• Nach 86 Spielen wieder ein Sieg für Andorra: im Testspiel gegen San Marino
  • Nach fast zwölf Jahren erster Punkt in einem offiziellen Spiel: ein Remis gegen die Färöer
  • Teamkapitän Ildefons Lima über das Ende der Negativserie

"Für uns war das eine Erleichterung." Und das aus gutem Grund. Kein anderes FIFA-Mitglied musste so viele Niederlagen in Folge hinnehmen wie Andorra. Dennoch hinterlässt der Sieg gegen San Marino am 20. Februar bei Ildefons Lima einen bitteren Nachgeschmack.

"Die Freude war natürlich groß, aber gleichzeitig bist du auch etwas traurig, weil dieser Sieg gegen ein Team gelang, das dieselben Dramen erlebt wie das eigene. Hoffen wir, dass sie auch bald Grund zur Freude haben werden." Nach der Niederlage gegen Andorra hat San Marino mittlerweile 75 sieglose Partien hinter sich.

Lima erklärt im Gespräch mit FIFA.com, dass solche Spiele gegen einen Gegner auf Augenhöhe immer mit mehr Anspannung verbunden sind. "Bei Teams wie San Marino hast du schon Angst zu verlieren, weil du dir sagst: 'Wenn wir schon gegen die verlieren, die in einer ähnlichen Situation sind wie wir…'. Trotzdem versuchen wir, alle Partien gleich anzugehen, unabhängig vom Gegner. Wir wissen genau, wer wir sind und dass wir 1000 Prozent geben müssen, um etwas zu erreichen."

Der Triumph, der vierte Andorras seit das Land 1996 Mitglied der FIFA wurde, hat das Team motiviert. Gerade einmal einen Monat später konnte eine weitere Negativserie beendet werden. Das 0:0 gegen die Färöer-Inseln am 25. März im Rahmen der Europa-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ war seit elfeinhalb Jahren der erste Punkt in einer offiziellen Partie.

"Für uns ist das fast so viel wert wie ein Sieg bei einer WM! Diese Spiele sind für uns kleine Endrunden", erklärt er.

Fünf Begegnungen stehen in der Qualifikation noch aus und wir wollten wissen, ob diese guten Ergebnisse Andorra wohl genügend Auftrieb geben werden, um die Bestmarke aus der Qualifikation für Deutschland 2006 zu übertreffen. Damals holte das winzige Land nämlich fünf Punkte.

Lima bleibt jedoch realistisch. "Damals hatten wir viele Profis im Kader. Es bleibt noch viel zu tun, um ein besseres Niveau zu erreichen. Zu einer solchen Verbesserung wird es kommen, wenn viele Spieler im Ausland aktiv sind. Die andorranische Liga kommt über den Amateurstatus nicht hinaus."

Hätten Sie's gewusst?

  • Lima war bei dreien der vier Siege Andorras dabei, nämlich gegen Belarus (2000), Albanien (2002) und San Marino (2017). 2004 verpasste er den 1:0-Sieg gegen Mazedonien aufgrund einer Sperre.
  • Mit 105 Länderspielen belegt er in der ewigen Liste den zweiten Platz, nur ein Spiel hinter Rekordspieler Óscar Sonejee, der seine Karriere bereits beendet hat.
  • Er führt die ewige Torjägerliste Andorras mit elf Treffern an.
  • Er sammelt Trikots und hätte gern eines von jedem FIFA-Mitgliedsverband.

Lima ist 37 Jahre alt und ein Weltenbummler, der bereits im spanischen, italienischen, griechischen und sogar im mexikanischen Profifussball aktiv war. "Willy Fog", meint er lachend. Derzeit spielt er beim andorranischen Klub Santa Coloma und hofft, dass sein Körper noch eine Weile mitspielt und er eine weitere Qualifikationsrunde absolvieren kann. Sein nächstes Ziel hat er klar vor Augen.

"Vor allem würde ich gern Rekordnationalspieler werden. Das ist bei Andorra nicht leicht. Schließlich bestreitest du mit dem Team weder Tausend Freundschaftsspiele noch Endrunden." Zwei Spiele fehlen ihm noch, um den Rekord zu knacken. Einen hält er jedoch bereits, und zwar den des besten Torschützen – und das als Innenverteidiger. "Eine Mannschaft wie unsere nutzt häufig Standardsituationen, und ich bin groß. Außerdem haben unsere Elfmeterschützen mittlerweile aufgehört. Also habe ich mich aufgerafft, und jetzt schieße ich die Elfer", meint er gut gelaunt.

Tatsächlich war er in der Qualifikation für die EURO 2016 mit drei Treffern der torgefährlichste Verteidiger. "Ich würde gern noch eins schießen, bevor ich meine Karriere beende, aber elf sind auch schon viel. Das Ganze gestaltet sich nämlich schwierig, weil wir bei manchen Spielen nicht einmal nah genug ans gegnerische Tor kommen, um die Trikotfarbe des Torhüters erkennen zu können!"

Ein weiteres Ziel, das Lima sich gesteckt hat, ist die Erweiterung seiner Trikotsammlung, die er in einem eigens angefertigten Schrank aufbewahrt. "Ich habe wohl so 500 oder 600, und eines meiner Ziele ist es, alle Trikots der FIFA-Mitglieder zu bekommen. Ich habe schon etwa 100, darunter auch einige ganz seltene wie Aruba! Es müssen getragene Trikots sein, nicht aus dem Laden", betont er.

Bevor er sich von uns verabschiedet, spricht Lima noch von seinen letzten Errungenschaften, den Nationaltrikots von Ruanda und Sierra Leone. "Ich habe mich über Facebook an den Hersteller gewandt…ja, ich weiß, ich bin wirklich ein Nerd."