Schon vor dem Anstoß hatten die Fans der Republik Korea die Parole ausgegeben und eine riesige türkische Flagge sowie ein Banner mit der Aufschrift: "Wir sind Freunde!" entrollt. Dass diese Worte durchaus ernst gemeint waren, wurde klar, als sie bei der Verlesung der Spielernamen in Daegu die türkischen Akteure ebenso bejubelten wie die eigenen.

Zur Belohnung erlebten sie ein überaus packendes, spannendes und historisches Spiel um Platz drei und wurden von den Gästen aus der Türkei ihrerseits mit Lob überschüttet. Der türkische Nationaltrainer Senol Gunes freute sich über die "absolut fantastische" Fairness und die von den 63.000 Zuschauern erzeugte Atmosphäre.

Mit sportlicher Fairness glänzte auch das Team von Gunes selbst, nicht nur in dieser Partie, sondern während des gesamten Turnierverlaufs. Den Türken gelang indes in diesem Spiel etwas scheinbar unmögliches, nämlich die koreanischen Fans zum Verstummen zu bringen – als nämlich Hakan Sukur nach nur elf Sekunden das schnellste Tor der WM-Geschichte erzielte.

In den sechs zuvor absolvierten Spielen hatte Sukur nicht getroffen. Doch im Spiel um Platz drei ließ er noch zwei Torvorlagen für Ilhan Mansiz folgen, so dass Gunes' Schützlinge sich am Ende mit 3:2 durchsetzten. Es war der größte Erfolg in der Fussballgeschichte der Türkei. ''Meine Mannschaft hat den Türken Hoffnung und Glück geschenkt", so der Trainer voller Stolz

Und auch das Team der Republik Korea schrieb mit seinem besten Abschneiden aller Zeiten nach Erfolgen gegen gestandene Fussballgrößen wie Portugal, Italien und Spanien Fussballgeschichte. ''Natürlich wären wir selbst gern Dritter geworden, unbedingt", sagte Guus Hiddink, der niederländische Trainer der Koreaner nach der knappen Niederlage gegen die Türkei. "Doch wenn ich sehe und höre, wie das Publikum auf die Mannschaft reagiert und was sie in der zweiten Halbzeit geleistet hat, dann kann ich auch so überaus stolz auf die Jungs sein.''

Die Fans verdienten sich auch nach dem Abpfiff weiterhin Bestnoten und so kamen die Spieler beider Mannschaften zusammen, um sich, wie auf diesem Bild gezeigt, gemeinsam für die unglaubliche Stimmung und die Unterstützung von den Rängen zu bedanken. Sukur und sein Mitspieler Fatih Akyel liefen sogar eine Ehrenrunde mit einer südkoreanischen Flagge. Die türkischen Medien überschütteten nicht nur die eigene Mannschaft sondern auch die koreanischen Fans mit Lob.

"Unsere koreanischen Freunde haben eine perfekte Lehrstunde für Sportlichkeit und Fairplay geliefert", schrieb beispielsweise die türkische Zeitung Milliyet. "Die Bilder der Freundschaft waren unglaublich. Große türkische und südkoreanische Flaggen wurden Seite an Seite geschwenkt. Gute Spielzüge der türkischen Mannschaft wurden ebenso bejubelt wie solche der südkoreanischen Mannschaft. Und die Atmosphäre der Freundschaft wurde auch nach dem Spiel bewahrt. Spieler beider Teams bedankten sich Hand in Hand, Arm in Arm, beim Publikum. Diese überwältigende Freundlichkeit trieb unseren Spielern Tränen der Rührung in die Augen."

Und sie lieferte ein weiteres Beispiel für die unvergleichliche Kraft des Fussballs und der Weltmeisterschaft, Menschen zu einen und zu begeistern.

Hätten Sie's gewusst?
Der legendäre südkoreanische Nationalspieler Ahn Junghwan besuchte kürzlich das FIFA Welt Fussball Museum, erfreute sich an zahlreichen interaktiven Ausstellungsstücken und schwelgte in Erinnerungen an sein unvergessliches Golden Goal bei der WM 2002 gegen Italien.