• Helmut Schön hält mit 25 Partien den Rekord für die meisten WM-Spiele als Trainer
  • Schön nahm mit Deutschland an vier Weltmeisterschaften teil
  • 1974 wurde Schön mit Deutschland Weltmeister im eigenen Land

Helmut Schön ist der bislang erfolgreichste Bundestrainer der deutschen Fussballgeschichte und einer der erfolgreichsten in der Historie des runden Leders überhaupt. Er holte den WM- und EM-Titel und hält bis heute einen WM-Rekord.

Seine Erfolge wurden 1974 mit dem Silbernen Lorbeerblatt des Bundespräsidenten und dem Großen Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Obendrein ernannte ihn der DFB 1980 zum Ehrenmitglied, 1984 erhielt er den FIFA-Verdienstorden und am 1. September 2015 gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke zu seinem 100. Geburtstag heraus. 

Der Trainer galt als Feingeist und als exzellenter Pädagoge, dem es gelang aus einer Vielzahl an charismatischen Top-Spielern eine funktionierende Einheit zu formen und so den deutschen Fussball auf ein neues Level zu hieven. Zu seinem Markenzeichen wurde die Schirmmütze, die er stets tief über die Stirn zog.

Der Trainer
"Ich bin davon überzeugt, dass die überwältigende Mehrheit der treuen Zuschauer vor allem eines sehen will: guten, echten, spannenden, sportlichen Fussball - und keinen Firlefanz"

So lautete Helmut Schöns Credo. Es sollte dem ehemaligen deutschen Nationaltrainer Erfolg bescheren. Udo Jürgens besang ihn als "General mit Herz", für Franz Beckenbauer, der Schöns Mannschaft das spielerische Format verlieh und sein verlängerter goldener Arm war, war er ein "Trainer von großem Format und von großer Menschlichkeit".

Der in Dresden geborene Schön prägte den deutschen Fussball ähnlich wie seine Weltmeister-Kollegen Sepp Herberger (1954), Franz Beckenbauer (1990) oder Joachim Löw (2014). Der "Lange" wie er im Kreis der Nationalspieler wegen seiner 1,90m liebevoll genannt, aber stets respektvoll mit "Herr Schön" angeredet wurde, gilt als Segen für den deutschen Fussball und zwischen 1964 und 1978 spielte die deutsche Nationalmannschaft unter seiner Führung nicht nur erfolgreichen, sondern auch besonders ansehnlichen Fussball. "Helmut Schöns Mannschaft eröffnete einen neuen Zeitabschnitt im Fussball", schrieb etwa die Mailänder Corriere della Serra.

Schöns Erfolgsbilanz ist einzigartig: Bei seiner ersten WM als Cheftrainer trat er direkt aus dem langen Schatten Herbergers und Deutschland wurde 1966 in England Vizeweltmeister, vier Jahre später stand nach der Halbfinal-Niederlage im "Jahrhundertspiel" gegen Italien der dritte Platz zu Buche. In der goldenen Ära mit dem EM-Titel 1972 und dem WM-Triumph 1974 im eigenen Land ging das breite Lächeln Schöns unter seiner Mütze um die Welt – "Der Mann mit der Mütze" gilt auch deshalb als der erfolgreichste Bundestrainer in der 116-jährigen Geschichte des DFB.

Es gibt nur drei Nationaltrainer vor und nach Schön, die mithalten können: Der Italiener Vittorio Pozzo (zwei Weltmeistertitel 1934 und 1938), der Spanier Vicente del Bosque (Weltmeister 2010, Europameister 2012) und Joachim Löw (WM-Dritter 2010 und Weltmeister 2014). Aber alle drei können keine zusätzlichen Podiumsplätze vorweisen.

Der Rekord 
Am 21. Juni 1978 traf die deutsche Nationalmannschaft mit Schön als Trainer bei der FIFA WM in Argentinien in Córdoba auf Österreich. Es war das 25. WM-Spiel bei seiner vierten WM als DFB-Trainer für Schön – Rekord. Kein Trainer hat je bei mehr WM-Spielen auf der Trainerbank Platz genommen.

Seine Bilanz liest sich dabei durchaus beachtlich: Bei vier WM-Teilnahmen stehen 16 Siegen vier Niederlagen und fünf Unentschieden gegenüber [Anm.d.Red.: die verlorenen Spiele nach Verlängerung im WM-Finale 1966 und im WM-Halbfinale 1970 wurden als Niederlagen gewertet] . Bei der WM 1966 verlor man lediglich das Finale gegen den Gastgeber in einem legendären Spiel im Wembley-Stadion mit einem noch legendäreren Treffer.

1970 in Mexiko musste Deutschland ebenfalls nur einmal als Verlierer das Feld verlassen und erneut war es ein Spiel, das als das "Jahrhundertspiel" in die WM-Geschichte einging. Am Ende wurde Schön mit seinem Team WM-Dritter. 1974 folgte dann der WM-Titel im eigenen Land. Doch auch hier gab es eine Niederlage für das DFB-Team, die für immer in Erinnerung bleiben wird. Ausgerechnet im deutschen Bruderduell gegen die Deutsche Demokratische Republik musste man sich geschlagen geben.

Hans Krankl sorgte dann vier Jahre später in der 88. Minute mit dem Siegtreffer zum 3:2 für Österreich bei der WM 1978 für den unrühmlichen Schlusspunkt einer einzigartigen WM-Trainerkarriere Schöns. Schon vor der Weltmeisterschaft hatte Schön seinen Rücktritt vom Bundestrainerposten nach dem Turnier erklärt und so ging mit diesem glanzlosen Turnier in Argentinien die erfolgreiche Ära beim DFB zu Ende.

Die Erinnerungen 
"Diesen Abschied hat Helmut Schön nicht verdient."
Berti Vogts, Helmut Schöns Kapitän bei der WM 1978, direkt nach der 2:3-Blamage gegen Österreich in Córdoba

"Helmut Schöns Stärke war, die Mannschaft mit außergewöhnlichen Individualisten zu führen und dabei jedem seine Individualität zu lassen"
Vogts heutzutage über die Stärken seines damaligen Nationaltrainers

"Er nahm es der Mannschaft übel, dass sie verloren hatte - und sprach am nächsten Tag kein Wort mit uns. Dass er uns seine tiefe Enttäuschung auf diese Weise spüren ließ, anstatt uns eine Standpauke zu halten oder Strafen auszusprechen, war für alle höchst bedrückend. Das war ihm eigen. Helmut Schön motivierte nicht durch laute Ansprachen, er motivierte, indem er beleidigt war. Es fühlte sich an, als hätte man den eigenen Vater enttäuscht."
Bernd Hölzenbein über Schöns Strategie nach der Niederlage gegen die DDR 1974 

"Sein Lebenswerk ist Legende geworden."
Egidius Braun, damaliger DFB-Präsident, nach dem Tod von Helmut Schön im Alter von 80 Jahren im Februar 1996