Ein Spiel im Lawson-Tama-Stadion auf den Salomon-Inseln ist immer etwas Besonderes. Die Spielstätte in der Hauptstadt Honiara ist mit Abstand die größte Arena außerhalb Neuseelands und auf dem ganzen Kontinent für seine stimmungsvolle Atmosphäre an den Spieltagen bekannt. Am Fuße eines großen Berghangs gelegen, lockt das Stadion regelmäßig fünfstellige Zuschauerzahlen an, wenn die Lokalhelden aufs Feld marschieren. Angesichts der Tatsache, dass auf der Insel Guadalcanal, auf der Honiara liegt, kaum 100.000 Einwohner leben, eine bemerkenswerte Anzahl.

Die kommende Qualifikationspartie auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018 wird für die einheimischen Fans eine noch größere Bedeutung als sonst haben. Eine Niederlage gegen Papua-Neuguinea wäre praktisch gleichbedeutend mit dem Ausscheiden. Mit einem Sieg aber wäre das Ticket zur Playoff-Runde der OFC gegen Neuseeland zum Greifen nahe.

Und es gibt noch einen weiteren Anreiz. Ein Weiterkommen auf Kosten von Papua-Neuguinea würde die Karriere von Sportidol Henry Fa'Arodo noch ein wenig verlängern. Nach 15 Jahren treuer Dienste für die Bonitos, wie das Nationalteam genannt wird, neigt sich eine Laufbahn auf Spitzenniveau ihrem Ende zu. Fa’Arodo gehört zu den wenigen Salomonern, die den Sprung in den Profifussball geschafft haben und für Perth Glory in der australischen A-League aktiv war. Kürzlich avancierte er zum Rekordnationalspieler der Salomon-Inseln und ist neben seinen ehemaligen Kollegen Batram Suri und Commins Menapi einer der beliebtesten Sportler des Landes.

Alles oder nichts 
Die Salomon-Inseln empfangen zunächst Papua-Neuguinea, bevor wenige Tage später das Rückspiel in Port Moresby über die Bühne geht. Vier Punkte würden jeder Mannschaft jeweils reichen, um weiterzukommen. Eine geringere Ausbeute würde den Weg für Tahiti freimachen. Fa’Arodo setzt auf den Heimfaktor, denn er weiß, dass der Ruf von Lawson Tama pazifikweit bekannt ist.

“Wir haben immer den Rückhalt der Zuschauer und der ganze Pazifik weiß, was es heißt, auf den Salomonen zu spielen", sagt Fa’Arodo im Gespräch mit FIFA.com. "Es ist gut, ein Publikum zu haben, das hinter den Salomonen steht und etwas patriotischer ist. Zuhause zu spielen ist immer eine gute Chance für uns, alle Punkte zu holen, und das haben wir vor."

Trotz seiner 34 Jahre hat Fa’Arodo nichts von seinem Können eingebüßt und wurde nach einer herausragenden Saison für Western United als bester Spieler der nationalen Liga ausgezeichnet. Zumal gerade die Erfahrung des Stürmers unbezahlbar ist für einen Kader, dessen Mitglieder wenige internationale Auftritte haben. Die in Vanuatu spielenden Harrison Mala und Charlie Otainao sowie der Star von Auckland City, Micah Lea’alafa, sind die einzigen drei auslandserfahrenen Akteure, die in letzter Zeit in die Nationalmannschaft berufen wurden.

Die glorreichen Tage wiederbeleben 
Doch Fa’Arodo, der einst für seine Schnelligkeit berühmt war, ist sich dessen bewusst, dass das Alter ein Gegner ist, der nicht besiegt werden kann. "Für mich war es eine schöne Karriere, aber alle guten Dinge gehen irgendwann zu Ende", sagt er.

"Es könnte mein letztes Spiel auf der internationalen Bühne sein. Das motiviert mich, ein wenig mehr zu erreichen. Ich habe einige WM-Qualifikationspartien erlebt, einschließlich der Australien-Spiele. Ich würde gern auf einem Höhepunkt abtreten und in dieser Qualifikation etwas Besonderes erreichen."

Jene "Australien-Spiele", auf die sich Fa'Arodo bezieht, waren wohl der größte Moment in der Sportgeschichte des Landes. Damals kam der berühmte niederländische Trainer Guus Hiddink in der WM-Qualifikation für Deutschland 2006 mit einer mit Stars gespickten Mannschaft in die Stadt - Mark Viduka, Tim Cahill und andere. Fa’Arodo erzielte einen Elfmetertreffer und Australien behielt nur knapp mit 2:1 die Oberhand. Jenes Spiel war Teil einer denkwürdigen Qualifikationsphase, in der Neuseeland früh aus dem Wettbewerb geworfen und zuvor ein 2:2 gegen die Socceroos erreicht wurde.

Seitdem haben sich die Fortschritte der Salomon-Inseln auf der internationalen Bühne in Grenzen gehalten. Doch als neuer Technischer Direktor des Verbands, der auch für die Entwicklung zuständig ist, kann Fa'Arodo bei der zukünftigen Ausrichtung des einheimischen Fussballs ein Wörtchen mitreden.

"Es gibt besser ausgebildete Trainer mit größerem Wissen und mehr Spielverständnis als zu meiner Zeit", sagt Fa'Arodo. "Ich denke, dass der salomonische Fussball vor einer guten Zukunft steht. Wir wollen ein Land sein, mit dem im Pazifik gerechnet werden muss."