Spielminuten dauerte es bis zum frühesten der insgesamt 15 Tore der BR Deutschland in Italien. Im Gegensatz dazu hatte die DFB-Auswahl 1954 in der Schweiz sieben ihrer Turniertore vor der 25. Spielminute erzielt. Nur ein einziges anderes Weltmeisterteam benötigte noch länger als die Westdeutschen bis zum ersten Tor, nämlich Brasilien vier Jahre später – allerdings auch nur eine Minute.

23 Jahre war Bodo Illgner im Finale der FIFA Fussball-WM 1990 erst alt und damit der jüngste Torhüter aller Zeiten in einem WM-Endspiel. Peter Shilton, sein Gegenüber im Halbfinale gegen England, hatte sein Debüt in der höchsten englischen Spielklasse für Leicester City bereits ein Jahr vor Illgners Geburt gefeiert.

13 Elfmeter bei WM-Endrunden verwandelten die deutschen Auswahlteams bis zum erfolgreichen Strafstoß von Andreas Brehme, ohne auch nur einen einzigen zu verschießen. Der in Hamburg geborene Torschütze hatte seinen einzigen anderen Elfmeter in der regulären Spielzeit in einem Länderspiel allerdings verschossen. Er trat nur an, weil der reguläre Schütze Matthäus einen der Stollen an seinem rechten Schuh verloren hatte. Brehme ist bis heute der einzige Spieler, der bei WM-Endrunden Elfmeter mit beiden Füßen verwandeln konnte.

10 Tore erzielten die Westdeutschen in Gruppe D. Von den bislang zwölf Mannschaften, die in der Gruppenphase eine zweistellige Torquote aufweisen konnten, hat nur eine weitere ebenfalls den WM-Titel geholt, nämlich Brasilien 2002.

6 Tore und Vorlagen standen am Ende des Turniers in Italien für den Linksverteidiger Andreas Brehme zu Buche. Das war die zweitbeste Offensivausbeute hinter dem italienischen Stürmer Salvatore Schillaci, der es auf sieben (sechs Tore und eine Vorlage) brachte. Für einen Verteidiger ist dies indes mit Abstand die beste Bilanz bei einer WM-Endrunde.

5 Anläufe brauchten die Westdeutschen, bis sie zum ersten Mal ohne Gegentor blieben. Italien gewann 1938 als einziges anderes Team den Titel, ohne in einem der ersten vier Spiele eine weiße Weste behalten zu haben. Ironischerweise wurde Illgner dann zum ersten Torhüter, der in einem WM-Finale ohne Gegentor blieb. Dies war ihm jedoch gar nicht bewusst, bis er vier Jahre später während des Turniers in den USA in Illinois von einem Reporter darauf angesprochen wurde!

5 Spieler in der Startaufstellung der DFB-Auswahl spielten damals bei italienischen Klubs. Brehme, Matthäus und Klinsmann standen bei Inter Mailand unter Vertrag, während Thomas Berthold und Rudi Völler für AS Rom spielten. Das einzige andere Team, das mit mehr als drei in ein und demselben anderen Land aktiven Spielern in ein siegreiches WM-Finale startete, war Frankreich. Bei den Bleus standen 1998 gegen Brasilien mit Lilian Thuram, Marcel Desailly, Zinédine Zidane und Youri Djorkaeff vier Italien-Legionäre in der Startaufstellung.

3 Mannschaften haben den WM-Titel geholt, ohne auf dem Weg dorthin ein einziges Mal in Rückstand zu geraten. Deutschland gelang dies 1990 als letztem Team. Zuvor war dies zwei Mal Italien gelungen, nämlich 1938 (bei nur vier Spielen) und erneut 1982.

2 Volleytore innerhalb von 23 Minuten erzielten die Schützlinge von Franz Beckenbauer in ihrem letzten Qualifikationsspiel für Italien 1990 und qualifizierten sich damit erst in letzter Sekunde. Die BR Deutschland landete in der Qualifikationsgruppe 4 nur auf Platz zwei hinter den Niederlanden und wäre ohne den Sieg gegen Wales im letzten Qualifikationsspiel nicht einer der zwei besten Gruppenzweiten gewesen. In diesem Fall wäre Dänemark qualifiziert gewesen. Die DFB-Auswahl lag nach einem Treffer von Malcolm Allen zurück, konnte sich dann aber dank Toren von Rüdi Völler und Thomas Hässler (sein erstes Länderspieltor) doch noch das WM-Ticket sichern.

1 einziger Spieler hat es in einem WM-Spiel geschafft, mit beiden Füßen von außerhalb des Strafraums ein Tor zu erzielen, nämlich Matthäus 1990 gegen Jugoslawien. Der damals 29-jährige Mittelfeldspieler löste sich vor dem 1:0 leichtfüßig von seinem Bewacher und setzte den Ball dann mit links aus knapp 23 Metern flach ins Eck. Dabei hatte er nach eigenem Bekunden erst im Jahr zuvor von Giovanni Trapattoni gelernt, mit links zu schießen. In der zweiten Halbzeit zeigte Matthäus dann einen starken Alleingang aus der eigenen Hälfte, ließ auf dem Weg nach vorn Davor Jozic mit einer schönen Körpertäuschung aussteigen und jagte die Kugel aus gut 25 Metern mit dem rechten Fuß ins Netz.