2018 FIFA Weltmeisterschaft™

Kroatiens aufmunternde Botschaft für ein Tennis-Idol

(FIFA.com)
1998 World Cup Semi-Final: Croatia's team pose with 'Thanks Goran' T-shirts, reference to Wimbledon finalist Ivanisevic.
© Getty Images
  • Halbfinalisten zeigen aufmunternde Botschaft für demoralisierten Goran Ivanisevic
  • WM und Wimbledon machten 1998 zu einem goldenen Sportjahr für Kroatien
  • Zvonimir Boban über die Geste der Solidarität

Die kroatischen Spieler, die man auf diesem Bild sieht, standen kurz vor dem wichtigsten Spiel ihres Lebens. Bei der ersten WM-Teilnahme als unabhängige Nation erreichte Kroatien die Runde der letzten Vier. Kurz nach dieser Aufnahme traten die Akteure dann gegen Gastgeber Frankreich zum Spiel um den Einzug ins Finale an.

Und doch dachten sie in diesem historischen Moment nicht nur an sich selbst, an ihr Land oder die vor ihnen liegende Aufgabe, sondern wandten sich einer ganz anderen Sportart zu und zollten einem Landsmann Tribut, der genau wie sie im Sommer 1998 ganz Kroatien stolz gemacht hatte.

Während die Fussballer in Frankreich zauberten, hatte Goran Ivanisevic in Wimbledon begeistert und die Hoffnung auf ein kroatisches Titel-Double genährt. "Wenn das tatsächlich passiert", so der Tennisstar damals, "dann wäre wohl das ganze Land für den Rest des Jahres vor Freude betrunken – auch ich selbst und die Fussballmannschaft!"

Doch es kam anders. Wie schon in seinen beiden vorangegangenen Wimbledon-Endspielen zog Ivanisevic auch in diesem Jahr den Kürzeren. Daraufhin beschlossen die kroatischen Fussballer, ihre Solidarität und Wertschätzung für den berühmten Landsmann zu demonstrieren.

"Goran ist in Kroatien enorm beliebt. Die Menschen verehren ihn", so Zvonimir Boban, der zu Kroatiens WM-Team 1998 gehörte, gegenüber FIFA.com. "Als er 1998 zum dritten Mal in Wimbledon das Finale verloren hatte, teilte das ganze Land sein Leid. Indem wir ‘Danke, Goran’ sagten, waren wir ihm nahe und konnten auf diese Weise auch unseren großen Stolz auf diesen Sportler demonstrieren."

*Symbolische Geste sportlicher Verbundenheit *Und der gewünschte Effekt stellte sich ein. Ivanisevic war nach seiner dritten Finalniederlage mutlos und schon fast überzeugt, dass er den größten Titel im Tennis wohl niemals gewinnen würde – was sich als falsch erwies. Als ein Reporter versuchte, mit einer Frage zum 3:0-Sieg Kroatiens im Viertelfinale gegen Deutschland Ivanisevics Stimmung aufzuhellen, meinte er nur düster: "Ich kann im Moment über nichts und niemand jubeln. Ich kann mir nur die Kugel geben."

Doch Boban und Co. gelang es mit ihrer Geste, Ivanisevich wieder sein typisches Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Kroatien verlor das Halbfinale gegen Frankreich knapp. Beim historischen Spiel um Platz drei nahm dann auch Ivanisevic auf der Tribüne Platz.

"Goran kam zu unserer Siegesfeier. Wir umarmten uns und er bedankte sich", erinnert sich Boban. "Dieser Moment war für unser Land sehr wichtig. Es war eine symbolische Geste sportlicher Verbundenheit und Kameradschaft."

Ivanisevic war anfänglich selbst ein vielversprechender Fussballer und hatte sogar bei seinem Lieblingsklub Hajduk Split trainiert, bevor er sich für eine Tenniskarriere entschied. Natürlich stand er voll und ganz hinter der neu gegründeten kroatischen Nationalmannschaft und war mit vielen Spielern gut bekannt.

Mit Boban bestand eine besonders enge Verbundenheit. Als der Star vom AC Mailand zum Ende seiner Karriere zum Abschiedsspiel nach Zagreb einlud, ließ er sich in der Schlussphase des Spiels auswechseln. Für ihn kam kein anderer als sein alter Freund Ivanisevic ins Spiel. Der Wimbledonsieger von 2001 erzielte prompt ein Tor und wirbelte danach sein Kroatien-Trikot wie ein Lasso über dem Kopf – damit hatte er einen lang gehegten Traum wahr gemacht.

Ivanisevic revanchierte sich mit mehreren Einladungen zu Tennispartien für Boban, wobei es allerdings diverse Organisationsschwierigkeiten gab. "Goran und ich sind immer noch sehr gute Freunde. Allerdings haben wir leider schon seit mehreren Jahren nicht mehr die Zeit gefunden, gemeinsam Tennis zu spielen", so der Ex-Fussballer, der heute als stellvertretender FIFA-Generalsekretär sehr beschäftigt ist.

"Nach dem Ende unserer aktiven Karrieren haben wir ziemlich viel gespielt. Dabei galten folgende Regeln: Jedes Spiel begann mit 30:0 für mich. Goran hatte nur einen Aufschlag, spielte normal mit der Vorhand, durfte Slices aber nur mit der Rückhand spielen! Im Moment liege ich in der Gesamtwertung noch mit 7:6 vorn und weiß noch nicht, ob ich nochmal gegen ihn spiele und ihm damit die Chance gebe, mit mir gleichzuziehen!"

*Hätten Sie's gewusst? *Das unverwechselbare rot-weiß karierte Trikot, das Boban - und ganz kurz auch Ivanisevic – voller Stolz trugen, sticht im Regenbogen der Nationaltrikots im Eingangsbereich des FIFA Welt Fussball Museums deutlich heraus.

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