Die größten Fussballrivalitäten gibt es in der Regel unter Nachbarn. Wenn das Schicksal dann auch noch dafür sorgt, dass die Rivalen in ganz entscheidenden Turnierinstanzen aufeinandertreffen, ist die Tragweite einer solchen Begegnung noch größer. Genau das war in den letzten Jahren im Duell zwischen Argentinien und Chile regelmäßig der Fall.

Nachdem Chile sich im Finale der Copa América 2015 und der Copa América Centenario 2016 jeweils gegen den Nachbarn durchsetzen und den Titel holen konnte, hat das Duell noch an Brisanz gewonnen. Nun werden sich La Roja und die Albiceleste am 23. März im Rahmen der Südamerika-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ erneut gegenüberstehen, und zwar im Estadio Monumental in Buenos Aires.

"Diese Partie wird uns einiges abverlangen, weil beide Teams Punkte brauchen", bestätigt der chilenische Mittelfeldspieler Marcelo Díaz im Exklusiv-Interview mit FIFA.com. "Argentinien steht jetzt auf dem Playoff-Platz und muss unbedingt gewinnen." Tatsächlich rangiert die Auswahl von Edgardo Bauza mit einem Punkt Rückstand auf Chile auf dem fünften Platz. Die Chilenen belegen derzeit den vierten und letzten direkten Qualifikationsplatz. Es fehlen nur noch sechs Spiele, und jeder Ausrutscher kann die Teams teuer zu stehen kommen.

"Es wird für alle sehr aufregend sein, im Monumental von River Plate anzutreten. Vor allem im Hinblick auf die große Rivalität, die sich in den letzten Jahren mit Argentinien entwickelt hat. Das wird für beide Mannschaften ein sehr schweres Spiel werden. Natürlich hoffe ich, dass Chile als Sieger daraus hervorgeht", so der Spieler von Celta Vigo, für den die Partie eine besondere Schwierigkeit mit sich bringt. "Der beste Spieler, gegen den ich je angetreten bin, ist Messi. Es gibt keinen wie ihn. Er ist der beste der Welt und wird es noch lange bleiben", meint er, nachdem er kürzlich in der spanischen Liga unter der Inspiration des argentinischen Stars zu leiden hatte und mit seinem Klub im Camp Nou mit 0:5 baden ging.

Daher ist für den Spieler mit dem Spitznamen Carepato (Entengesicht) trotz der aktuellen Tabellensituation eines ganz klar: "Für mich steht fest, dass Argentinien und Brasilien sich direkt für die WM qualifizieren werden. Unabhängig von ihrem aktuellen Tabellenplatz sind das hervorragende Mannschaften, die über enorm starke Spieler verfügen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Messi und Neymar bei der WM nicht dabei sein werden."

Seine weitere Prognose sieht folgendermaßen aus: "Kolumbien verfügt über eine sehr gute Mannschaft und wird sich meiner Meinung nach qualifizieren. Und das nächste Team, das sich für die WM qualifizieren muss, ist natürlich Chile. Uruguay ist sehr stark, und Ecuador macht seine Sache ebenfalls gut. Unter diesen vier Teams werden also die restlichen WM-Tickets vergeben werden."

Auf der Suche nach Alternativen und Lösungen
Im Alter von 30 Jahren erlebt Díaz gerade eine gute Karrierephase. Nachdem er sich beim "glorreichen Universidad de Chile", wie er den Klub seines Herzens nennt, durchgesetzt hatte, wechselte er nach Europa und war eine Zeit lang in der Schweiz und in Deutschland aktiv.

"Ich habe in diesen körperlich anspruchsvollen Ligen viel gelernt. Wenn man gegen so große Spieler mit einer so starken physischen Präsenz antreten muss, fühlt man sich selbst ein wenig schwach. Also habe ich versucht, Alternativen in der Spielweise zu finden", räumt der Spieler ein, der bei einer Körpergröße von nur 1,66 Meter andere Wege finden musste. "Ich habe mich mit dem Ball am Fuß durchgeschlagen, denn das gefällt mir und das kann ich am besten. Harte Zweikämpfe sind nicht mein Ding, waren es nie und werden es nie sein. Daher musste ich Alternativen finden. Ich musste am Ball bleiben und mich auf diese Weise profilieren."

Nach Engagements beim FC Basel in der Schweiz und beim Hamburger SV in Deutschland wechselte Díaz im Januar 2016 in die spanische Liga. Er unterschrieb bei Celta Vigo, dessen Trainer Eduardo Berizzo bei der WM 2010 in Südafrika als Assistenztrainer des chilenischen Nationaltrainers Marcelo Bielsa fungiert hatte. Da die Spielweise des Klubs der des chilenischen Nationalteams sehr ähnlich ist, fiel ihm die Eingewöhnung leicht. "Ja, es gibt natürlich einige Verbindungen. Er stammt aus derselben Schule. Berizzo arbeitet ganz ähnlich wie Bielsa und [Jorge] Sampaoli, die in Chile ihre Spuren hinterlassen haben. Die Formationen sind die gleichen und auch die Methoden", bestätigt der Spieler, der sich zu einem Leistungsträger im chilenischen Mittelfeld entwickelt hat, seit er 2011 in der Qualifikation für Brasilien 2014 unter Sampaoli sein Debüt gab. Heute setzt auch Juan Antonio Pizzi, der aktuelle Trainer der Roja, sein Vertrauen in ihn.

"Physisch bin ich in sehr guter Verfassung. Ich bin gerade gut drauf, deshalb kann ich ganz gelassen spielen, ohne an meinen Fähigkeiten zweifeln zu müssen", meint er nach einer schwierigen Zeit, in der ihn Verletzungen immer wieder aus dem Rhythmus gebracht hatten. "Wenn man so viele Rückfälle hat, löst das schon eine gewisse Angst aus, weil du kein Spiel verpassen und regelmäßig zum Einsatz kommen willst. Aber das ist jetzt abgehakt. Jetzt bin ich schon eine ganze Zeit lang verschont geblieben." Der Mittelfeldspieler führt seine Verletzungsfreiheit vor allem auf Änderungen im Training, eine andere Ernährung und viel Ruhe und Erholung zurück.

Diese Erholungsphasen bekommt er, obwohl er kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist. Doch die kleine Colomba und sein Sohn Maximiliano strengen ihn nicht an, sondern helfen ihm vielmehr dabei, vom Fussball abzuschalten. Außerdem spielt er in seiner Freizeit Tennis. Dennoch räumt er ein, dass es ihm nicht leicht fällt, den Fussball auszublenden. "Ich schaue jeden Tag Fussball. Das gefällt mir und ich brauche es. Ich möchte auf dem Laufenden bleiben und die anderen Spieler im Auge behalten. Der Fussball ist mein Leben, also muss ich immer dranbleiben." Er plant außerdem, den Trainerschein zu machen, weil ihn auch dieser Aspekt des Fussballs interessiert. Doch das ist ein Zukunftsprojekt, denn zunächst einmal steht er auch weiterhin selbst auf dem Platz.

Und er arbeitet hart, um sich stetig zu verbessern. Denselben Rat gibt er auch den jungen Spielern. Das ist sein Erfolgsrezept. Er verlangt sich selbst das Maximum ab und steckt sich Ziele. "Ich möchte mein Defensivspiel wirklich noch verbessern, und das kann ich nur schaffen, wenn ich weiter hart arbeite", meint er lächelnd.

Der erklärte Bewunderer von Xavi ist auch voll des Lobes für den chilenischen Stürmer Marcelo Salas. "Er war immer mein Idol. Ich habe ihn bei Universidad de Chile spielen sehen und war fasziniert von ihm. Später hatte ich dann das Glück, zu Beginn meiner Karriere mit ihm zusammenzuspielen. Es war ein Vergnügen, ihn kennenzulernen und die Kabine mit ihm zu teilen. Ich entdeckte, dass er ein ganz bescheidener Mensch ist. Er brachte dir Dinge bei, ohne ein Wort zu verlieren. Als er am Ende seiner Karriere nach Chile zurückkehrte, trainierte er noch immer hart, härter als die jungen Spieler. Das war wirklich auffällig."

Díaz will mit ebenso gutem Beispiel vorangehen und seine Ziele mit harter Arbeit und viel Einsatz erreichen. Das nächste ist die WM in Russland. "Wir sind zuversichtlich, dass wir uns für die WM qualifizieren können und wollen dort Wiedergutmachung für das leisten, was in Brasilien passiert ist. Es tat schon weh, so auszuscheiden, und wir wollen die Revanche. Russland bietet eine große Chance für diese chilenische Generation."