68 Jahre dauerte es, bis Frankreich erstmals das von einem Franzosen ins Leben gerufene Weltturnier gewinnen konnte. 2 Kopfballtore erzielte Zinédine Zidane auf dem Weg zum Finalsieg gegen Brasilien. Und in der 93. Minute versetzte schließlich ein Spieler mit einem Pferdeschwanz dem Rekord-Titelträger den endgültigen K.o. All diese Zahlen sind Fussballfans wohlbekannt. Doch es gibt im Zusammenhang mit Frankreichs Titelgewinn bei der 16. Auflage der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ noch eine ganze Reihe weiterer teils kurioser Fakten, die eine Erwähnung wert sind. FIFA.com bringt sie Ihnen näher.

170.000 französische Francs gewann Emmanuel Petit an einem Spielautomat in Monte Carlo – in gewisser Weise eine Spätfolge des Titelgewinns der Bleus im Stade de France. Nach dem Finalsieg gegen Brasilien gab Arsène Wenger, damals Petits Trainer bei AS Monaco, dem frisch gebackenen Weltmeister fünf Tage frei. Petit mietete sich daraufhin in einem Luxushotel in Monte Carlo eine Suite und steckte zum Spaß eine Zehn-Franc-Münze in einen einarmigen Banditen. Prompt gewann er eine Summe, die heute knapp EUR 26.000 entspricht! Petit spendete den Gewinn großzügig an eine Wohlfahrtsorganisation.

92 Prozent aller Franzosen wünschten sich laut einer Umfrage des französischen Fernsehens im April 1998 die Entlassung von Nationaltrainer Aimé Jacquet. Bei einem Freundschaftsturnier im eigenen Land im Sommer 1997 hatten die Bleus kein einziges Spiel gewonnen und waren hinter England und Brasilien gelandet. Auch bei drei Freundschaftsspielen in Folge gegen Norwegen, Russland und Spanien waren sie sieglos geblieben, und seit einem 2:0-Sieg gegen Portugal im Januar 1997 (Tore durch Didier Deschamps und Ibrahim Ba) hatten sie kein Spiel mehr mit mehr als einem Tor Vorsprung gewonnen. Ganz anders dann das Ergebnis einer Umfrage des Magazins France Football im Jahr 2000, bei der Jacquet vor Albert Batteux und Michel Hidalgo zu Frankreichs Trainer des Jahrhunderts gewählt wurde.

18 war Frankreichs Position in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste vor Beginn der WM-Endrunde – hinter Teams wie Ägypten, Marokko, Norwegen, Japan und den USA. Seit Einführung der Weltrangliste im Jahr 1993 ist kein späterer Weltmeister von einer schlechteren Position in die Endrunde gestartet. Brasilien war vor 1994 auf Platz drei und vor 2002 auf Platz zwei zu finden. Italien war vor 2006 als 13. ins Turnier gegangen. Spanien und Deutschland lagen vor den Endrunden 2010 beziehungsweise 2014 jeweils auf Platz zwei.

13 Sekunden vergingen lediglich zwischen der Balleroberung durch Christophe Dugarry im französischen und dem Torschuss zum 3:0-Endstand durch Emmanuel Petit im gegnerischen Strafraum. Patrick Vieira spielte den letzten Pass auf seinen Teamkameraden vom FC Arsenal. Es war das sechste Tor in einem WM-Finale seit 1950, bei dem der Torschütze den Ball von einem Klubkameraden zugespielt bekam. Bobby Moore spielte 1966 zwei Torvorlagen für Geoff Hurst (beide Spieler von West Ham United), Pelé legte 1970 für Carlos Alberto auf (FC Santos) und Paolo Rossi sowie Marco Tardelli bekamen ihre Vorlagen 1982 von Claudio Gentile und Gaetano Scirea (alle vier von Juventus Turin).

6 Spieler wurden erst unmittelbar vor dem Turnier aus Frankreichs Kader gestrichen und die meisten wurden von der Entscheidung völlig überrascht. 28 Spieler waren für zwei Wochen im Trainingszentrum Clairefontaine zusammengezogen worden. An einem Freitagabend strich Jacquet dann ein halbes Dutzend. Torhüter Lionel Letizi hatte eher gehofft als erwartet, es in den WM-Kader zu schaffen, doch Martin Djetou, Pierre Laigle, Sabri Lamouchi, Ibrahim Ba und Nicolas Anelka, dem man sogar die Rolle der Sturmspitze zugetraut hatte, waren nach ihrer Streichung ziemlich fassungslos.

4 Mitglieder des französischen WM-Kaders wurden nicht im europäischen Kernland geboren. Noch mehr Spieler aus Überseegebieten hatte nur Italien 1934 im Kader, nämlich sieben. Die vier Franzosen waren Marcel Desailly (geboren in Ghana), Christian Karembeu (Neukaledonien), Lilian Thuram (Guadeloupe) und Patrick Vieira (Senegal). Mehrere weitere Spieler wuchsen im Ausland auf, beispielsweise Bernard Lama in Guyana und David Trézéguet in Argentinien.

3 Weltmeister von 1998 gingen nach dem Ende ihrer Karriere als Fussballer in anderen Sportarten an den Start. Alain Boghossian nahm an der Alps Tour teil, einer Turnierserie für Profigolfer. Fabien Barthez wurde Autorennfahrer. Er gewann die französische GT-Meisterschaft in einem Ferrari nahm auch am weltbekannten Rennen 24 Stunden von Le Mans teil. Bixente Lizarazu wiederum, der nebenbei auch Sportarten wie Surfen, Eisschnelllauf und Skeleton betreibt, nahm an Wettbewerben im Brasilianischen Jiu-Jitsu teil. Bei der Europameisterschaft in Lissabon holte er 2009 in der Klasse der Blaugurte die Goldmedaille. "Als ich dort ankam, sah ich überall nur rasierte Köpfe, zerdrückte Ohren und echte Killergesichter. Ich dachte bei mir "Ach du dickes Ei!" Auf dem Fussballfeld hatte ich Jungs wie Blanc, Desailly und Thuram an meiner Seite, aber auf der Matte bin ich ganz allein."

3 Platzverweise kassierte Frankreich 1998 und damit mehr als alle anderen Weltmeisterteams. Bei den vorherigen WM-Endrunden war noch nie ein Franzose vom Platz gestellt worden. Bei der Auflage 1998 indes kassierte Zinédine Zidane im Gruppenspiel gegen Saudiarabien eine Rote Karte für einen Tritt gegen Fuad Amin, Laurent Blanc wurde im Halbfinale nach einem Foul an dem Kroaten Slaven Bilic des Feldes verwiesen und Marcel Desailly sah im Finale gegen Brasilien zunächst Gelb und dann Gelb-Rot. Italien ist das einzige andere Team, das auf dem Weg zum Gewinn des Weltmeistertitels mehr als einen Platzverweis kompensieren musste. 2006 wurden Daniele De Rossi und Marco Materazzi des Feldes verwiesen.

2 Tore kassierte Frankreich lediglich auf dem Weg zum Titelgewinn 1998. Diesen Rekord stellten Italien 2006 und Spanien 2010 ein. Die BR Deutschland kassierte im Gegensatz dazu auf dem Weg zum Wunder von Bern 1954 nicht weniger als 14 Gegentore. Fabien Barthez hielt seinen Kasten im eigenen Land in fünf Partien sauber und teilt sich mit dem Engländer Peter Shilton den Rekord von insgesamt zehn WM-Spielen ohne Gegentor.

1 Weltmeister hat sich für das vorangegangene Turnier nicht qualifiziert, nämlich Frankreich. Die Bleus benötigten in ihrem letzten Qualifikationsspiel für die WM-Endrunde 1994 in den USA nur ein Unentschieden gegen Bulgarien. Doch nachdem sie in Paris durch Eric Cantona in Führung gegangen waren, gelang Emil Kostadinov der Ausgleich für die Gäste und dann in der letzten Minute sogar der Siegtreffer für die Außenseiter. Bei dieser bitteren Niederlage waren bereits die späteren Weltmeister Bernard Lama, Laurent Blanc, Marcel Desailly, Didier Deschamps und Emmanuel Petit dabei.

1 Mal trug sich Lilian Thuram in seinen 142 Länderspielen für Frankreich lediglich in die Torschützenliste ein, das allerdings gleich doppelt! Der Mann, der in insgesamt elf Saisons in allen Wettbewerben nur ein einziges Tor für seinen Klub erzielte, wählte für seine beiden WM-Tore einen absolut entscheidenden Moment: Im Halbfinale gegen Kroatien beförderte er den Ball mit rechts zum Ausgleich und mit links zum Sieg in die Maschen. Im Achtelfinale gegen Paraguay hatten die Buchmacher noch eine Quote von 40/1 für Wetten auf einen Treffer Thurams geboten. Damit lag Thurams Quote um mehr als das Sechseinhalbfache über der für den gegnerischen Torhüter José Luis Chilavert (6/1).