• Veljko Paunovic führte Serbien bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2015 zum Titelgewinn
  • Serbiens A-Nationalmannschaft führt die Qualifikationsgruppe für Russland 2018 an
  • Der Trainer von Chicago Fire spricht über die "unglaubliche" Neuverpflichtung Bastian Schweinsteiger

"Wenn Serbien die Qualifikation für Russland schafft, wird das Unglaubliches bewirken. Wegen der Bedeutung des Fussballs ist praktisch garantiert, dass die Gesellschaft, die Industrie, dass alles davon profitiert."

Das sagt Veljko Paunovic und er spricht aus Erfahrung. Er war schließlich selbst serbischer Nationalspieler. Doch nicht nur das. Weniger weit zurück liegen seine Zeit als Trainer der U-20-Nationalmannschaft seines Landes und der Titelgewinn bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2015. Die Erinnerungen sind noch frisch.

Bei der Rückkehr aus Neuseeland wurden Paunovic und seine Spieler von 50.000 singenden, Bengalos schwenkenden Fans in Belgrad gefeiert. Das, sagt er, verdeutliche die Bedeutung des Fussballs in einem Land mit vielen Problemen.

"Das war einfach atemberaubend", so der heutige Trainer von Chicago Fire bei FIFA.com. "Es ist ja bekannt, dass es Serbien in den letzten 20, 30 Jahren nicht leicht hatte. Fussball ist in unserem Land wie eine Religion."

"Schon vor 2015 hat Serbien Weltmeisterschaften gewonnen, etwa im Basketball oder in anderen Sportarten. Und jedes Mal, wenn die erfolgreiche Mannschaft zurück kam, ließ sie sich auf dem Balkon dieses historischen Gebäudes in Belgrad von den Leuten feiern", weiß Paunovic außerdem. "Aber die Leute, die in diesem Gebäude arbeiten, sagten, sie hätten noch nie so einen Ansturm und so einen Empfang erlebt wie den für meine Jungs aus der U-20. Das war wunderbar und es zeigt, wie fussballverrückt unser Land ist."

Doch bei aller Leidenschaft hatten die Fans in den letzten Jahren wenig zu jubeln, was die A-Nationalmannschaft angeht. Für keines der letzten drei großen Turniere konnte sich Serbien qualifizieren. Der Weg nach Russland 2018 gestaltet sich nun aber um einiges besser. Die Mannschaft von Slavoljub Muslin ist nach fünf Spielen in Gruppe D noch ungeschlagen und steht auf Platz eins.

"Das ist großartig und macht Mut", findet Paunovic. "Aber noch liegen große Herausforderungen vor uns, die wichtigsten Spiele der Qualifikation kommen noch. Wenn die Mannschaft zusammenrückt wie eine Familie, dann bin ich sicher, sie schafft den Sprung nach Russland."

Angesichts des erstaunlichen Erfolges von Paunovic mit der U-20-Auswahl in Neuseeland rechneten viele damit, dass ihm die Aufgabe übertragen würde, Serbien zur WM 2018 in Russland zu führen. Doch es kam anders. Seine Stellung innerhalb des Verbands verschlechterte sich nach dem Triumph bei der U-20-Weltmeisterschaft und Paunovic zog es in die USA, wo er schon seine aktive Karriere beendet hatte.

"Ich bin seit unserer gemeinsamen Zeit bei Philadelphia Union im Jahr 2011 gut mit Nelson Rodriguez, dem heutigen Geschäftsführer von Chicago Fire, befreundet", erklärt der ehemalige Mittelfeldspieler von Atlético Madrid. "Schon damals erkannte ich, dass diese Liga ein riesiges Potenzial hat. Als sich mir dann die Chance bot, wieder in die MLS zu gehen und erneut mit Nelson zusammen zu arbeiten – der meine Leidenschaft für Fussball zu hundert Prozent teilt – da habe ich keine Sekunde gezögert.

Seit meiner Zeit in der U.S.-Liga hat sich sehr viel verbessert. Das gilt für die Klasse der Spieler und Trainer ebenso wie für Trainingsgelände, Infrastruktur, Organisation – alles. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Diese Liga wird noch besser."

Amtierende Weltmeister zu verpflichten, schadet da gewiss nicht. Just das ist Chicago Fire im März gelungen, als man Bastian Schweinsteiger unter Vertrag nahm. Der 32-jährige Mittelfeldspieler hat alles gewonnen, was es im Fussball zu gewinnen gibt. Allein 121 Mal spielte er für Deutschland. Entsprechend viel Erfahrung bringt er mit – von seinem Können ganz zu schweigen. Trainer Paunovic zeigt sich aber vor allem beeindruckt vom Ehrgeiz und von der Bescheidenheit des Bayers.

"Wir haben lange nach einem passenden Spieler mit der passenden Persönlichkeit gesucht. Wir dachten immer, dass Bastian auf dieses Profil passen würde, wussten aber nicht, ob wir ihn verpflichten können. Aber schon im ersten Gespräch wurde klar, dass er nicht nur perfekt in die Mannschaft passen würde sondern auch unbedingt zu uns wechseln wollte.

Nun ist er da und übertrifft sogar meine kühnsten Erwartungen. Seine Einstellung, sein Engagement, sein Siegeswille und seine Bereitschaft, die Mitspieler an seiner Erfahrung, seinen Ideen und seinem Fussballwissen teilhaben zu lassen, sind unglaublich. Ich kann das gar nicht hoch genug bewerten. Es ist ein Segen, einen solchen Spieler in unseren Reihen zu haben."