• Dick Advocaat ist zum dritten Mal Nationaltrainer der Niederlande
  • Der Trainer-Routinier (69) übernahm im Mai, als die Mannschaft in höchster Not war
  • Bei FIFA.com spricht er über neues Selbstvertrauen und neue WM-Hoffnung

Dick Advocaat sollte eigentlich am Strand liegen oder Golf spielen. Der Trainer-Routinier wird kommenden Monat 70 – und er hatte erst im März geschworen, er sei nur noch und endgültig Rentner.

Ein Telefonanruf später war dieser Schwur allerdings schon wieder vergessen. Der Anruf kam, wie sollte es anders sein, von der niederländischen Nationalmannschaft. Diese hatte Advocaat zuvor schon zwei Mal hauptverantwortlich betreut, nachdem er Assistenztrainer des großen Rinus Michels gewesen war. Und diesmal war es obendrein weniger ein einfacher Anruf als ein dramatischer Hilferuf.

Schließlich hatte Oranje schon die auf 24 Teilnehmer erweiterte UEFA Europameisterschaft verpasst und lag nun – nach allerdings erst fünf absolvierten Spielen in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ – schon wieder sechs Punkte hinter Frankreich. Die Niederländer liefen Gefahr, das zweite große Turnier in Folge zu verpassen. Nur ein paar Monate später ist der Rückstand auf die Hälfte geschrumpft. Still und leise hat Advocaat der Mannschaft das kollektiv verloren gegangene Selbstbewusstsein wiedergegeben.

Doch gerettet sind die Niederlande noch lange nicht, zumal diese Woche ein Doppelspieltag ansteht – erst bei Tabellenführer Frankreich und dann zu Hause gegen Bulgarien, das das Hinspiel in Sofia mit 2:0 gewinnen konnte. Doch Advocaat ist in so zuversichtlicher und entspannter Stimmung, dass er sogar mitten in der Vorbereitung Zeit fand, fünf zentrale Fragen mit FIFA.com zu besprechen.

Zum dritten Mal Cheftrainer von Oranje: Vertraut oder frisch?
Es fühlt sich jedenfalls ganz natürlich an. Ich war ja nicht nur Nationaltrainer in den Niederlanden sondern auch in einigen anderen Ländern. Ich weiß also inzwischen, wie der Hase läuft, und habe durchaus das Gefühl, ich weiß, was ich in dieser Position zu tun habe. Aber natürlich ist es gerade in meinem Alter nochmal eine besondere Aufgabe, weil es mein Heimatland ist.

Der Trick mit dem neuen Selbstbewusstsein: Wo kommt es her?
Wir haben noch immer einige erfahrene Spieler im Kader. Auf die habe ich verstärkt gesetzt. Sie kennen den Fussball, sie kennen die Mitspieler. Das hilft sehr. Ich war immer der Auffassung, wenn wir wieder mehr Struktur in die Mannschaft und unsere Spielweise bekommen, wendet sich das Blatt und wir sind für jeden Gegner unangenehm zu spielen. Außerdem ist nichts so gut fürs Selbstbewusstsein wie Siege und die hatten wir zuletzt. Aber jetzt geht es gegen andere Mannschaften mit anderen Qualitäten. Darauf müssen wir eingestellt sein.

Wichtiger Doppelspieltag: Entscheiden die kommenden beiden Partien gegen Frankreich (auswärts) und Bulgarien (zu Hause) darüber, ob die Niederlande unter die ersten Zwei kommen?
Es sind zumindest zwei immens wichtige Spiele sowohl für uns als auch für unsere Konkurrenten. In der Tabelle ist es wieder eng. Zwischen uns und Frankreich und Schweden liegen gerade einmal drei Punkte, da lastet eine Menge Druck auf den beiden Mannschaften an der Spitze. Wir dürfen nur auf uns schauen und müssen uns auf das konzentrieren, was wir tun können, um unsere Lage zu verbessern. Die Zeit zum Ende des Transferfensters ist immer schwierig. Manche Spieler sind nicht fit, andere spielen nicht oder sind nicht bei der Sache, weil sie noch den Verein wechseln wollen. Wir müssen sehen, inwieweit uns diese Spieler weiter bringen.

Frankreich in Frankreich schlagen: Ein Ding der (Un-)Möglichkeit?
Wir haben höchsten Respekt vor Frankreich. Frankreich könnte drei komplette Mannschaften hochkarätig besetzen, so viele Klassespieler hat das Land. Aber wir müssen unser Spiel spielen und unsere Chancen nutzen – und die werden wir bekommen. Ich habe mir die Auswärtsniederlage von Frankreich in Schweden angesehen: Schweden kam häufig zum Abschluss und hatte viele Torgelegenheiten. Wenn wir unsere Ordnung halten, ist für uns was drin.

Freudige Rückkehr: Werden Sie als Ex-Trainer von Zenit Sankt Petersburg und Russland zur WM zurück an Ihrer alten Wirkungsstätte sein?
Ich würde mit dieser Mannschaft liebend gern nach Russland zurückkehren. Und noch haben wir alles selbst in der Hand. Damit das so bleibt, müssen wir all unsere Spiele gewinnen. Das wird nicht einfach. Aber eines ist sicher: Wir werden unser absolut Bestes geben.