• Kolumbiens Mittelfeldspieler haben sieben der acht letzten Quali-Tore erzielt
  • Im März 2016 fiel das letzte Stürmertor durch Carlos Bacca
  • Ex-Nationalspieler Juan Pablo Angel analysiert das Phänomen

Im vergangenen März war Kolumbien darauf angewiesen, einen Coup zu landen. Um nach einem schwachen Beginn in der Südamerika-Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018 bis auf den zweiten Rang vorzustoßen, brauchten Los Cafeteros in der Auswärtspartie gegen Ecuador in Quito einen Sieg. Mit einer der besten Leistungen in der Vorausscheidung errang das Team ein wertvolles 2:0. Die Treffer erzielten James Rodriguez und Juan Cuadrado, zwei Mittelfeldakteure. Es ist dieser Mannschaftsteil, der in der Auswahl von José Pekerman derzeit für die meisten Tore verantwortlich zeichnet.

Von den sieben besten Teams der Qualifikation ist Kolumbien nach Argentinien das mit der niedrigsten Trefferquote. Es hat nach 14 Spielen gerade 18 Tore auf dem Konto (die Albiceleste kommt auf 15). Dies verdankt es vor allem den Akteuren in der Zentrale: In den acht letzten Partien waren sieben der acht letzten Treffer das Werk eines Mittelfeldspielers. Den restlichen steuerte ein Innenverteidiger bei.

"Technisch gesehen ist es ein sehr variables und selbstbewusstes Team", schwärmt Juan Pablo Ángel im Gespräch mit FIFA.com. Der kolumbianische Ex-Nationalstürmer, der 29 Qualifikationspartien zwischen 1996 und 2005 bestritt, räumt zwar ein: "Auf dem Papier ist es eine Mannschaft, die torgefährlicher sein müsste." Gleichzeitig betont er die individuelle Klasse, die im Mittelfeld vorhanden ist.

"Wir haben einen James, der viel reifer geworden ist. Cuadrado ist bei Juventus weiterhin ein wichtiger Spieler. Edwin Cardona erreicht in Monterrey wieder sein altes Niveau. Mateus Uribe von Atlético Nacional hat sich im Nationalteam einen Platz erobert. Er ist mit seiner Kopfballstärke sowohl hinten wie auch vorne sehr präsent und torgefährlich."

Der ehemalige Spieler von Medellín, River Plate und Aston Villa verweist außerdem auf "den Beitrag von einigen Flügelspielern wie Orlando Berrío. Früher hatte Kolumbien dort weniger Möglichkeiten. Aber auch Miguel Borja war gegen Ecuador sehr wichtig. Er ist schnell und torgefährlich, kann aber auch den Ball halten, bis die Mittelfeldspieler nachrücken."

Tatsächlich leistete Borja, in Quito als einzige Spitze aufgeboten, die Vorarbeit zum ersten Torerfolg gegen Ecuador. Er stieß von der linken Seite in Richtung Strafraum vor und legte für James auf. Der Zehner Kolumbiens ist der torgefährlichste aller Mittelfeldspieler und steuerte drei der letzten acht Treffer bei. Cuadrado, Cardona, Abel Aguilar, Macnelly Torres und der Verteidiger Yerry Mina erzielten die restlichen Tore.

Erstaunlich an dieser Statistik ist, dass seit dem 29. März 2016 kein einziges Tor auf das Konto eines Stürmers geht. An jenem Tag war Carlos Bacca in der Hinrundenpartie gegen Ecuador zweimal erfolgreich. Der Spieler von AC Mailand (3) ist neben Teófilo Gutiérrez (1) der einzige Angreifer, der in der Qualifikation überhaupt getroffen hat.

Ángel sieht den Grund dafür aber nicht in der Schwäche seiner Stürmerkollegen, sondern verweist auf die Mannschaftsleistung insgesamt in der bisherigen Qualifikation. Nicht zufällig lag Kolumbien vor dem letzten Doppelspieltag noch auf dem sechsten Platz, jenseits der Qualifikationsplätze für die WM oder Playoff-Runde.

"Die Gründe liegen im spielerischen Bereich, anders lässt sich das nicht erklären. Die kolumbianischen Stürmer bringen in ihren jeweiligen Teams, die alle in starken Ligen vertreten sind, ihre Leistung und sind effektiv. Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass sie nicht nur Probleme haben, Tore zu machen, sondern dass sie Probleme haben, überhaupt Torchancen zu kreieren."

Kolumbien liegt derzeit auf Rang zwei, allerdings mit nur vier Punkten Vorsprung auf den verhängnisvollen sechsten Platz. Das Restprogramm gegen Venezuela (A), Brasilien (H), Paraguay (H) und Peru (A) hat es in sich. Dennoch sieht Ángel die Möglichkeit, dass die Stürmer in diesen Begegnungen wieder zu alter Treffsicherheit zurückfinden.

"Es ist sehr schwer, daran zu arbeiten, weil wenig Zeit zur Verfügung steht. Aber je besser das Zusammenspiel wird, wie gegen Ecuador gesehen, und je mehr die Automatismen zurückkommen, desto besser und erfolgreicher werden unsere Stürmer wieder sein. Wenn wir ihnen regelmäßig Chancen erarbeiten, werden sie die Tore schießen, die in der Qualifikation so selten waren."

Hätten Sie's gewusst?

  • James Rodríguez (5) und der Chilene Arturo Vidal (6) sind die einzigen Mittelfeldspieler, die in der Qualifikation fünf oder mehr Tore erzielt haben
  • José Pekerman hat in der bisherigen Qualifikation 13 Stürmer eingesetzt
  • Radamel Falcao bestritt nur vier Partien und feierte keinen Torerfolg.