• Ronaldinho und Zidane trafen im Viertelfinale von Deutschland 2006 aufeinander
  • Frankreichs Nummer 10 war bereits 34 und kurz vor dem Ruhestand, überstrahlte aber seinen Gegner
  • "Zidane war die magische Figur in der Partie", meinte Pelé

Der gegenseitige Respekt war nicht zu übersehen. Ronaldinho und Zinédine Zidane, die herausragenden Zehner von Brasilien und Frankreich, waren in den drei Jahren vor dem WM-Viertelfinale 2006 im Clásico der spanischen Liga schon mehrfach aufeinander getroffen. Die gegenseitige Bewunderung bestand in des schon sehr viel länger.

"Zidane ist einer der besten Fussballer aller Zeiten und eines meiner Idole", hatte der Star vom FC Barcelona einmal über den Akteur von Real Madrid gesagt. "Ronaldinho ist einfach große Klasse, ein wirklich großartiger Spieler", lautete Zidanes Antwort

Brasilien galt bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ als Topfavorit. Ronaldinho war 2004 und 2005 zum FIFA-Weltfussballer des Jahres gewählt worden und hatte gerade mit Barça die UEFA Champions League gewonnen. Er hatte den Höhepunkt seines Könnens erreicht.

Ronaldinhos wichtigste Trophäen
1 Titelgewinn bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft
1 Titelgewinn bei der Copa América
1 Titelgewinn bei der UEFA Champions League
2 Mal Auszeichnung als FIFA-Weltfussballer des Jahres

Im Gegensatz dazu hatte Zidane seinen Zenit überschritten und stand vor dem Ende seiner Karriere. Der 34-Jährige hatte schon drei Monate zuvor angekündigt, nach der WM zurückzutreten. "Ich kann nicht noch ein Jahr weiter machen", hatte er gesagt. "Unser letzter Titelgewinn [mit Madrid] ist schon drei Jahre her, und in zwei davon habe ich nicht so gespielt wie ich wollte. Und ich werde nicht wieder besser spielen als in diesen Jahren."

Auch die französische Presse vertrat diese Auffassung und zahlreiche Experten hielten die Zeit für gekommen, den alternden Regisseur auszumustern. Er sei nicht mehr in der Lage, die Spiele wie früher zu beeinflussen und zu dirigieren. Die Rufe der Kritiker wurden lauter, nachdem die Bleus mit einem torlosen Remis gegen die Schweiz und einem 1:1-Unentschieden gegen die Republik Korea in die WM-Endrunde gestartet waren.

Und auch nachdem Frankreich den Sprung in die K.-o.-Runde geschafft hatte und Zidane beim 3:1-Sieg im Achtelfinale gegen Spanien selbst einen Treffer beigesteuert hatte, erwartete niemand von ihm eine derartig herausragende Leistung, wie er sie dann im Viertelfinale in Frankfurt zeigte. Viele sehen Zizous Leistung in diesem Spiel gegen Brasilien als die beste seiner gesamten spektakulären Karriere. Dabei war seine Vorlage zum Siegtreffer durch Thierry Henry nur einer von vielen ebenso fantastischen wie eleganten Momenten.

Und auch Zidane selbst sagte 2013 in einem Interview mit FIFA.com: "An diesem Tag lag etwas Magisches über dem Platz."

Zidanes wichtigste Trophäen
1 Titelgewinn bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft
1 Titelgewinn bei der UEFA-Europameisterschaft
2 Titelgewinne in der UEFA Champions Leagues (ein Mal als Spieler, ein Mal als Trainer)
3 Mal Auszeichnung als FIFA-Weltfussballer des Jahres

Die Medien vollzogen sofort eine Kehrtwende. Die französische Zeitung La Provence beispielsweise bezeichnete Zidane als "Meister ohnegleichen" und fügte hinzu, er sei "brasilianischer als die Brasilianer."

Im Gegensatz dazu schrieb die brasilianische Zeitung Estado de São Paulo über Rondaldinho, er sei "die große Enttäuschung der WM." Der 26-Jährige, so schrieb der Journalist, habe "schlecht gespielt, nicht gedribbelt, keinen einzigen Schuss aufs Tor gewagt, Fehlpässe gespielt und nicht einen Moment lang Verantwortung übernommen."

In das Loblied für Zidane stimmten indes auch die Brasilianer mit ein. "Er hat den Ausschlag gegeben, stärker noch als 1998", sagte beispielsweise der Trainer der Seleção, Carlos Alberto Parreira. "Das war wohl seine beste Leistung in den vergangenen acht Jahren."

"Zidane war die magische Figur in der Partie", befand auch Pelé, der unter den begeisterten Zuschauern in Frankfurt war. "Er ist ein wahrer Meister. In den letzten zehn Jahren hat es keinen vergleichbaren Spieler gegeben. Er ist der beste Spieler der Welt."

Hätten Sie's gewusst?
Zidane und Thierry Henry hatten vor diesem Viertelfinale bereits 55 gemeinsame Länderspiele bestritten, aber noch nie nach einer Kombination ein Tor erzielt. Das Original-Trikot des Torschützen aus diesem Spiel ist im FIFA Welt Fussball Museum ausgestellt.