1,4 Millionen Follower auf Instagram: der Schweizer Junioren-Weltmeister Charyl Chappuis sagte einst Juventus Turin ab, ein möglicher Wechsel in die Bundesliga zum Hamburger SV platzte und doch wurde er zu einem Superstar – in Thailand. Dort wird aktuell der Traum der WM-Qualifikation gelebt.

"Ich bin sehr glücklich, wie sich mein Leben und meine Karriere entwickelt hat", verrät Chappuis FIFA.com. "Wenn ich zurückblicke, dann hätte ich aber mit dem Wissen von heute vielleicht nach dem Gewinn der U-17-Junioren-WM das Angebot von Juventus Turin angenommen. Doch ich hatte damals ein wenig Angst vor dem Schritt in ein anderes Land zu gehen und meine Familie zu verlassen."

Fan-Millionär auf Instagram
Fernab von der Bundesliga, der Serie A oder der Premier League, wo seine damaligen Teamkollegen in der Schweizer Junioren-Auswahl, welche 2009 in Nigeria FIFA U-17-Weltmeister wurde, baute sich Chappuis seine eigene Karriere auf. Die Erfolge mit der thailändischen Nationalmannschaft, der er sich nach seinem Wechsel in das Heimatland seiner Mutter anschloss, ließen seine Fanbase auf den sozialen Kanälen in Sphären schnellen, in welche Haris Seferovic, Granit Xhaka oder Xherdan Shaqiri bisher nicht vorstoßen konnten.

"Durch den Gewinn der Südostasien-Meisterschaft 2014 [AFF Suzuki Cup] ist eine Fussball-Euphorie in Thailand geweckt worden", erklärt der 25-Jährige, der großen Anteil am Erfolg hatte, den Hype und fährt fort: "Man sieht immer mehr Kinder und Jugendliche mit Shirts ihrer Lieblingsteams auf den Straßen. Die Fans sind überragend und pushen uns. Wir Nationalspieler erfahren sehr viel Liebe von den Fans und werden schon fast vergöttert." Es gibt allerdings auch eine Kehrseite der Medaille. "Umso härter fällt bei Misserfolgen dann auch die Kritik aus. Aber zum Glück kann ich noch kein thailändisch lesen und bekomme das dann nicht so mit", erzählt uns der Mittelfeldspieler mit einem leichten Schmunzeln.

Aber vor allem auf diese besondere Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit der Fans setzt Chappuis in den kommenden schweren Aufgaben in Asiens dritter und letzter Qualifikationsrunde für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™. Nach nur einem Punkt aus den ersten fünf Spielen sind die Chancen auf ein Weiterkommen der Kriegs-Elefanten drastisch gesunken. "Der Optimismus der Fans ist ungebrochen. Sie unterstützen uns grandios und erwarten gegen Saudiarabien (23. März) einen Sieg. Das wird allerdings sehr viel schwieriger, als das vielleicht die Fans denken. Doch wir dürfen uns nicht zu sehr unter Druck setzen und müssen die Spiele weiterhin genießen."

Thailand ist schließlich ein Neuling auf diesem Level. "Es ist das erste Mal, dass wir so weit in der WM-Qualifikation gekommen sind. Wir müssen einfach akzeptieren, dass andere Teams vor allem physisch stärker sind als wir. Die ersten Spiele liefen leider nicht besonders gut. Teilweise müssen wir uns da an die eigene Nase fassen, und teilweise kam ein bisschen Pech dazu", analysiert Thailands Nummer sieben ehrlich.

#Nevergiveup
Chappuis musste in den letzten Monaten eine harte Zeit durchstehen. Eine Knieverletzung zwang ihn zu einer Pause. "Ich fiel 16 Monate aus, und das ist eine verdammt lange Zeit." Ende des Jahres 2016 verhalf er dann bei seinem Comeback mit guten Leistungen Thailand zum Gewinn der Südostasien-Meisterschaft. Trainer Kiatisuk Senamuang wird wohl nun auch in der WM-Qualifikation nicht auf ihn verzichten wollen. "Ich fühle mich gut und bin auf dem Weg zu alter Stärke", so Chappuis.

Aufgeben angesichts der schweren Ausgangslage oder aufgrund von Rückschlägen ist also keine Option. Nicht umsonst teilt er mit seinen Fans auf Instagram den Hashtag #Nevergiveup, welches zu einem Lebensmotto für Chappuis geworden ist. "Abgeschaut habe ich mir das ein bisschen von John Cena [WWE-Wrestler]. Ich bin nämlich ein großer Wrestling-Fan und schaue am Wochenende nicht nur die Bundesliga, sondern auch regelmäßig Wrestling."

Die thailändischen Fans werden darauf hoffen, dass ihr Held - inspiriert von John Cenas Künsten im Ring - nun auf dem Fussballplatz die Muskeln spielen und vielleicht doch noch das Unmögliche wahr werden lässt. "Es wäre ein Traum mit Thailand an einer WM teilzunehmen - das Land würde durchdrehen. Klar, es ist eine ganz schwere Aufgabe, aber ich werde nie aufhören zu träumen." Und vielleicht können sich die Fans auf etwas Neues bei einem Torerfolg Chappuis’ freuen. "Falls ich gegen Saudiarabien ein Tor erziele, dann jubele ich vielleicht mal in John-Cena-Manier", ließ der sympathische Techniker durchblicken.