• Roger Milla wurde 1994 zum ältesten WM-Torschützen aller Zeiten
  • Der Kameruner hatte eigentlich fünf Jahre zuvor seine Karriere beendet
  • Der Präsident und die Fans drängten ihn zur Rückkehr

"Ehrlich gesagt fand ich es völlig normal, dass ich nicht normal bin."

So blickte Roger Milla auf die außergewöhnlichen Karrieremomente zurück, die er mit Ende 30 und Anfang 40 erlebte. Der Kameruner schrieb bei zwei WM-Endrunden Fussballgeschichte: Bereits 1990 wurde er zum ältesten WM-Torschützen aller Zeiten. Vier Jahre später brach er dann seinen eigenen Rekord im überaus reifen Fussballeralter von 42 Jahren.

Bei dem Turnier 1994 spielte er an der Seite von und gegen Akteure, die noch nicht einmal geboren waren, als er selbst mehr als 21 Jahre zuvor in einem WM-Qualifikationsspiel gegen Zaire sein erstes Länderspieltor erzielte. Einige von ihnen lagen noch in den Windeln, als Milla 1976 zum ersten Mal zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt wurde.

Doch trotz dieser frühen Erfolge und einer durchaus ansehnlichen Vereinskarriere in Frankreich wurde Milla erst in einem Alter weithin bekannt, in dem die meisten anderen Spieler ihre Schuhe längst an den sprichwörtlichen Nagel gehängt haben.

Der Spieler
2007 feierte der afrikanische Kontinentalverband CAF seinen 50. Gründungstag und führte eine Abstimmung zum besten afrikanischen Spieler in diesen fünf Jahrzehnten durch. Die Wahl der Abstimmungsteilnehmer fiel auf Milla.

Eine solche Ehrung wäre noch in den späten 80er Jahren undenkbar gewesen, als der Stürmer seine Profikarriere beendete und seine Laufbahn als Amateur auf der Insel La Réunion fortsetzte.

Kameruns russischer Trainer Valeri Nepomniatchi hatte eigentlich nicht geplant, den 38-Jährigen in seinen Kader für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1990™ zu berufen. Doch dann erließ Präsident Paul Biya einen folgenschweren Erlass. Biya bestand darauf, dass Milla zum Kader gehören müsse und rief den Spieler persönlich an, um seine Kooperation zu sichern. "Ich finde, er (Biya) war wohl gar kein schlechter Trainer", sinnierte Milla später mit einem Lächeln.

Diese Entscheidung war durchaus umstritten und stieß im kamerunischen Kader keineswegs nur auf Zustimmung. Doch sie erwies sich als goldrichtig. Milla stand in Italien zwar bei keinem Spiel in der Startaufstellung Kameruns, doch mit vier Toren gehörte er dennoch zu den Topstars des Turniers. Der Makossa-Tanz an der Eckfahne, mit dem er seine Treffer feierte, machte ihn weltweit bekannt.

Mit seinen Erfolgen bei der WM 1990 sicherte er sich einen derartigen Status, dass er sogar vier Jahre später, nunmehr im Alter von 42 Jahren, erneut in die Nationalmannschaft zurück geholt wurde. Und auch dieses Mal reagierte er, wie es nur Milla vermochte.

Der Rekord
Als sich Milla im letzten Spiel Kameruns bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™ seinen Weg durch die russische Abwehr bahnte und den Ball in die Maschen setzte, brach er damit den Rekord, den er selbst vier Jahre zuvor aufgestellt hatte. Zuvor war der legendäre Schwede Gunnar Gren mehr als drei Jahrzehnte lang der älteste WM-Torschütze gewesen. Er traf 1958 beim 3:1-Halbfinalsieg von Gastgeber Schweden gegen die BR Deutschland im Alter von 37 Jahren und 236 Tagen.

Es war schon bemerkenswert genug, dass Milla als erster und bis heute einziger Spieler mit mehr als 38 Jahren bei einer WM traf und seinem Team damit 1990 zum Vorstoß bis ins Viertelfinale verhalf. Regelrecht sensationell war dann, dass er vier Jahre später erneut dabei war und 39 Tage nach seinem 42. Geburtstag einen Rekord aufstellte, der für die Ewigkeit gemacht zu sein scheint.

Er tat dies nur eine Minute nach seiner Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit bei einer 1:6-Niederlage gegen Russland, bei der auch Gegenspieler Oleg Salenko einen WM-Rekord aufstellte, indem er als einziger Spieler der Turniergeschichte fünf Tore in einem Spiel erzielte.

Schon durch seinen Einsatz war Milla zum ersten afrikanischen Spieler geworden, der bei drei WM-Endrunden dabei war, und zum ältesten Spieler, der je bei einer WM-Endrunde spielte. Diesen Rekord verlor er allerdings 2014 an den 43-jährigen kolumbianischen Torhüter Faryd Mondragon, der beim 4:1-Sieg der Caféteros gegen Japan zwischen den Pfosten stand.

Die Erinnerungen
"Die Kameruner haben mich 1994 gedrängt, wieder zu spielen, denn sie dachten ich sei der einzige, der Tore schießen könnte. Sie hatten einfach kein Vertrauen in einen der anderen Spieler. Ich spielte damals für den kamerunischen Klub Tonnerre Yaoundé und war fit und bereit. Ob ich auch selbstsicher war? Ja, unbedingt.

"Ich habe immer gut auf meinen Körper geachtet. Ich habe nie etwas getan, das meine Fitness beeinträchtigt hätte. Ich habe kein wildes Leben geführt, sondern ein sehr gesundes. Ab und zu habe ich ein halbes Glas Wein getrunken, aber nie mehr an Alkohol.

"[Dass ich zum ältesten Torschützen wurde] ist zwar eine Ehre, aber es ist mir nicht übermäßig wichtig. Natürlich erinnere ich mich noch gern an das Tor, doch wie man so schön sagt: Rekorde sind dafür da, gebrochen zu werden. Und warum eigentlich nicht von einem weiteren kamerunischen Spieler?"
Roger Milla